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Was hinter Beats steckt

30.05.2014 | 12:33 Uhr |

In den USA ist Beats schon seit Januar verfügbar, und auch unsere US-Kollegen von Techhive haben sich gefragt, wie Beats im Vergleich zu den in den USA sehr populären Diensten Spotify, Rhapsody oder Rdio punkten will.

Neben dem Angebot (Dr. Dre und Iovine haben eine Unzahl populärer Künstler unter Vertrag und können deren neue Werke erstmal exklusiv auf Beats veröffentlichen) sind das die sehr smarten Funktionen, mit denen Beats den Musikgeschmack seiner Kunden erforscht und bedient und die zu ziemlich guten Playlists führen.

Schick und smart

Zunächst kann jeder neue Abonnent aus dem musikalischen Angebot seine drei Lieblingskünstler auswählen und die abwählen, die er auf keinen Fall hören will. Das lässt sich dann beliebig verfeinern. Richtig gelungen ist „The Sentence“. Hier kann man einen Lückentext ausfüllen (Ich bin... und habe Lust auf.... mit... zu...) Wie so etwas ausgefüllt aussehen kann, zeigt die Abbildung. Ein Knopf auf „Play the Sentence“ präsentiert einen Mix, der sich weniger an den ausgewählten Lieblingskünstlern orientiert als an zuvor festgelegten musikalischen Genres. Auch die Playlists gehen über das übliche „Leute, die xyz hören mögen auch abc“ hinaus, vor allem die kuratierten Playlists, da sie immer wieder neue und überraschende Vorschläge präsentieren. Ein Highlight für unsere Kollegen sind die Playlists zu Tätigkeiten, also „Driving“, „Drinking“, „Feeling Blue“ oder auch „Starting a riot“, weil sie das Gefühl vermitteln, nicht von Suchmaschinen, sondern tatsächlich von Musikexperten zusammengestellt zu sein. Wer ganz gezielt sucht, kann sich ebenfalls austoben: Zu jedem Künstler gibt es alle wichtigen Alben, Hits, jüngste Veröffentlichungen und passende Playlists. Letzte Möglichkeit, Playlists zu erstellen, ist auf Basis von Empfehlungen. Wer ein bisschen Zeit investiert, wirklich interessante Leute mit ähnlichem Musikgeschmack zu finden, kann ihnen folgen und mit ihrem Input sein Repertoire an Playlists erweitern.

Das Design der App ist sehr durchdacht, schick und in den Dr.Dre üblichen Farben rot und schwarz gehalten. Hier die Screens zur Wahl der Lieblingskünstler, The Sentence und im Playmodus
Vergrößern Das Design der App ist sehr durchdacht, schick und in den Dr.Dre üblichen Farben rot und schwarz gehalten. Hier die Screens zur Wahl der Lieblingskünstler, The Sentence und im Playmodus

In den USA ist Beats 14 Tage lang kostenlos, dann sind 10 US-Dollar Monatsgebühr oder 99,99 US-Dollar Jahresgebühr fällig. Auf eine freies, werbefinanziertes Angebot verzichtet Beats – aber wie unsere Kollegen so schön schreiben: Wer die Welt dazu bringt, 200 US-Dollar für Kopfhörer zu zahlen, die allenfalls nach 100 US-Dollar klingen, der bringt auch Beats zum fliegen. Mit 250 000 zahlenden Abonnenten ist Beats allerdings momentan noch weit abgeschlagen hinter einem Spotify mit 10 Millionen.

Neue Wege

© 2015

Mit der Übernahme von Beats wagen Tim Cook und sein Team nicht nur die größte Investition der Firmengeschichte, sondern treten endgültig aus Steve Jobs' Schatten. Jobs hielt nichts von Streaming-Abos, übernahm nur kleine hoch spezialisierte Technologie-Unternehmen und beschränkte seine Produkte, abgesehen von iTunes, auf Apple-Geräte. Das ist inzwischen vorbei.

Beat läuft nicht nur unter iOS, sondern auch auf Android, via Browser auf jedem Rechner und auf Sonos-Soundsystemen, die App steht im iTunes Store, bei Google Play und im Windows Phone Store zum Download. Apple hat angekündigt, daran nichts zu ändern, es wäre also das erste Mal, dass aus Cupertino ein Service für Smartphones und Tablets mit Android- oder Windows-Betriebssystem kommt. Kein schlechtes Zeichen! mbi

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