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Warten auf Mozilla 1.0

19.03.2002 | 13:52 Uhr |

Das Kunstwort Mozilla hatten Netscape-Entwickler als Ausdruck für "Mosaic-Killer" erfunden. Die Nachfolger treten erneut an, um den Marktführer zu jagen. Der heißt nun Microsoft und nicht mehr NCSA.

München/Macwelt - Mit dem Erscheinen von Mozilla 0.9.9 steht der lang erwartetet Nachfolger von Netscape Navigator, Mozilla 1.0, kurz vor der Veröffentlichung. In Nachfolge der Firma Netscape entwickelt die Open-Source-Gruppe Mozilla einen freien Internet-Browser, der bereits die Basis für den Browser Netscape 6 bildete. Nach Jahren der Entwicklung brachte aber die neue Mutter-Company AOL den Browser Netscape 6 derart früh heraus, dass sich viele Anwender enttäuscht von dem Programm abwendeten. Trotz des Versionssprungs von 4.1 auf 6.0 handelte es sich beim Netscape-Browser um ein Programm, das noch in der Entwicklung war. Mozilla 1.0, der im April erscheinen wird, soll hingegen ein "fertiges Produkt" sein.

Aus zwei Gründen ist die Ausgangssituation gar nicht so schlecht für den letzten großen Gegner des Internet Explorer.
Ein erster Grund ist simple Marktmacht. Der mach eigenen Angaben weltgrößte Internet-Provider AOL überlegt, für seine Zugangssoftware AOL 7.0 Mozilla als Grundlage zu benutzen und nicht mehr wie bisher den Internet Explorer. Der Marktanteil des Internet Explorers würde sinken und eventuell auch ein fataler Trend im Internet-Design gestoppt: Webdesigner testen ihre Seiten oft nur noch auf die Kompatibilität mit dem Internet Explorer. AOL ist wohl der einzige Großkunde, der hier noch Abhilfe schaffen könnte.
Ein andere Grund sind neue technische Eigenschaften des Browsers. Neben neuen praktischen Details ist auch das Open-Source-Konzept ein Vorteil. Im Gegensatz zum originalen Netscape Browser ist der Kern des Browsers, die Rendering-Engine, frei. Dieser Teil des Browsers ist es, der aus Bildern, HTML-Text und Javascript eine lesbare Seite formt. In den auf dem Mozilla-Projekt basierenden Browsern ist dies die Engine Gecko, im Internet Explorer heißt sie Tasman. Theoretisch kann nun jeder Programmierer diese Engine in seine Produkte einbinden und sie um einen Renderer erweitern. Eine Möglichkeit, die Benutzerbasis zu vergrößern und zugleich die Qualität der alternativen Browserplattform zu verbessern.

Unser erster Eindruck von Mozilla 0.9.9 ist durchaus positiv. Dank Tabs kann man in einem Browserfenster mehrere Internetseiten gleichzeitig öffnen, auch die Einbindung von Suchmaschinen in den Browser ist weit einfacher möglich als beim Internet Explorer.
Außerdem kann Mozilla dank großer Entwicklergemeinde etwas, was der nur in englisch erhältliche Internet Explorer 5.1 unter Classic immer noch nicht kann: Nach Herunterladen eines Sprachpakets kann man seinen Mozilla in ein deutschsprachiges Programm verwandeln. sw

Info: Mozilla www.mozilla.org

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