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Die WWDC – Apples Jahrestreffen

27.05.2014 | 10:03 Uhr |

Die alljährliche WWDC ist eine Pflichtveranstaltung für alle aus der Apple-Branche – auch wenn die Konferenz inzwischen aus allen Nähten platzt.

Beim Essen, in der Kaffeepause oder auf dem Raucherbalkon: "Hi, wie heißt Du, was machst Du? Cool, hier ist meine Karte, ich melde mich mal!" Kontakte oder Anschluss zu finden, ist hier nicht schwer. Es ergibt sich förmlich, denn hier sind alle eine Familie.

Apples "Worldwide Developers Conference" klingt nach einer langweiligen Konferenz für Programmierer, die sich in großen Klassenzimmern mit nichtssagenden Codezeilen herumquälen und dabei eine unvernünftig große Menge Kaffee konsumieren. Das stimmt auch – ist aber nur ein ganz kleiner Teil der WWDC. Denn die Konferenz ist noch viel mehr. Die WWDC ist das Jahrestreffen der Apple-Familie. Zumindest war sie das einmal. Denn die WWDC ist aus ihren Schuhen heraus gewachsen.

Dies ist der Ort, an dem immer die wichtigste Apple-Keynote des Jahres stattfindet. Dies ist auch der Ort, wo die größte Ansammlung von Branchenkennern zusammen trifft. Und dies ist eine Veranstaltung mit vielen Traditionen und Ritualen. Die WWDC ist heute aber auch der Ort, wo Apples Geschichte und Gegenwart aufeinander trifft. Hier treffen sich seit über 20 Jahren Apple-Insider aus aller Welt traditionell auf ein Bier, leiern Kooperationen an und werden gleichzeitig von anderen Unternehmen umworben. Wo viele erfolgreiche Entwickler sind, versuchen Firmen, diese für sich zu gewinnen. Bis 2002 fand die WWDC noch in San Jose statt. Heute ist die Konferenz so überlaufen, dass Apple wohl die vielfache Anzahl Tickets verkaufen könnte. Besonders schmerzlich haben das im vergangenen Jahr Entwickler aus Europa gemerkt. Der Beginn des Kartenvorverkaufs war für 19 Uhr MESZ an einem Abend im April angesetzt, 71 Sekunden später war die Konferenz ausverkauft. Im Vorteil waren die Interessenten, die näher an den Servern in den USA standen und schneller von diesen Antwort erhielten. Immerhin war die Situation 2012 genau anders herum: In Europa bestellten Entwickler sofort an dem Frühnachmittag, an dem Apple unerwartet den Vorverkauf eröffnete. Nach wenigen Stunden waren alle Tickets weg – und die ersten Programmierer zwischen New York und San Francisco wach, die den Tag entsprechend schlecht gelaunt begannen. Im Jahr 2014 schließlich änderte Apple das Verfahren. Um an eines der nach wie vor raren Tickets zu gelangen musste man sich registrieren und bei einer Verlosung Glück haben.

WWDC-Events: Keynote

© 2015

Die WWDC beginnt jedes Jahr mit einer wichtigen Keynote am Montagmorgen. Hier zeigt Apple neue Hard- oder Software, die dann auch Thema der Konferenz ist. Hier stellte das Unternehmen Produkte wie den Power Mac G5, iPhone 3GS und iPhone 4 vor. Im letzten Jahr war erstmals der neue Mac Pro zu sehen, wenn auch nur als fast fertiges Konzept. Für Softwareankündigungen ist die WWDC besonders wichtig. Deshalb zeigte Apple hier beinahe jedes Jahr unter anderem eine Vorschau auf eine kommende OS-X- und iOS-Version.
Die Keynote ist eine der wenigen Veranstaltungen der WWDC , die öffentlich ist. Hier sind nicht nur Konferenzteilnehmer, sondern auch die Presse zugelassen.

Viele Traditionen

"Stump the Experts", WWDC Bash und die Apple Design Awards. Dies sind nur einige der Veranstaltungen rund um die WWDC, in diesen Fällen sind es sogar offizielle Apple-Veranstaltungen, die einen großen Teil der Atmosphäre ausmachen. Der Bash ist eine große Party mit einem großen Büffet und einer meist recht bekannten Liveband. Wer dort spielt, ist bis zum Auftritt geheim, dennoch verbreiten sich die ganze WWDC über zahlreiche Gerüchte über die möglichen Bands.

