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Warum Wearables Smartphones ablösen

05.07.2016 | 16:36 Uhr |

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben Smartphones das Verständnis im Umgang mit der Technik auf den Kopf gestellt. Mittlerweile nehmen die Mini-Computer in Hosentaschen-Größe einen derart wichtigen Stellenwert in unserem Leben ein, dass nur die wenigsten sich vorstellen könnten, auf sie verzichten zu können. Und dennoch wird sie schon in naher Zukunft niemand mehr benutzen.

Wenn man den neuesten Gerüchten rund um das iPhone 7 Glauben schenken mag, dann wird das nächste Apple-Handy keinen Kopfhörer-Eingang mehr haben.

Manche Anwender begrüßen womöglich eine solche Veränderung. Schließlich stammt das System rund um den 3,5-mm-Klinken-Stecker bereits aus dem Jahr 1978. Zu dieser Zeit wurde bereits bei Telefonarbeiten mit einem 6,35-mm-Klinken-Stecker gearbeitet. Vielleicht ist allmählich die Zeit für Veränderungen gekommen.

Natürlich gibt es auch die Stimmen, die sagen, dass durch die Abschaffung des traditionellen Kopfhörereingangs die Nutzer eingeschränkt werden und das alle Geräte mit einem „altmodischen“ Stecker somit nutzlos und unbrauchbar werden.

Was genau Apple als zukunftsbringend sieht, ist bisher noch unbekannt. Sollte das neue iPhone tatsächlich keinen 3,5-m-Kopfhörereingang besitzen, werden die iPhones wahrscheinlich entweder mit kabellosen Kopfhörern, welche man via Bluetooth mit dem Gerät koppeln kann, ausgeliefert. Oder Apple stellt neue Kopfhörer mit einem Lightning-Stecker vor. Oder vielleicht sogar beides.

In diesem Fall wäre Apple jedoch keineswegs das erste Unternehmen, welches solche Schritte ginge. Beim Moto Z hat bereits Motorola auf den Kopfhörereingang verzichtet. Ein paar kleine Unternehmen aus China folgen diesem Beispiel. Bei einem kann man sich aber recht sicher sein: Wenn Apple sich mit den neuen iPhone-Generationen von dem traditionellen Kopfhörereingang trennen sollte, wird es der gesamte Smartphone-Markt nachmachen.

Doch während sich die meisten über einen möglicherweise fehlenden Kopfhörereingang streiten, bleibt währenddessen eine Tatsache beinahe unbemerkt: Die Benutzer-Oberfläche wird nach und nach aufgetrennt und sogar unsichtbar. Diese Trends werden unsere Smartphones schon sehr schnell veraltet darstellen lassen.

Nehmen Sie lediglich das Beispiel der sogenannten „Earbuds“, Apples kolportierte In-Ear-Kopfhörer.

Die Revolution der Earbuds

Ein Unternehmen namens Doppler Labs präsentierte letzte Woche ein neues Produkt namens „ Here One “. Es handelt sich hierbei um die „weltweit erste In-Ear Computer-Plattform“. Die verwendete Technologie ist dabei eher mit einem iPhone zu vergleichen als mit den iPhone-Earbuds – und das ganze für rund 300 Dollar.

Wie auch schon mit den Earbuds kann mit Here One sowohl Musik oder Podcasts vom iPhone abgespielt als auch damit telefoniert werden. Allerdings steckt in der neuen Kopfhörer-Generation viel mehr Technik. Sehr viel mehr. In den Kopfhörern befindet sich spezielle Audio-Prozessor-Technologie in Form von mehreren Multicore-Prozessoren und diversen Mikrofonen. Und natürlich können die Kopfhörer auch mit einer eigenen Smartphone-App bedient werden.

Während die jetzigen Apple Kopfhörer nicht filigraner sind als zwei mit einem Kabel verbundenen Dosen, sind Here-One-Kopfhörer leistungsfähiger als ein PC vor wenigen Jahren.

Mit der App kann man genauestens kontrollieren, was man hören möchte. Beispielsweise kann man den Klang eines schreienden Babys ausblenden. Ist das Geräusch identifiziert und „deaktiviert“, soll alles bis auf dieses Geräusch über die Kopfhörer erklingen. Wenn man sich beispielsweise in einem lauten Restaurant oder Café befindet, soll man über die App die Hintergrundgeräusche ausblenden und sich somit voll und ganz auf das eigentliche Gespräch konzentrieren können.

Derart fortgeschrittenen Audio-Tricks erfordern eine hohe Performance-Leistung seitens der Technik. So werden zum Beispiel alle Geräusche in der Umgebung aufgezeichnet, umgewandelt, dann erneut – entweder mit oder ohne Modifikation – wiedergegeben. Dies findet so schnell statt, dass dass man keine Verzögerung feststellen kann.

Darüber hinaus behauptet Doppler, dass es sich bei der neuen Technologie nicht nur um Filter handelt und somit bestimmte Frequenzen mehr oder weniger gut ausgeblendet werden. Stattdessen kann die Technik die analysierte Umwelt tatsächlich „verstehen“ und dementsprechend verarbeiten.

Die Kopfhörer sollen im November erscheinen und rund 300 Dollar kosten.

Welchen Einfluss nimmt dies auf die Zukunft der Smartphones?

So unglaublich wie diese neue Kopfhörer-Generation auch klingen mag, gibt es bereits jetzt schon viel Kritik. Demnach seien die Kopfhörer überteuert, das Aufladen von kabellosen Kopfhörern sei viel zu umständlich und auch klanglich könnten Bluetooth-Kopfhörer nicht mit den „alten“ Kabelkopfhörern mithalten.

Diese Kritik erinnert doch sehr an die anfängliche Einschätzungen von sogenannten Wearables, wie der Apple Watch. Auch das Projekt einer smarten Brille von Google wurde nach einiger Zeit eingestellt – zu groß war die Kritik der Journalisten. Der allgemeine Glaube ist, dass Wearables eine einzige Enttäuschung sind.

Wearables sind nur dann sinnvoll, wenn sie ein Gerät vollkommen ersetzen können. Wenn ich anstatt auf mein Smartphone ebenso auf das Display der Smart Watch schauen kann, dann erfüllt die Smart Watch ihren Sinn und Zweck. Wozu benötigt man aber eine Smart Watch, wenn das Smartphone trotzdem ständig benötigt wird?

Solche Veränderungen sind bereits allgegenwärtig. Stück für Stück wird der Nutzen des Smartphones durch Wearables abgelöst. Weshalb sollte man beispielsweise die Lautsprecher eines Smartphones nutzen, wenn die neuen Kopfhörer von Doppler eine entsprechende Akkuleistung besitzen und somit den gesamten Tag über getragen werden können?

Mit Hilfe von virtuellen Assistenten und Bots benutzen wir unser Smartphone über Wearables, anstatt das Smartphone direkt zu bedienen. Dopplers Labs neue Kopfhörer sind ein hervorragendes Beispiel für die Zukunft aller Wearables: Sie können so gut sein, dass die entsprechende Smartphone-Komponente unbrauchbar wird – und irgendwann vielleicht auch das gesamte Smartphone.

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