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Weihnachten recycled

17.12.2003 | 11:28 Uhr |

Kochtopf und Nasenhaarschneider, Feinripp und Krawatten - Geschenke, die alljährlich auf zahlreichen Gabentischen landen und nur selten Freude verbreiten.

Mit etwas Glück lag vielleicht auch ein Rechner unter dem Tannenbaum, denn damit lassen sich auch für die nutzlosesten Geschenke Käufer finden - frei nach dem eBay-Motto: Des einen Müll ist des anderen Schatz.

Doch nicht nur die Weihnachtsgeschenke kommen bei den virtuellen Auktionshäusern, von denen es im deutschsprachigen Internet mehr als 100 gibt, unter den Hammer. «Neben Weihnachtsgeschenken wird auch nicht mehr benötigte Weihnachtsdekoration angeboten», sagt eBay-Sprecher Joachim Guentert in Dreilinden bei Berlin. Besonders beliebte Auktionsdaten seien der 25. und 26. Dezember sowie die Tage vor Neujahr: «Da müssen die meisten Menschen nicht arbeiten, und der Weihnachtsstress lässt langsam nach.»

Die Feiertage tritt der stationäre Einzelhandel gern an die Online-Verkäufer ab: «Im Internet kauft man eher außerhalb der Öffnungszeiten ein. In die Geschäfte geht man, um das Vergnügen zu haben, Dinge anzufassen und in Augenschein zu nehmen», sagt Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels in Berlin. Das machen die Menschen offenbar vom 27. an, denn die Geschäftsleute haben zwischen den Jahren keinen Grund zu klagen. «Diese Tage zählen für uns zu den umsatzstärksten - wurde früher hauptsächlich umgetauscht, wird heute Umsatz gemacht.»

Werden in den Läden oft Gutscheine eingelöst, sollte ins Internet vor allem derjenige schauen, der schon lange sein Auge auf etwas Bestimmtes geworfen hat. In den Weihnachtspäckchen finden sich oft wahre Schätze: «Die nach den Feiertagen angebotenen Geschenke liefern einen bunten Querschnitt dessen, was im Allgemeinen verschenkt wird - von DVDs und Büchern über Schmuck und Bekleidung bis hin zu Wohnaccessoires und Elektrogeräten», sagt Guentert. Dabei sind die Verkäufer nicht nur solche, die aus ihren Geschenken Profit schlagen wollen. «Von der jungen Studentin bis zum erfolgreichen Anwalt bieten ganz unterschiedliche Nutzer Weihnachtsgeschenke zum Verkauf an» - von einem schlechten Gewissen gegenüber der schenkenden Erbtante offenbar keine Spur.

«Es gibt original verpackte Geschenke und solche, die geöffnet oder ausprobiert wurden», erklärt der eBay-Sprecher. Und schon allein wegen der Größe des Marktplatzes gibt es eigentlich nichts Legales, das es nicht gibt. Und selbst, wer ein heiß ersehntes Geschenk auf dem Gabentisch vorfand, bestückt eine Versteigerung: «Alte Dinge werden angeboten, die durch ein Weihnachtsgeschenk abgelöst wurden», so Guentert.

Wer spezielle Sammlerstücke unter das Volk bringen will, tut zudem gut daran, auch bei den kleineren Auktionshäusern vorbeizuschauen: «www.echtwahr.de» ist eine Fundgrube für Eisenbahn- und Modellbaufans während bei «www.hood.de» Handyzubehör, Bücher und Tonträger das Hauptangebot ausmachen. Einen Überblick über die verschiedenen Anbieter gibt es auf den Seiten «www.alleauktionen.de» oder «www.auktionssuche.de».

Sowohl bei eBay als auch auf dem Marktplatz des Webhändlers Amazon ist der Verkauf denkbar einfach. Beim Online-Marktplatz aus Dreilinden sind für die Hauptkategorien Musik, PC- und Videospiele, Filme und DVDs sowie Bücher standardisierte Produktinformationen abrufbar. Wer die ISBN- oder EAN-Nummer eingibt oder exakte Stichworte zum angebotenen Geschenk, bekommt alle Informationen auf seine Auktionsseite und muss die Medien nicht mehr beschreiben.

Bei Amazon kann alles verkauft werden, was auch im Angebot des virtuellen Händlers aus München ist. Der Vorteil für Verkäufer und Käufer dabei: «Die neuen und gebrauchten Produkte werden direkt auf der Seite zum Neuprodukt angeboten und damit Millionen von Kunden präsentiert», sagt Sprecherin Mirja Bauer. Somit kann jeder Nutzer zwischen dem neuen und einem nicht mehr werksfrischen, aber eventuell günstigeren Artikel wählen. «Das ist besonders im Buchbereich praktisch - auf Grund der Buchpreisbindung kann "Amazon.de" neue Bücher nur zum festgesetzten Preis anbieten», so Bauer.

Während bei eBay schon beim Einstellen der Waren Gebühren fällig werden, verlangt Amazon erst nach dem Verkauf Geld - dann jedoch 15 Prozent des Preises. Ausgaben, die wohl jeder gerne entrichtet, der einfach keinen Schnellkochtopf braucht oder nach dem Fest den «Herrn der Ringe» gleich fünf Mal hat.

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