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Was Apple in iOS 9 verbessern muss

05.06.2015 | 12:47 Uhr |

iOS 7 brachte die Optik, iOS 8 viele neue Funktionen – Apples Entwickler sollten sich bei iOS 9 darauf konzentrieren, das Fundament und etliche Apps des mobilen Betriebssystems zu verbessern.

Healthkit, Homekit, App-Erweiterungen, Anbindung der Apple Watch, die neue Programmiersprache Swift und dazu die Grafik-API Metal. Nicht zu vergessen, dass Apps seit iOS 8 nicht mehr pixelgenau auf die iPhone-Bildschirme angepasst werden müssen, sondern je nach Gerät dynamisch skalieren können – wegen des iPhone 6 und iPhone 6 Plus.

WWDC-Vorschau

Neben einer neue Fassung des Betriebssystems für iPhone und iPad wird die WWDC auch einen Nachfoger für OS X Yosemite bringen. Auch Apple Watch und Apple TV werden Updates bekommen , insbesondere dürfte das SDK für das Apple TV interessant werden.

Apple hat mit iOS 8 so viele Baustellen aufgemacht wie wohl noch nie. Mehr Fitnessfunktionen, mehr Heimsteuerung, dazu komplett neue Umgebungen für Entwickler: Kein Wunder, dass es dabei an der ein oder anderen Stelle zunächst geklemmt hat: Healthkit funktionierte anfangs gar nicht bis kaum und bis Juni gibt es immer noch keine Geräte mit Unterstützung für Homekit zu kaufen.

iOS steht aktuell vor vielen Herausforderungen und hat viele kleinere Baustellen, die oft Nachwirkungen von Jahre alten Entscheidungen sind. So liegt der „Zurück“-Knopf in iOS-Apps traditionell oben links – eine Interface-Entscheidung, die sich mit den großen iPhones rächt. Der Einhandmodus ist überwiegend dazu nötig, diese Bedienelemente zu erreichen, die man heutzutage, mit einem 5,5-Zoll-Display im Hinterkopf, niemals dort unterbringen würde.

Der Einhandmodus wurde extra für ungünstig platzierte Knöpfe erfunden.
Vergrößern Der Einhandmodus wurde extra für ungünstig platzierte Knöpfe erfunden.

Zudem sind einige Funktionen des Systems immer noch nicht so ausgereift, um tatsächlich hilfreich zu sein. Die Mitteilungszentrale ist und bleibt ein wildes Sammelsurium, das täglich von Hand ausgemistet werden muss. Apple hat die Inspiration für die Übersicht aller Benachrichtigungen von Android abgeschaut, warum nicht auch die Möglichkeiten, dort Mitteilungen einzeln oder alle auf einmal zu entfernen?

Apple muss aufräumen

Dazu schleppt iOS einige Doppler mit sich herum. Fotostream und iCloud-Fotomediathek? iTunes Match, bald ein neuer Streaming-Dienst für alle iTunes-Lieder und dazu auch noch iTunes Radio? Da lässt sich derzeit noch keine klare Strategie erkennen. Gut möglich, dass Fotostream und iTunes Match bald abgeschaltet werden.

Alte Fehler

Neben Designentscheidungen früherer Tage schleppt iOS immer noch alte Macken und Bugs mit sich herum. WLAN-Probleme und häufige Abbrüche der Wi-Fi-Verbindung bei vielen Nutzern oder die immer noch unzuverlässige Suche der Mail-App sind nur einige Beispiele. Da kennt man den genauen Betreff einer Mail, die man vor zwei Wochen erhalten hat und Mail findet diese dennoch nicht.

Das ist besonders ärgerlich, wenn man beispielsweise in einem Meeting schnell den zuletzt besprochenen Stand abrufen will und die entsprechende Mail partout nicht finden kann.

Ob Mail E-Mails findet, ist Glückssache, das muss besser werden.
Vergrößern Ob Mail E-Mails findet, ist Glückssache, das muss besser werden.

Außerdem kann man in Mail unter iOS nach wie vor keine Regeln anlegen oder ändern. Automatisches Wegsortieren in Ordnern ist nach wie vor nur unter OS X auf dem Mac möglich. Es wird Zeit, dass diese Funktion auch in das iOS kommt.

Unausgereifte Funktionen

Über den Sinn oder Unsinn von Apples Health-App haben wir uns in der Vergangenheit bereits gründlich ausgelassen. Auch wenn die Healthkit-Schnittstelle inzwischen zuverlässig funktioniert, ist die Health-App immer noch ein großes Fragezeichen. Derzeit ist sie lediglich ein Schauglas in die darunter liegende Datenbank. Das mag in einigen Fällen sinnvoll sein, um Daten aus einer Sport-App in eine andere zu importieren. Das große Ziel, alle Fitness- und Gesundheitsdaten zentral sichtbar zu machen, verfehlt Health immer noch. Die App bietet weiterhin keinerlei Auswertung über die reine Summe der Daten hinaus. Ziele, Rückmeldung, Einordung der Daten, die Health in immer gleichen Graphen anzeigt? Nein, gibt es nicht. Auch wenn Apple etablierten Anbietern von Fitness-Apps vielleicht keine direkte Konkurrenz machen will, ist dies ein schwacher aktueller Stand.

Bald obsolet? iTunes Radio ist bald vielleicht schon überflüssig.
Vergrößern Bald obsolet? iTunes Radio ist bald vielleicht schon überflüssig.

Selbst wer seine Bewegung nur rudimentär mithilfe es eingebauten „Schrittzählers“ der M7- oder M8-Coprozessoren zählen lässt (ab iPhone 5S), der braucht eine App eines Dritt­anbieters, da Health diese Daten zwar speichert, aber nicht einordnet. Obwohl iOS 8 mit Core Motion inzwischen sogar „Fahrrad fahren“ als Aktivität erkennt, unterstützt dies Health nicht – wertet es nicht aus.

Auch ärgerlich, die Health-App wirkt immer noch wie ein Test-Tool für Entwickler: „Datenpunkt hinzufügen“, Datenquellen priorisieren und lange Listen von Datensätzen (Alle Daten zeigen) – das ist noch nicht der gewohnt einfache Apple-Stil. Nur im Zusammenspiel mit der Apple Watch gibt es derzeit eine aussagekräftige Analyse unserer Bewegung. So bleibt die Health-App und im Grunde genommen die gesamte Healthkit-Umgebung weiterhin eine gute Idee, die maximal halbherzig umgesetzt ist.

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