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Warum Healthkit derzeit keine Hilfe ist

19.12.2014 | 11:52 Uhr |

Health soll unsere Fitnesszentrale auf dem iPhone sein. Bisher ist die Umgebung jedoch kaum hilfreich. Fehler und Abstürze ärgern uns im Test.

In der Health-App sollen alle Daten zusammenlaufen, die von Fitness- und Gesundheitsapps dorthin exportiert werden. In der Theorie könnten wir somit Geräte und Apps unterschiedlichster Hersteller auf einen Nenner bringen und die aufgelaufenen Infos zentral überblicken. Mit Healthkit können Apps Fitnessdaten exportieren und zugleich auch aus der Datenbank importieren. So können wir beispielsweise Datenlücken schließen, wenn man unterschiedliche Apps zum Joggen nutzt oder den Schrittzähler mal zuhause vergessen hat. Auch Standard-Infos wie Alter und Gewicht könnten Apps so automatisch lesen und man muss es nicht in jeder neuen Fitnessapp von Hand eintragen.

Zu kompliziert

Doch schon auf den zweiten Blick wirkt es, als wäre die Health-App ein Testtool für Entwickler: "Datenpunkt hinzufügen", Datenquellen priorisieren und lange Listen von Datensätzen (Alle Daten zeigen) - das ist noch nicht der gewohnt einfache Apple-Stil. Dazu fehlt es uns noch eindeutig an Rückmeldung. Ein Graph mit einer Verlaufskurve und Durchschnittswerten ist keine aussagekräftige Analyse unserer Bewegung oder Ernährung. Und erst solche Rückmeldung lässt uns aus den Daten etwas lernen. Die Apps der Fitnessunternehmen sind inzwischen sehr gut darin, uns mit Herausforderungen, Zwischenmeldungen und konkreten Zielen zu motivieren. So wirkt Health und Healthkit derzeit noch wie eine stumme Datenverwahrungsstelle. Was nicht schlimm wäre, wenn zumindest das zuverlässig funktionierte.

Datenbank-Schluckauf

Das klappt noch lange nicht perfekt. Im Test der aktuellen Fitnesstracker für die iPhoneWelt 2/15 haben wir Healthkit über Wochen einer Belastungsprobe unterzogen. Zahlreiche Apps durften parallel ihre Daten in Healthkit speichern. Schritte, Distanzen, Kalorien, geschlafene Zeit, Fahrradkilometer, sogar den Blutalkoholwert. Oft waren dies identische Messungen, also die gleiche Einheit, die zur gleichen Zeit von mehreren Apps gemessen wurde (Beispiel: gegangene Schritte) und anschließend als Doublette in Healthkit landet.

Hier haben wir einige kleinere und größere Probleme festgestellt. Denn die Healthkit-Datenbank wirkt recht schnell überfordert. Sobald mehrere Apps dort wüten dürfen, bemerken wir Verzögerungen und teilweise lässt das Warten auf die Healthkit-Datenbank Apps sogar abstürzen. Dies erklärt sich aus unserer Sicht dadurch, dass die Datenbank einerseits noch nicht optimal ausgereift ist und zum anderen müssen die App-Hersteller wohl auch noch lernen, wie oft und wie lange sie Anfragen an die Healthkit-Datenbank stellen können, um optimale Leistung zu erreichen. Die App von Jawbone schreibt beispielsweise häufig Daten in Healthkit – ein Verhalten, das der Datenbank überhaupt nicht gefällt.

Unter den Quellen für einzelne Datenarten können wir mit "bearbeiten" die Priorität der Quellen festlegen. Gibt es von obersten Eintrag keine Daten, kommt die nächste Quelle dran.
Vergrößern Unter den Quellen für einzelne Datenarten können wir mit "bearbeiten" die Priorität der Quellen festlegen. Gibt es von obersten Eintrag keine Daten, kommt die nächste Quelle dran.

Generell wird die Health-App im Test immer langsamer, je mehr Daten dort auflaufen. Besonders frustrierend: Healthkit hat sich während unseres Intensivtests vier Mal komplett aufgehängt und erst nach einem Neustart des iPhone überhaupt wieder reagiert und zunächst alle Inhalte verloren. Langsam bleibt die Health-App weiterhin. In der Folge sehen wir einen Grund dafür: nach einiger Zeit tauchen unter "Alle Daten zeigen" einige Einträge teils Hundertfach in der Datenbank auf. Am 12. November seien wir laut Health-Übersicht angeblich über 200 000 Schritte gegangen. Nach mehreren Wochen Intensivtest ist die Health-App beinahe nicht mehr benutzbar.

Fazit: Ansatz schön, Umsetzung noch nicht

Im normalen Alltag, in dem man nicht so viele Apps gleichzeitig benutzt, sollten die Probleme weitaus geringer auftreten als in unserem Intensivtest. Dennoch hat uns das oft instabile und vor allem sehr träge Verhalten der Datenbank sehr skeptisch gemacht. Dazu kommt, dass Motivation, Rückmeldung und Analyse derzeit weiterhin nur in den Apps der einzelnen Hersteller stattfindet. Die Health-App benötigt man kaum, die darunter liegende Datenbank kann zumindest in der Theorie praktisch sein.

Die Health-App muss intuitiver und nutzerfreundlicher werden, damit Nutzer sie als Gesundheitszentrale akzeptieren.
Vergrößern Die Health-App muss intuitiver und nutzerfreundlicher werden, damit Nutzer sie als Gesundheitszentrale akzeptieren.

Derzeit ist Healthkit nach unserer Erfahrung eine nette Schnittstelle, mit der Apps Informationen wie Alter oder Gewicht importieren können, als zentrale Verwaltung aller Fitnessdaten eignet sich das System aber derzeit eher noch nicht. Vielleicht hatten wir Pech mit den Abstürzen der Datenbank, vielleicht müssen auch die App-Hersteller noch lernen, besser mit Healthkit umzugehen. Die Praxiserfahrung während der mehrwöchigen Tests war jedoch mehr als ausbaufähig.

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