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Was soll Apple zur Macworld Expo noch bringen?

22.05.2002 | 13:55 Uhr |

Zweimal im Jahr zerbrechen sich selbst ernannte Insider im Vorfeld der Macworld Expo den Kopf, was Steve Jobs auf seiner Keynote vorzustellen gedenkt. Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat acht Wochen vor der Messe eine wagemutige Idee.

München/Macwelt - Bisher haben weder Apple noch IDG World Expo, die Veranstalter der Macworld Expo in New York, bekannt gegeben, ob und wann Steve Jobs die Messe mit einer Keynote eröffnen wird. Bei keinem der US-Großereignisse musste der Apple-CEO in den letzten Jahren die Bühne des Moscone- oder Jacob-Jarvits-Center mit leeren Händen betreten. Nun hat aber Apple in den letzten Wochen einige neue Geräte, Technologien und einige Produktupgrades herausgebracht, so dass für neue Produkte wenig Raum scheint.

Upgrades gab es zuletzt für die Mobilrechner aus Cupertino, mit schnelleren Prozessoren und leistungsfähigerer Grafik. Grundsätzlich hat sich an iBook und Powerbook nichts geändert. Seinen Einstieg in den Server-Markt zelebrierte der Mac-Hersteller letzte Woche vor einer Schar handverlesener Journalisten, ohne die breite Öffentlichkeit via einer Internetübertragung teilhaben zu lassen. Und die nächste Generation von Mac-OS X, Codename Jaguar, haben bislang nur Entwickler zu Gesicht bekommen.

Schnellere Powermacs stehen sicher in der Pipeline, auf Spektakuläres hoffen aber nur selbsernannte Insider. Aber vielleicht spendiert Apple seiner Profireihe im auf der letzten New Yorker Expo vorgestellten Quicksilver-Gehäuse schon vor dem 15. Juli einen Speedbump. Der Powermac G5 ist bislang nicht in Sicht.

Zentrales Thema der Keynote, so Jobs sie hält, dürfte wie im Vorjahr eine neue Version von Mac-OS X sein. Hatte der Apple-Boss im vergangenen Jahr die Katze namens Puma aus dem Sack gelassen, erwartet die breite Öffentlichkeit nun Details zu Jaguar. Bisher ist weder klar, welche Versionsnummer das neue System bekommt, noch, ob es ein kostenpflichtiges Update wird.

An Neuerung bringt Jaguar unter anderem Verbesserungen der Oberfläche, wie aufspringende Ordner und einen schnelleren Finder, eine integrierte Instant-Messaging-Software namens iChat und den neuen, speicherhungrigen Grafiklayer Quartz Extreme, für den Apple seine neuesten Rechner mit mehr Video-RAM ausgestattet hat. Spekulationen hat aber die Handschriften-Erkennung Inkwell ausgelöst, über deren Sinn und Zweck die Verantwortlichen in Cupertino bislang wenig Erhellendes gesagt haben. Auf der WWDC führte Jobs vor, wie man jedem Mac-OS-X-Programm via Grafiktablett Texte handschriftlich übergeben kann, ob Grafiker weltweit auf diese Technologie fiebernd gewartet haben, bleibt dahingestellt.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat in seiner gestrigen Online-Ausgabe aber eine Anwendungsmöglichkeit für Inkwell postuliert. Demnach könnte Apple an einem Webpad arbeiten, das mit einem zentralen Rechner über Bluetooth oder Airport drahtlos kommuniziert. Es soll dabei nicht nur dazu dienen, überall im Haus seine E-Mail abrufen oder im Web surfen zu können, mehr noch sehen die Auguren von Forbes ein Apple-Pad als ein weiteres "device" für den digitalen Hub. Schon zur Vorstellung des iPod im letzten Herbst hat Apple ja angekündigt, weitere Geräte auf den Markt zu bringen, die in diese Philosophie passen.

Das Konzept des tragbaren Monitors ist nicht neu, schon im Vorfeld der iMac-Vorstellung kursierten die wildesten Spekulationen über einen "teilbaren All-in-one-Rechner". Auf der Cebit im März zeigte Microsoft erstmals seine Interpretation, bis Ende des Jahres soll "Mira" in den Handel kommen. Aber die Redmonder Vision endet in einem drahtlosen Surfbrett, das man mit einer drucksensitiven Oberfläche und einem Stift navigiert. Apple habe da mehr in petto, meinen die Kollegen von Forbes. Einerseits gelänge es Cupertino sicherlich leicht, für den Preis eines iPod ein Designer-Pad anzubieten, das wie der MP3-Player den "Muss-haben-Effekt" ausstrahle und sich daher "wie verrückt" verkaufe. Andererseits hat Apple mit seinen iApplikationen bereits einen entscheidenden Zweck für das Gerät gefunden. Forbes schlägt vor, einen tragbaren Monitor als herumreichbares Album für digitale Fotos zu verwenden. Die Einzelbilder oder Filme streamen drahtlos von einem Powermac oder iMac auf den Monitor, der auf diese Weise keinerlei Festplatte benötigte. Umgekehrt sendet das Pad Benutzereingaben zurück zum Rechner und da eine Tastatur hierfür störend wäre, käme jetzt Inkwell zum Einsatz.

Was von der Vision an Fakten bleibt, wird sich zeigen. Macwelt wird ab dem 15. Juli vor Ort sein und live aus New York berichten. pm

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