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Warum Apples TV-Verhandlungen stocken

10.12.2015 | 10:41 Uhr |

Was ist denn nun mit Apples TV-Streamingdienst, der technisch angeblich fertig ist, aber noch nicht ausverhandelt? Ein Überblick.

Die Zukunft des Fernsehens  bestehe aus Apps , hat Tim Cook zur Vorstellung des Apple TV 4 im September erklärt. Auch wenn das nicht der Weisheit letzter Schluss sein dürfte , Apples kolportierte Pläne für einen TV-Streamingservice im Abo haben zuletzt einen Dämpfer erlitten. Einen TV-Kanal Apple, der dutzende Programme in einem Abo streamt, das um die 40 US-Dollar im Monat kosten könnte und in ernsthafte Konkurrenz zu den Kabelnetzwerken tritt, sucht man weiter vergeblich. An der Technik dürfte es nicht scheitern, wohl aber an der Rechtslage. Und hier scheint Apple die Lust verloren zu haben, mit Fernsehsender, Kablenetzbetreibern und anderen Rechteinhabern und -verwertern weiter zu verhandeln.

Zumindest behauptet der CEO des Fernsehsenders CBS, Les Moonves , dass Apple auf die "Pausentaste gedrückt habe". CBS wäre bei einem Apple-TV-Service gerne und habe auch schon mit Apple darüber gesprochen, derzeit gebe es aber keine weiteren Verhandlungen.

Die Kollegen von Recode erklären nun die Hintergründe des Verhandlungsstopps . Problematisch sei derzeit der Streit um das Geld und um den Zuschnitt der TV-Pakete. Apple wolle ein möglichst schlankes Angebot zu einem günstigen Preis anbieten. Während die Angebote der Kabelprovider in der Regel um die 100 Sender umfassen, will sich Apple in seinem Angebot auf ein gutes  Dutzend konzentrieren. Die Verbraucher müssten dann nur die wirklichen interessanten Kanäle bezahlen und wenn sie mehr ansehen wollten, entsprechend extra zahlen – aber nicht pauschal für Sender, die sie niemals interessieren. Alle beteiligten Verhandlungspartner versuchten Apple nun zu überzeugen, dass ihre Kanäle die wirklich interessanten sind und daher dringend im Basispaket enthalten sein müssten, das um die 30 US-Dollar im Monat kosten könnte.

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Extrasender gegen Aufpreis

Apple plane zudem auch ein Stufenangebot, das im Fernsehland USA so noch nicht bekannt ist. Sportkanäle würden etwa extra kosten. Dass die Verhandlungen derzeit stocken, bedeute aber nicht, Apple habe die Pläne bereits komplett aufgegeben. Sollte sich Apple durchsetzen und sein Modell etablieren, könnte das für die TV-Industrie einen ähnlichen Wandel bedeuten, wie der iTunes Music Store die Musikindustrie umkrempelte. Die großen Netzwerke wie Fox oder Disney schauern etwa ob des Gedankens, ihre Pakete auseinander zu schnüren und etwa Sport, Nachrichten und Unterhaltung getrennt anzubieten.

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Schwierig für die Rechteinhaber seien die Verhandlungen mit Apple, die vor allem der Senior Vice President Internet Software and Services Eddy Cue führt, wegen des Anspruchs auf eine schlanke Optik. Nicht nur könne der Verzicht auf ungeliebte Sender das Basispaket kostengünstig halten, sondern auch den Look elegant. Eddy Cue möge "keine Füller", wie ein Verhandlungspartner aus dem TV-Business Recode erklärt. Apple mag da aus der komplexen Thematik, die Apple Music aufgeworfen hat, gelernt haben. Übersichtlich ist etwas anderes, aber allmählich verbessert Apple die Gestaltung des Services.

Spagat zwischen Vollständigkeit und Übersichtlichkeit

Oder Eddy Cue hat schon mal etwas von Dieter Hildebrandt gehört, der in Neunzigern über die zunehmende Fülle der meist privaten Kabelsender klagte: "Bist du erst mal verkabelt, hast du Sch..., die sich stapelt". Apple muss sich nun an der Kunst versuchen, optimale Wahlfreiheit bei hoher Qualität eines schlanken Angebots zu erreichen. Kein Wunder, dass die Verhandlungen stocken, vermutlich schon seit Monaten. Ob Apple diese jemals wieder aufnehmen will, ist ungewiss.

Womöglich erklärt sich daraus die Ansage von Tim Cook, die Zukunft des Fernsehens basiere auf Apps. Damit entscheidet der Kunde selbst, welche Angebote er abonniert und ist für Übersichtlichkeit und Qualität seines Fernsehens selbst verantwortlich. Dass man mit hunderten von Apps auf dem Apple TV schnell die Übersicht verleirt, vor allem dann, wenn es weder einen einheitlichen Login gibt noch Siri in allen Apps auch suchen darf, steht auf einem anderen Blatt.

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