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Klingelnde Kassen im Online-Versandhandel

22.12.2010 | 07:23 Uhr |

In den Lagerhallen der Online-Versandhändler herrscht Hochkonjunktur. Allein der Klassenprimus Amazon hat in Deutschland rund 6000 Saisonkräfte für das lukrative Weihnachtsgeschäft eingestellt. Die Branche erwartet ein strammes Umsatzwachstum.

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In Europas größtem Amazon-Versandzentrum herrscht Chaos. Das aber mit System. Da stehen nicht etwa akkurat die gleichen CDs und Bücher nebeneinander in den riesigen Regalen im Logistikzentrum in Bad Hersfeld. Scheinbar zufällig angeordnet teilen sich die verschiedenen Artikel ähnlicher Größe ihre Fächer. Der Fachmann nennt das chaotische Lagerhaltung und behält dank Codierungen an Artikeln und Regalen den Überblick. Durch das Lagersystem soll die Fläche optimal genutzt werden und auch Abholwege verkürzt werden, erklärt Armin Cossmann von Amazon.

Das schnelle Abarbeiten der Bestellungen ist für den weltgrößten Online-Einzelhändler wichtig. Denn das Weihnachtsgeschäft brummt mal wieder. Probleme bereitet den Wunscherfüllern aus dem Web derzeit aber das Wetter. Es könne in weiten Teilen Deutschlands zu Lieferverzögerungen von ein bis zwei Tagen kommen, sagte eine Amazon- Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Die Witterung stelle den Versandhandel vor eine große Herausforderung.

Kurzentschlossene müssen sich deswegen diesmal sputen. Bis zum 22. Dezember müssen sie spätestens ihre Express-Bestellungen aufgegeben haben. Dann können sie das Päckchen zu Heiligabend noch rechtzeitig erwarten. Wie gut das Weihnachtsgeschäft genau läuft, will Amazon erst in ein paar Wochen bekanntgeben.

Fachleute erwarten glänzende Bilanzen. Die Formkurve von Amazon kennt derzeit nur eine Richtung: steil nach oben. Daran haben auch Boykott-Aufrufe gegen Amazon nichts geändert, nachdem das US- Unternehmen seine Dienstleistungen für die Enthüllungsplattform Wikileaks aufkündigte. Für das 4. Quartal rechnet der in Seattle (USA) ansässige Branchenprimus nach eigenen Angaben mit einem Plus zwischen 26 und 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein im 3. Quartal 2010 machte Amazon ein Plus von 39 Prozent, der Umsatz lag letztlich bei 7,65 Milliarden Dollar weltweit.

Die Zahlen verwundern nicht, denn das Weihnachtsgeschäft im Onlinehandel boomt: Statt im Gedränge nach Geschenken zu suchen, setzen in diesem Jahr «mehr Bundesbürger als jemals zuvor» auf das Internet. Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels und des Handelsinstituts EHI wird der Umsatz im Online-Weihnachtsgeschäft 2010 bei 3,6 (Vorjahr: 3,0) Milliarden Euro liegen. Das entspreche einem Anteil von 60 Prozent am gesamten Versandhandelsumsatz im Weihnachtsgeschäft. Wer in Bad Hersfeld in die riesigen Hallen auf dem mehr als 100 000 Quadratmeter großen Gelände schaut, sieht vor allem viele orangefarbene Warnwesten. Die tragen die Lagerarbeiter aus Sicherheitsgründen, damit niemand im Verkehr mit Regalwagen übersehen wird. Um die Bestellflut zu bewältigen, hat Amazon viele Hilfskräfte eingestellt und auf ein Drei-Schicht-System umgestellt - Arbeit rund um die Uhr. Bundesweit wurden rund 6000 Saisonarbeiter rekrutiert.

Die Aushilfskräfte stehen dann etwa in langen Schlangen an Förderbändern und packen die Bestellungen zusammen. Das filigranere Einpacken in Geschenkpapier übernehmen vorwiegend Frauen. Die Top- Seller kommen aus dem Bereich Elektronik - Smartphones, MP3-Player und Navigationsgeräte. Bei den Büchern steht das umstrittene Buch «Deutschland schafft sich ab» von Thilo Sarrazin ganz oben auf der Hit-Liste. Am meisten gefragt ist auch das Musik-Album «Progress» der wiedervereinigten, mittlerweile gealterten Boygroup «Take That».

Die Weihnachtszeit ist bei Amazon die arbeitsreichste des Jahres. Am Spitzentag 2009 verließen nach Unternehmensangaben mehr als 1,2 Millionen Artikel in knapp 300 Lastwagen die deutschen Logistikzentren. Amazon hat vier Logistikzentren an drei Standorten in Deutschland, neben Bad Hersfeld noch Leipzig und Werne. Weltweit beschäftigt der Handelsriese 31 200 Mitarbeiter. (dpa)

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