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Was ist Digital Lifestyle

08.05.2003 | 17:36 Uhr |

Nach der Auffassung des Soziologen und Zukunftsforschers Matthias Horx ist der derzeit viel beschriebene "Digital Lifestyle" ein bis jetzt noch schwieriger Versuch, alle Töne, Bilder und Texte im Leben auf eine Plattform zu bringen, auf der man sie nach Belieben handhaben kann.

Matthias Horx, Trend- und Zukunftsforscher, ist Inhaber eines Think-Tanks für strategische Zukunftsberatung ( www.zukunftsinstitut.de ) mit Sitz in Frankfurt und Wien. Er gibt den monatlichen "Zukunftsletter" heraus. Sein aktuelles Buch "Future Fitness - Wie Sie Ihre Zukunftskompetenz erhöhen. Ein Handbuch für Entscheider" ist im März 2003 bei Eichborn, Frankfurt/Main, erschienen. In der aktuellen Ausgabe der Macwelt schreibt Horx über Apples Chancen als Vorreiter des Digitalen Lifestyles und seine eigenen Erfahrungem im Computeralltag. Exklusiv für Premium-Abonnenten haben wir einen Ausschnitt aus Horx aktuellen Veröffentlichungen zusammengetragen.

Macwelt: Herr Horx, was bedeutet für Sie "Digital Lifestyle"?

Horx: Das ist der bis jetzt noch sehr schwierige Versuch, alle Töne, Bilder, Texte in meinem Leben auf eine Plattform zu bringen, auf der man sie nach Belieben handhaben kann. In der Wirklichkeit ist das allerdings noch ein ziemliches Gewürge, wenn ich ehrlich bin. Es führt nach meiner Erfahrung zu einem unglaublichen Aufwand an "futzing", an Einstellungs- und Einstöpselarbeit an Computern. Es führt zu Abstürzen, Überforderungen von Mensch und Maschine. Zu einem manchmal bizarren Betreiben von mehreren Systemen mit mehreren Betriebssystemen und zu einer "Doppelten Welt", in der Analoges (Papier, CDs, Körperlichkeit) mit flüchtigen Dateien um Aufmerksamkeitsressourcen kämpft. Manchmal befällt mich das Gefühl, der Mensch sei am Ende doch ein ganz und gar analoges Wesen, das nur vorübergehend zu Gast in der digitalen Welt sein kann.

Macwelt: Apple sieht sich gerne als Vorreiter des "Digital Hub". Sehen Sie darin eher den Wunsch eines PC-Herstellers oder echte Bedürfnisbefriedigung?

Horx: Das ist natürlich beides, und das muss auch so sein. Ich bin ja nun ein Heavy-User von Apple und weiß Bescheid über dieses Konzept. Ich habe fast alles, was diese Firma als leuchtenden Technik-horizont verspricht, vom Powerbook über den iPod zum Joggen bis zum drahtlosen Hub, den meine Frau, meine Kinder und ich zum Surfen im ganzen Haus nutzen. Ich verstehe das Konzept und den Anspruch und respektiere es als den ernsthaftesten Versuch derzeit, sich über das Verhältnis Mensch-Computer und die dazugehörigen Schnittstellen Gedanken zu machen. Ich kämpfe damit und liebe es. Aber ich weiß noch nicht, wer diese Schlacht am Ende gewinnt. Das digitale Chaos oder die neue digitale Ordnung. Bislang ist nur eines wirklich in Ordnung, und das ist das Design. Als Design-Liebhaber liebe ich Apple. Und nur die.

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