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Was Googles I/O für Apple bedeutet

26.06.2014 | 13:31 Uhr |

Drei Wochen nach der WWDC hat auch Google Entwicklern neue Technologien vorgestellt. Manches kommt bekannt vor, neue Konkurrenzsituationen entstehen.

Google hat gestern auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O neue Technologien und Services vorgestellt, welche die Konkurrenzsituation zu Apple weiter verschärfen könnten. Unser Macworld-Kollege Dan Moren hat sich fünf Aspekte näher angesehen.

1. Das Betriebssystem: Android L vs. iOS 8

Google führt für sein Betriebssystem für Smartphones, Tablets und mehr eine neue Nomenklatur ein: Android L soll in diesem Herbst das aktuelle Android 4.4.2 KitKat ablösen. So wie Apple vor einem Jahr die Katzennamen für sein Mac-Betriebssystem abgelegt hat, verzichtet Google künftig anscheinend auf Süßigkeiten als Codenamen. Ob Android L jedoch die starke Fragmentierung der Plattform, auf der Apple immer wieder gerne herumreitet, verringern kann, ist fraglich. Gewisse Ähnlichkeiten zu den Neuerungen in iOS 8 will Dan Moren erkannt haben. So setzen beide Betriebssysteme auf energiesparende Funktionen und auf besseres Management stromhungriger Apps. Auch mehr Komfort trotzt Sicherheitsfunktionen schreiben Apple und Google groß. Während Apple jedoch auf Touch ID setzt, um das manchmal lästige Eintippen eines Passcodes verzichtbar zu machen, setzt Android L andere Technologien dagegen. So muss man seine PIN nicht mehr eingeben, wenn man sich zuhause aufhält oder ein bekanntes Bluetoothgerät mit sich herum trägt. Google will mit einer Kooperation mit Nvidia es zudem erleichtern, grafisch anspruchsvolle Spiele auf Smartphone und Tablet zu bringen, Apple setzt hier auf den neuen Grafiklayer Metal.

2. Der Kampf um das Wohnzimmer: Fernsehapparate

Mit Android TV unternimmt Google den mittlerweile dritten Anlauf, um im Wohnzimmer Fuß zu fassen. Android TV ist jedoch anders als Apple TV nicht eine bestimmte Hardware gebunden, Google stellt unterschiedlichen Herstellern wie Sony, Philips oder Sharp eine Plattform bereit. Und im Gegensatz zu Apple erlaubt es Google Entwicklern, Apps für den Fernsehapparat zu programmieren und sie über den Google-Play-Store zu vertreiben. Das Streaminggerät Chromecast bleibt hingegen im Angebot, dieses wird vermutlich aber immer mehr als bloßer Adapter für das Streaming von Bildschirminhalten von Smartphone oder Tablet auf den Fernseher dienen. Eine Aufgabe, die Apples Settopbox nebenbei übernimmt. Der Preis für das Apple TV ist zuletzt gesunken, was ein Indiz für einen Nachfolger sein könnte. Womöglich führt Apple mit einer neuen Hardware ja auch ein SDK zur App-Entwicklung ein.

3. Smartphone im Auto: Android Auto vs. Car Play

Google bewegte bei seiner Keynote sogar ein Kraftfahrzeug auf die Bühne, um die Funktionen von Android Auto zu zeigen. Diese sind nicht bedeutend anders als die von Apples Lösung Car Play. Entscheidend hierbei wird sein, welche Automobilhersteller Android Auto und Car Play in ihre Fahrzeuge integrieren. Vermutlich wird es sich aber kein Hersteller leisten wollen, auf eine der beiden Lösungen zu verzichten. Problem für beide: Die Produktzyklen in der Automobilindustrie sind weit länger als die im ITK-Bereich. Interessierte Nutzer werden wohl mehrere Smartphonegenerationen erleben, bis sie einmal das Automobil austauschen.

4. Gesundheit: Google Fit vs. Healthkit

Wie auch Apple mit Healthkit stellt Google mit Google Fit in Android eine Plattform bereit, über die Apps und Geräte diverse Daten zu Fitness und Gesundheit austauschen können. Gewiss eine naheliegende Idee, die Google laut Moren aber nicht konsequent umsetzt. Eine zentrale App wie iHealth sei nicht angekündigt, ebenso wenig sei die Plattform für Mediziner geöffnet. Inwiefern sich aber iHealth als eine Art digitaler Gesundheitskarte durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Nicht nur in Deutschland ist die Skepsis gegenüber derartigen Datensammlern groß.

5. Google legt bei der Armbanduhr vor: Android Wear vs. iWatch

Noch ist die iWatch eine Sammlung mehr oder minder plausibler Gerüchte, womöglich wird es im vierten Quartal aber doch so sein, dass Apple mit einer intelligenten Armbanduhr kommt. Google legt mit einer Plattform für Smartwatches bereits vor und versorgt Entwickler nicht nur mit einer, sondern gar mit zwei intelligenten Armbanduhren. Denn wer sagt denn, dass eine Uhr ein eckiges Display haben muss wie ein Smartphone und nicht doch besser ein rundes? Warum man eine Smartwatch anziehen sollte, habe Google aber nicht verraten, sondern nur eine Plattform gezeigt. Apple hingegen sei gut darin, den Leuten zu erklären, warum sie ein neues Produkt verwenden sollen, in einer Art und Weise, dass sich viele fragen, wie sie bisher ohne ausgekommen sind. Dieses Narrativ könne man von Apple womöglich im vierten Quartal erwarten. Apple lässt sich mit seinem ersten Wearable bewusst die Zeit, um diese Geschichte erzählen zu können.

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