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WWDC: Manierliche Software für das iPhone

09.06.2008 | 21:34 Uhr |

Das bislang hermetisch verschlossene Telefon soll dank Software von Drittherstellern zur mobilen Plattform für Web, Entertainment und Business werden - wenn sich die Hersteller an gewisse Regeln halten.

Die wichtigsten Unterschiede zu Mac-OS X finden sich im "iPhone OS" (Betriebssystem des iPhone und iPod Touch) recht weit oben in der Bibliothekshierarchie. Da auf dem iPhone Maus und Tastatur fehlen, hat Apple für die Bedienung mit einem oder mehreren Fingern auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm das Framework "Cocoa Touch" entwickelt. Es ähnelt Cocoa, anstelle "Application" findet man dort aber ein neues Framework names "UIKit".

Ein Ereignis besteht dort aus der Berührung durch einen oder mehrere Finger an einer bestimmten Position des Displays. Dadurch könnte man zum Beispiel auf einer virtuellen Klaviatur Akkorde spielen. Cocoa Touch erlaubt, eigene Gesten zu definieren, über die die Software dann in einem Ereignis informiert wird.

Hinzu kommt die Klasse "UIAcceleration", die die vollständige Orientierung des iPhone im Raum mit allen drei Koordinatenachsen liefert. Um an diese Informationen zu kommen, genügt es, sich als Delegat des abstrakten Objektes "sharedAccelerometer" einzutragen. Dann erhält man regelmäßig Nachrichten ("accelerometer: didAccelerate:") mit einem speziellen Objekt, das im Inneren die Beschleunigungsinfo entlang der drei Raumachsen enthält plus einen Zeitstempel, damit eine Software die Nachrichten zeitlich sortieren kann. Damit lassen sich eine ganze Reihe von Spielen konstruieren, aber auch eine virtuelle Wasserwaage oder ein 3D-Objektbetrachter, bei dem man das iPhone neigt oder kippt, um ein Objekt von allen Seiten zu betrachten.

Über das Framework "CoreLocation" bekommt man Zugriff auf die aktuelle Position, die das iPhone anhand der verfügbaren WLAN- und Mobilfunknetze (und deren Position) ermittelt. Das Framework liefert die Information als Längen- und Breitengrad und die aktuell gemessene Genauigkeit beider Werte.

Push Notification Service ist Apples Antwort auf die Frage nach "Multitasking". Wie bisher kann auch auf dem iPhone 2.0 zu einem Zeitpunkt nur ein Programm aktiv sein - wer einen Film abspielt und einen Anruf erhält, beendet damit die Filmwiedergabe (die sich allerdings an der Stelle fortsetzen lässt, an der man abgebrochen hat). Hintergrundprogramme, die ständig aktiv sind, will Apple vermeiden, weil dieses Multitasking die Batterien des iPhone über Gebühr belastet - außerdem müsste man einen Mechanismus einbauen, der es erlaubt zwischen den Programmen zu wechseln.

Statt dessen gibt es "Push Notification Service". Darunter versteht Apple einen Dienst,der ähnlich funktioniert wie SMS nur mit automatischen Nachrichten. Wer beispielsweise mit einer anderen Person einen Chat startet, kann dank Push Notification Service trotzdem einen Anruf am iPhone entgegen nehmen. Die Chat-Software sendet an den Chat-Server die Telefonnummer des Angerufenen.

Dann steht dem Chat-Server drei Möglichkeiten offen: Er kann eine kurze Textnachricht an das iPhone schicken, wenn es im Chat eine neue Nachricht gibt. Oder er kann einen frei wählbaren Alarmton auslösen. Oder doch die gute alte SMS respektive MMS verschicken. Im Inneren einer solchen Nachricht ließe sich aber beispielsweise ein Verknüpfung mit der Chat-Software einbauen. Damit ist dann folgender Ablauf machbar: Man chattet am iPhone mit einer anderen Person. Wenn ein wichtiger Anruf kommt, unterbricht man den Chat und nimmt den Anruf entgegen. Treffen während des Gesprächs weitere Chat-Nachrichten ein, wird man mit einem Ton oder mit einer SMS darauf hingewiesen und kann nach dem Gespräch automatisch wieder in den Chat zurückwechseln.

Entwickler erhalten die technische Basis in einer neuen Version des iPhone-SDK ab Juli 2008. Der Dienst selbst wird voraussichtlich ab September 2008 erreichbar sein.

Internet Mit dem iPhone-SDK lässt sich auch die Online-Verbindung simulieren.
Vergrößern Internet Mit dem iPhone-SDK lässt sich auch die Online-Verbindung simulieren.
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