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War-Driving bei Computer-Kids immer populärer

24.01.2003 | 10:10 Uhr |

Kurz vor Mitternacht auf dem Parkplatz neben einer gro?en IT-Firma: Sebastian (20) hat seinen Wagen in einer dunklen Ecke geparkt. Nun sitzt er hinter dem Steuer, sein Laptop auf den Knien. Wenige Sekunden später ist er "drin" - im drahtlosen Netzwerk der Firma. "War-Driving" nennt sich der neue Trend aus den USA, bei dem die meist jugendlichen Hacker gezielt nach Funk-Netzwerken suchen und in diese eindringen - mit einfachsten Mitteln. Doch was für die meisten Spa? ist, kann in den betroffenen Unternehmen gro?e Schäden verursachen. Die erschreckende Bilanz der Sicherheitsexperten: Rund zwei Drittel aller Funknetzwerke sind gar nicht oder nur unzureichend vor Hackern geschützt.

Sebastian liest interne Papiere, private E-Mails, den letzten Geschäftsbericht. Zum Abschied lässt er einige Pornobilder aus dem Internet auf dem Drucker im Gro?raumbüro ausdrucken - und stellt sich dabei die Gesichter der Mitarbeiter am nächsten Morgen vor. "Ich könnte so viel Schaden anrichten, aber mir geht es nur um den Spa?." Spuren hinterlässt Sebastian nur, wenn er es will.

Noch nie war hacken so leicht: ?berall in Deutschland breiten sich so genannte WLANs (Wireless Local Area Networks) aus - allein in Köln gab es im Herbst 2002 insgesamt 187 Stück. Die Computer einer Firma oder eines privaten Haushalts werden dabei nicht mehr per Kabel, sondern über Funk verbunden. Das Signal macht aber an den Grundstücksgrenzen nicht halt, es ist noch etwa hundert Meter weiter zu empfangen.

Ein einladendes Ziel für die "War-Driver". Um sich Zugang zu verschaffen, brauchen sie nur ein Notebook mit Netzwerkkarte, die nötige Software gibt es kostenlos im Internet. "Wahrscheinlich können sich viele Menschen einfach nicht vorstellen, dass ein unsichtbares Funknetz gehackt werden kann. Dabei ist jeder geschickte Fünftklässler dazu mittlerweile in der Lage", berichtet Michael Müller, Sicherheitsexperte beim IT-Dienstleister Integralis. In Kabelnetzwerke können Hacker dagegen nur mit gro?em technischen Aufwand eindringen.

Die möglichen Schäden sind immens: "Man kann sich sehr, sehr viel vorstellen", sagt Bröhl. Wirtschaftsspionage wäre ein Kinderspiel, Saboteure könnten Betriebe lahm legen. Das Bundesinnenministerium verzeichnet in der Kriminalstatistik 2001 einen Anstieg der Computerkriminalität um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ursache für den drastischen Anstieg seien die Sorglosigkeit der Internet-Benutzer im Umgang mit Zugangsdaten sowie die Neugierde der häufig jugendlichen Täter. Spionage von Daten und Sabotage spiele noch eine untergeordnete Rolle. Es gebe aber eine sehr hohe Dunkelziffer, sagt Bröhl.

Der Jurist Maximillian Dornseif hat festgestellt, dass die strafrechtliche Bewertung von "War-Driving" derzeit noch nicht umfassend diskutiert wird. Rechtlich könnten die Firmen nur gegen Hacker vorgehen, wenn sie - durch verschiedene Schutzmechanismen im Netz - zeigen, dass ihre Daten vertraulich und nicht für den öffentlichen Zugriff gedacht sind. Trotz dieser Gefahren sehen Sicherheitsexperten keinen Grund, auf die Funkverbindung zu verzichten. Denn auch ein drahtloses Netzwerk sei mit Verschlüsselungen und anderen Schutzmechanismen einfach zu schützen. "Die meisten sind sich des Risikos gar nicht bewusst - oder zu faul, sich zu informieren", meint "Wardriver" Sebastian. dpa

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