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Was Mac-OS X wirklich leistet

04.04.2001 | 00:00 Uhr |

Kurz vor Redaktionsschluss der Macwelt-Ausgabe 5/2001, die seit 4. April an allen Kiosken liegt, hatten wir die Möglichkeit, Mac-OS X auf den High-End-Macs von Apple zu testen. Das Ergebnis mag überraschend sein, es zeigt aber auch, dass Hersteller ihre Hausaufgaben noch machen müssen

Mac-OS 9.1 gewinnt in einigen Kategorien das blaue Band des schnellsten Betriebssystems für Power Macs. Zweite Überraschung: Die Classic-Umgebung von Mac-OS X, in der man seine bisherigen Mac-Anwendungen starten und verwenden kann, ist sehr stabil und so schnell wie die Carbon-Umgebung von Mac-OS X. In Mac-OS X schneiden jedoch die meisten Carbon-Programme, die wir testen, etwas schlechter ab als unter Mac-OS 9.1.

Anpassung nötig

Mit Apple Works 6.0.4 überprüfen wir im Scrolltest unter anderem die 2D-Grafik der Quartz-Layer von Mac-OS X. Bei dieser Aufgabe beansprucht der Window Manager von Mac-OS X rund 25 bis 30 Prozent der CPU-Leistung. In diesem Test zeigt sich, dass beim Scrollen durch ein 500-Seiten-Dokument unter Mac-OS X nahezu doppelt so viele Sekunden verstreichen wie unter Mac-OS 9.1. Das gleiche Phänomen, wenn auch weitaus weniger ausgeprägt, stellen wir in anderen Programmen (beispielsweise den Web-Browsern Internet Explorer, Omni Web, Mozilla und iCab) fest. Beim "Suchen & Ändern"-Test, in dem wir Mac-OS 9.1 und die Classic-Umgebung von Mac-OS X vergleichen, liegen beide Systeme fast gleich auf. Einen gewaltigen Unterschied gibt es jedoch bei der Berechnung von Tabellen mit zahlreichen statistischen Funktionen (Varianz, Mittelwert et cetera). Hier erledigt etwa das Power-Mac-Flaggschiff mit 773 MHz die Aufgabe unter Mac-OS 9.1 in 60 Sekunden, in Classic und Mac-OS X verstreichen dagegen mehr als 200 Sekunden.

Positives Ergebnis

Schuld an den schlechten Ergebnissen unter Mac-OS X sind un-ter anderem die Anwendungsprogramme. Während einige Programme wie Apple Works 6.0.4 unter dem neuen System nur
einen Bruchteil ihrer OS-9-Geschwindigkeit erreichen, zeigen andere Anwendungen eine konstante Leistung. Apple bestätigt dies indirekt mit der Ankündigung einer neuen Version von Apple Works für Mac-OS X. Die Preview-Version stand uns bis Redaktionsschluss jedoch nicht zur Verfügung. Dass aber Programme unter Mac-OS X auch flott sein können, belegt vor allem Freehand 10. Das Zeichenprogramm wurde in mehr als zwölf Monaten speziell auf Mac-OS X angepasst und zeigt auch unter diesem System hervorragende Ergebnisse. In unserem Test ergeben sich zwischen Mac-OS 9.1 und Mac-OS X nur kleine Performance-Differenzen. Bei anderen Mac-OS-X-Programmen wie etwa Soundjam ist lediglich ein geringer Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Systemen feststellbar. Auch diese Lücke sollte der Softwarehersteller mit einer neuen Version schließen können.

Potenzial mit MP

Das Potenzial von Mac-OS X zeigen Anwendungen, die in kleine Tasks (Aufgaben) aufgeteilt sind und dank Multiprozessorunterstützung des Systems gute Ergebnisse erzielen. So rippt etwa Soundjam für Mac-OS X unsere Testdatei in Rekordzeit. Noch deutlicher wird das Ergebnis, wenn man dem System zwei Aufgaben stellt. Wir starten dazu eine Mandelbrot-Berechnung auf einem Power Mac G4/733, während der Rechner im Hintergrund eine andere Simulation (ökologisches System im Gleichgewicht) berechnet. Beide Aufgaben erhalten auf dem Rechner jeweils
49 Prozent der verfügbaren CPU-Leistung. Dabei dauert die Mandelbrot-Berechnung 86 Sekunden. Diesen Test erledigt der Doppelprozessor-Mac mit 533 MHz in 48 Sekunden. Startet man auf dem Dual-Mac unter Mac-OS X nur die Mandelbrot-Simulation, ist sie in der Lage, bis zu 120 Prozent der CPU-Leistung zu verwenden. Die Software ist nicht speziell auf Multiprocessing angepasst.

Fazit

Apples neues Betriebssystem Mac-OS X bietet in der Classic-Umgebung genügend Leistung. Das zeigt etwa unser Open-GL-Test, bei dem der Unterschied zwischen Mac-OS 9.1 und Classic rund 20 Prozent beträgt. Startet man Carbon-Programme, die sowohl unter Mac-OS 9.1 als auch unter Mac-OS X funktionieren, gibt es derzeit kein einheitliches Ergebnis. Einige Anwendungen schneiden auf beiden Systemen gut ab, andere fallen unter Mac-OS X zurück. Im Laufe der nächs-ten Monate sollten die Hersteller diese Unterschiede jedoch minimieren. Ein klares Signal geht von unseren MP-Tests aus. Verwendet man unter Mac-OS X den Power Mac 533 Dual, kann etwa eine CPU Anwendungen wie den Finder und Internet Explorer versorgen, während man in Freehand ohne Leistungseinbußen seine Grafiken von der anderen CPU berechnen lässt.

Die Testergebnisse im Einzelnen...

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