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Zweifel an Open-Source-Strategie für WebOS

13.12.2011 | 07:14 Uhr |

Im August hatte Hewlett-Packard (HP) zunächst bekannt gegeben, sein PC-Geschäft ausgliedern oder verkaufen zu wollen und WebOS inklusive des mäßig erfolgreichen Tablets Touchpad einzustellen.

Web OS
© HP

In Sachen PC-Geschäft ist HP nach einem Wechsel an der Führungsspitze zurück gerudert, bezüglich WebOS hat der Konzern am Freitag angekündigt, den Quellcode des einst von Palm entwickelten mobilen Betriebssystem unter Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen. Die Ankündigung wirft aber mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt, HP hat sich bisher nur sehr nebulös geäußert, wie es WebOS weiter unterstützen werde. Über die Zukunft von WebOS sind Marktbeobachter geteilter Meinung.

"Das ist ein Todesurteil, aber ein ehrenhaftes," meint der Analyst Avi Greengart von Current Analysis. HP werde das lästige Projekt los, und jeder, der einen Nutzen darin sehe, könne sich nun damit beschäftigen. Will Stofega von IDC fehlt die Unterstützung für WebOS seitens HP: "Das kann nicht allein als wissenschaftliches Experiment bestehen". So könne man aber keine großen Investitionen in das System erwarten, Weiterentwicklung des Systems und von Apps würde sich nicht lohnen. Telefonhersteller würden damit kein Interesse an WebOS haben, da es an Apps für das System fehle.

Mit Open Source alleine könne man nicht erfolgreich sein, erklärt Jack Gold von J. Gold Associates: "Warum ist Android erfolgreich? Nicht nur, weil es quelloffen ist, sondern weil Google dahinter steht." WebOS könne man mit anderen Linux-basierten Projekten vergleichen, die sich nur langsam entwickelten. Der mobile Markt ticke aber "zehnmal schneller", behauptet Gold.

Welche Open-Source-Lizenz HP auf WebOS anwende, sei zudem noch nicht klar, merkt Jay Lyman von The 451 Group an. Der Analyst spekuliert auf die Apache-Lizenz, die sehr weitreichende Änderungen erlaube, Entwickler könnten quelloffenen Code mit ihrem eigenen kombinieren und die daraus entstandenen Produkte verkaufen. Der Zeitplan stehe auch noch nicht fest. Proprietären Code in Open Source zu wandeln, könne mitunter lange dauern, wie Nokia an seinem System Symbian feststellen musste, das einige seiner patentierten Technologien in den Code verarbeitet hatte. Der Fall von WebOS sei aber nicht so komplex, die Veröffentlichung des Quellcodes für die erste Jahreshälfte 2012 zu erwarten.

Wer überhaupt an WebOS Interesse haben könnte, ist ebenso Gegenstand von Spekulationen unter Analysten. Eine interessante Theorie hat Chris Hazelton von The 451 Group. LG, noch recht neu im Smartphonemarkt und nur mit einem kleinen Marktanteil, könnte sich eventuell für WebOS begeistern. Als Nutzer denkbar seien auch Hersteller, deren Geräte nicht viele Apps benötigten, dafür mehr auf Medieninhalte setzten, wie es etwa beim Kindle Fire der Fall sei. Es gebe durchaus Bedarf für ein kostengünstiges High-End-System ohne Altlasten. Dem pflichtet auch Lyman bei, die Sorge um rechtliche Problem rund um Android könnte Hersteller über WebOS nachdenken lassen. Selbst HP halte es nicht mehr für ausgeschlossen, neue Tablets mit WebOS herauszubringen, berichtet der IDG News Service.

Das Problem an WebOS sei nie dessen Qualität gewesen, meint Will Stofega: "Es ist großartig, keine Frage." Nur sei WebOS zu spät auf dem Markt erschienen.

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