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Website zeigt Santa Claus im Visier von Luftkommando

13.12.2005 | 12:38 Uhr |

Der Heiligabend ist sein Hauptarbeitstag. Mit einem Rentierschlitten düst der Weihnachtsmann wieder kreuz und quer um den Globus, um in allen Ländern Geschenke zu verteilen. Seine Rundreise über die Kontinente bleibt allerdings nicht unbeobachtet.

Das US-kanadische Luftabwehrkommando NORAD liegt dem Mann mit dem Rauschebart am Heiligabend ständig auf der Lauer. Per Radar und Satellit ortet die Organisation den Standpunkt des fliegenden Rentier-Gespanns und gibt die geheimen Infos direkt an die sehnsüchtig wartenden Weltbewohner weiter.

Bereits seit 50 Jahren ist das Luftwaffenkommando dem Weihnachtsmann auf der Spur. Seit 1998 können Kinder und Erwachsene sogar auf der Internetseite «www.noradsanta.org» nachschauen, in welchem Land Santa Claus gerade durch die Schornsteine klettert. 912 Millionen Klicks auf der Webseite meldete das Luftabwehrkommando während der vergangenen Weihnachtszeit. «In diesem Jahr rechnen wir mit mindestens einer Milliarde Zugriffe», sagt der zuständige Leiter für das Weihnachtsmann-Projekt, John Tomassi.

Die Internetnutzer können die Webseite in sechs verschiedenen Sprachen aufrufen, in diesem Jahr sogar erstmals auf Deutsch. «Wir reagieren damit auf das große Interesse aus Deutschland», sagt Tomassi. Am Heiligabend ab neun Uhr morgens deutscher Zeit können Menschen aus aller Welt live am Computer mitverfolgen, wo Santa Claus gerade seine Kreise zieht. Alle fünf Minuten wird die Position des Weihnachtsmanns auf einer Weltkarte neu angezeigt, zu jeder vollen Stunde flimmert ein neuer Santa-Zeichentrickfilm über den Bildschirm: Zu sehen ist, wie der Weihnachtsmann am Nordpol in seinen Schlitten einsteigt, mit dem Gefährt im Höllentempo über die Chinesische Mauer braust oder um das Märchenschloss Neuschwanstein kreist. «Das Ziel seiner Reise ist Hawaii», sagt Tomassi. Wer am Heiligabend den Computer nicht anschalten will, kann auch direkt im NORAD-Quartier in Colorado Springs (Colorado) anrufen. 560 Freiwillige beantworten in mehreren Sprachen Fragen zum genauen Aufenthaltsort des Weihnachtsmanns. «Viele Kinder wollen wissen, wann Santa Claus zur Bescherung in ihr Haus kommt», sagt Tomassi. Allein am vergangenen Heiligabend zählte die Telefonzentrale 55 000 Anrufe.

Ein unerwarteter Telefonanruf läutete die Erfolgsgeschichte des mehrfach ausgezeichneten Santa-Projekts ein. Im Dezember 1955 hatte ein amerikanisches Kaufhaus in einer Zeitung für eine Santa-Hotline geworben - allerdings versehentlich mit einer falschen Rufnummer. Ein Junge wählte diese Nummer und hatte nicht den Weihnachtsmann an der Strippe, sondern Harry Shoup von NORADs Vorgängerorganisation CONAD. Als der Junge den verdutzten Oberst fragte, ob der Weihnachtsmann sei, schaltete Shoup schnell. Er gab sich mit einem tiefen «Ho, Ho, Ho» als Santa Claus aus und nahm die Geschenkwünsche des Jungen an. «Das war das Highlight meiner Karriere», sagt der 88-Jährige.

Der Offizier fand Gefallen daran, in die Rolle von Santa Claus zu schlüpfen. «Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder an den Weihnachtsmann glauben», sagt Shoup. Er stellte Soldaten ab, die per Telefon Wunschzettel entgegen nehmen und den genauen Aufenthaltsort des Weihnachtsmanns verraten. Seitdem sind Santa Claus und sein Gespann an keinem Heiligabend den Satelliten und Radaranlagen durch die Lappen gegangen. John Tomassi weiß warum: «Die rot leuchtende Nase von Rentier Rudolph ist für uns immer leicht zu orten.» (dpa)

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