Bei Stump the Experts treten dagegen WWDC-Besucher gegen Apple an – genauer gesagt gegen Apple-Mitarbeiter. Wer kennt sich besser mit der Apple-Geschichte aus, wer kennt mehr Trivia-Details zu alten Mac-Modellen oder OS-Versionen?

Die Apple Design Awards sind ausnahmsweise öffentlich und Apple nutzt diese Preisverleihung gerne zur gezielten Motivation der Entwickler. Denn hier haben die Programme und Apps die besten Chancen, die genau Apples Wunschvorstellung entsprechen: Hübsch gestaltet und dabei möglichst viele neue technische Möglichkeiten von OS X oder iOS nutzend.

WWDC-Events: Bash

© 2015

Der "Bash" ist die offizielle Party der WWDC. Hier gibt es im Freien Getränke, Livemusik und dazu meistens ein großes Hamburger-Büffet. Die Bands sind amerikanische Musiker mit mittlerem Bekanntheitsgrad wie die Barenaked Ladies, die "Youtube-Band" Ok Go oder Cake. Der Bash findet am Donnerstag statt, dem vorletzten Tag der Konferenz, zuletzt immer in den benachbarten Yuerba Buena Gardens .

Für viele Teilnehmer gibt es einen Hauptgrund, warum sie gerne den Weg nach San Francisco und die Kosten dafür auf sich nehmen: freilaufende Apple-Ingenieure . Nirgendwo sonst kommt man Apple und den Menschen dahinter so nahe wie hier. Die WWDC ist teils Lern-, teils Netzwerkveranstaltung. Hier kann man einem Entwickler von Apple seine Software unter die Nase halten und Verbesserungsvorschläge und Problemlösung erhalten.

Unendlich gewachsen

Apples enormes Wachstum und der App Store haben die Nachfrage nach WWDC-Tickets explodieren lassen. Bis vor einigen Jahren war die WWDC nie ausverkauft, Apple lud sogar einige Entwickler ein, kostenlos zu kommen. Heute gibt es hier beide Welten: diejenigen, die schon vor 20 Jahren ausschließlich für Macs programmiert haben, die jeden anderen aus dieser Zeit noch persönlich kennen und die Neueinsteiger, die sich ein paar schnelle Dollar mit ihrer ersten eigenen App erhoffen.

Apple hat dem Andrang in den letzten Jahren schon ein Stück weit Tribut gezollt, indem das Unternehmen die Lehrvideos der WWDC-Vorträge inzwischen für alle Entwickler freigibt. Seit 2013 Jahr gibt es sogar einige Livestreams, 2014 wird Apple die Keynote in HD auf Apple TV und im Browser übertragen .

WWDC-Events: Apple Design Award

© 2015

Die "Apple Design Awards" sind Apples Form der Anerkennung an die Entwickler. Hier prämiert das Unternehmen tolle Programme für OS X und iOS. Großen Wert legt Apple dabei, dem Namen entsprechend, auf Design und ein einfaches Konzept. Besonders große Chancen haben Entwickler, die in ihrer Software die neusten Schnittstellen und Möglichkeiten von iOS und OS X nutzen. Wie bei der Keynote ist hier Presse erlaubt. Heuer steigt die Preisverleihung bereits am Eröffnungsmontag.

Schon seit Jahren gibt es auf der WWDC das Gerücht, dies sei die letzte WWDC im Moscone West, dem größten Konferenzzentrum San Franciscos. Bisher hat sich nichts geändert. Manche fordern jetzt, Apple sollte auf einen größeren Standort ausweichen, beispielsweise nach Las Vegas. Hier gibt es große Hallen und gefühlt unendlich viele Hotelbetten. Zehntausende zusätzliche Besucher gleichzeitig machen hier nichts aus.

Doch könnte eine solche Expansion den Grundcharakter der WWDC zerstören. Aus einer Konferenz würde eine Messe. Touristenflair statt Startup-Szene, Casinos statt Yuerba Buena Gardens – damit wären die alten Zeiten der Apple-Familie, in der jeder jeden kennt, endgültig vorbei.

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