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"Warum sollte ich etwas Schlechteres verkaufen als Macs?"

13.06.2003 | 13:50 Uhr |

Vor 15 Jahren gründete Archibald Horlitz die Firma Gravis - seitdem ist der deutsche Mac-Markt mit seinem Namen verbunden. Ein Gespräch über Apple, den Mac, die Konkurrenz und die Zukunft.

Macwelt: 15 Jahre Gravis - kaum ein anderer hat es so lange im Mac-Markt ausgehalten.

Horlitz: Genau genommen sind es 18 Jahre. Mit HSD haben wir in Berlin angefangen und Macs verkauft. 3 Jahre später haben wir beschlossen, die überall fehlende Peripherie selbst in den USA zu besorgen. Man muss bedenken, dass am Mac nichts anderes lief als spezielle Mac-Peripherie, und die gab es hier kaum. Wir haben uns so als Studenten die USA-Reisen finanziert. Und dann haben wir in der Nähe des Frankfurter Flughafens ein Lager gemietet und Peripherie direkt aus dem Flieger an Endkunden verschickt, per Mailorder. Das war dann die Geburtsstunde von Gravis.

 

Macwelt: Inzwischen hat Gravis 22 Shops in Deutschland...

Horlitz: Unseren ersten Shop haben wir 1991 in Hamburg eröffnet. Das war mehr so ein Lager mit Kisten drin und sah schrecklich billig aus. Wir haben uns ganz bewusst so ein Image gegeben. Die anderen Händler waren etwas angefressen, die waren ja 30 Prozent und mehr Marge gewohnt, denen hat es gereicht, am Tag einen Scanner oder einen Monitor zu verkaufen. Wir haben mit den ersten "Massen"-Macs, LC und LC II, andere Käufer erreicht und waren da sehr erfolgreich. Mitte der 90er Jahre hatten wir dann bereits über 20 Läden.

 

Macwelt: Und waren nicht so wirklich beliebt in der Mac-Szene...

Horlitz: Ein Tiefpunkt war, als ich Mitte der 90iger in einem Interview mit der Wirtschaftswoche gesagt habe, IBM solle Apple kaufen. Der eine hat eine große wirtschaftliche Stärke, der andere die besten Rechner und das beste Betriebssystem. Das hätte für mich Sinn gemacht

Macwelt: Und dann?

Horlitz: Apple hat uns nach dem Interview über Nacht alle Verträge gekündigt. Das ging dann vor Gericht und wir haben uns zum Vorteil von Gravis und damit sicher auch zum Vorteil von Apple geeinigt - und die Verträge natürlich behalten.

 

Macwelt: Die Beziehungen zwischen Apple und Gravis war ja auch sonst nicht immer ganz einfach. Zwischendurch hat Gravis ja sogar eigene Macs gebaut.

Horlitz: Das war unglaublich. Wir haben die Gravis-Macs ja nicht wirklich selbst gebaut, aber wir haben günstige und vor allem leistungsstarke Konfigurationen unter Gravis-Label angeboten. Insgesamt haben wir in der Zeit über 20.000 Rechner verkauft, mehr als jeder andere Anbieter Mac-OS-kompatibler Rechner in Europa. Damit war dann zwar bald wieder Schluss, aber es hat geholfen, Gravis als Marke zu etablieren und nicht nur als Händler.

 

Macwelt: Seitdem hat Gravis stark am Image gearbeitet, die Shops in den größeren Städten haben mit Regalverkauf nichts mehr zu tun und müssen den Vergleich mit den Apple-Stores in den USA nicht scheuen.

Horlitz: Ja, da hat sich tatsächlich viel geändert. Aber das hat es bei Apple ja auch. Als im November 1998 der erste iMac heraus kam, haben wir gemerkt, dass neben der Technik auch das Design eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Ende 99 haben wir dann mit dem Umbau der größeren Shops begonnen - übrigens lange bevor Apple die eigenen Stores eröffnet hat. Der Umbau der Shops in den großen Standorten ist jetzt  mit der Neueröffnung von München abgeschlossen. Produkte wie die von Apple leben auch vom guten Design, und entsprechend müssen wir die auch präsentieren, und das tun wir jetzt.

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