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Weihnachtsspecial IV: Kuli mit Kamera - Ein iPen für alle Fälle

12.12.2003 | 11:15 Uhr |

"Cool" - "krass" - "irre" - "..."; wenn Sie solche oder ähnliche Ausrufe von Ihren Mitmenschen und Freunden mögen, dann ist der iPen-Kugelschreiber mit eingebauter Digitalkamera vermutlich genau das Richtige.

Die meisten Pressemeldungen dazu bezogen sich meistens in irgendeiner Weise auf Aktionen von James Bond, denn in der Tat kann man mit dem iPen unauffällig wie ein Geheimagent in fast jedes Büro spazieren und heimlich digitale Fotos schießen. Ziemlich viele sogar - denn der interne 8 MB große Flash-Speicher fasst laut Herstellerangaben bis zu 400 Fotos, freilich nur in einer Auflösung von 320 x 240 Bildpunkten. Nimmt man die unbedingt empfehlenswerte höhere "VGA"-Auflösung von 640 x 480 Pixeln, haben nur noch etwas mehr als 60 Fotos in dem Stift Platz. Zum Ablichten von vertraulichen Dokumenten dürfte das immer noch genug sein. Doch machen wir uns nichts vor - wirkliche Spione sind heute mit weitaus besseren Gadgets ausgerüstet. Und wer von uns will sich schon wirklich - zumal ohne staatliche Lizenz dazu - in krimineller Weise betätigen?!

iPen technisch betrachtet

Mit einer Länge von knapp 15 cm und einem maximalen Durchmesser von gut 1,5 cm wirkt der Stift etwas klobig, liegt aber zum Schreiben und auch Fotografieren recht gut in der Hand. Um die Kamera einzuschalten, dreht man den Stift am unteren Ende entgegen dem Uhrzeigersinn, woraufhin das Mini-LC-Display aufleuchtet und Informationen zur eingestellten Auflösung ("HI" oder "LO") sowie über die Menge der bereits gespeicherten Fotos anzeigt.


Fotos macht man indem man sein Objekt fixiert und auf den Auslöser auf Höhe des Clips (Halterung) drückt. Ein schlichter optischer Sucher erlaubt nur sehr grob die Bestimmung des ungefähren Ausschnitts, der in Wahrheit deutlich größer ist. Besser man "hält einfach drauf", das Objektiv arbeitet mit einem leichten Weitwinkel. Die Lichtstärke mit laut Herstellerangaben f/2.6 reicht aus, um auch bei Kunstlicht noch erkennbare Fotos schießen zu können. Zum Betrachten der Fotos schließen wir den Stift per mit geliefertem USB-Kabel an den Mac an, woraufhin der Speicherstift sofort als Laufwerk gemountet wird. Im Finder lassen sich die Bilder im JPEG-Format nun per Vorschau oder mit einem Bildbearbeitungsprogramm anschauen und so weit wie möglich verbessern. Denn letzteres ist in der Tat der Haken an der Geschichte - auch in der höheren 640 x 480er-Auflösung, die etwa 0,3 Millionen Pixeln entspricht, ist die Qualität der Fotos wenig berauschend. Nur wenn die Lichtverhältnisse optimal sind, der Knipser die Hand wirklich ruhig hält und das Objekt nicht zu weit entfernt ist, sind die Ergebnisse akzeptabel. Bei starkem oder diffusem Tageslicht etwa neigt die Kamera teilweise extrem zur Überbelichtung, zu viel Himmel verträgt die Linse offenbar nicht. Diese Fotos machen wirklich keine Freude mehr.

Gegen eine "richtige" Digitalkamera kommt der iPen keineswegs an. Das Abstöpseln des iPen quittiert der Mac mit einer Fehlermeldung, obwohl das Laufwerkssymbol vorher korrekt abgemeldet wurde. Das liegt wohl daran, dass sich der iPen automatisch und sofort wieder anmeldet, sobald und solange die USB-Verbindung hergestellt ist. Hier hilft nur sofortiges Abziehen des USB-Kabels, auch um Probleme auf der Festplatte mit möglichem Datenverlust zu vermeiden.
Insgesamt schleicht sich das Gefühl ein, hätte Apple einen solchen Fotostift entwickelt, was sich bei dem Markennamen ja förmlich aufdrängt, würde er vermutlich noch mehr kosten, dafür aber auch einwandfrei funktionieren und Bilder von besserer Qualität abliefern.
Immerhin hat der iPen noch einige Extras zu bieten wie einen Selbstauslöser, ein attraktives sowie stabiles Metall-Klappetui, mehrere Ersatzminen, die nötige 1,5 Volt-Batterie, außerdem einen Stift zur Bedienung von PDA-Displays. Prinzipiell fungiert das Gerät sogar als Webcam, doch dazu ist es nötig, die Software von der beiliegenden CD zu installieren, die aber lediglich für Windows geeignet ist. iChat jedenfalls erkannte die Kamera nicht.

Fazit

Der Eindruck bleibt zwiespältig. Einerseits ist der Coolness- und Lifestyle-Faktor des iPen außerordentlich hoch - fast jeder staunt bei unserem Test über das kleine Wunderding. Grundsätzlich eine digitale Kamera dabei zu haben, hat ferner einige Vorteile für interessante Schnappschüsse, nach Unfällen, für private oder berufsbezogene Bild-Notizen unterwegs. Andererseits ist die Qualität der Fotos sehr dürftig. Wer schon ein Handy oder einen PDA mit Digitalkamera hat, braucht den Stift sicher nicht. Am besten verbucht man den iPen als Hightech-Spielzeug für Erwachsene. Und warum sollte man das sich oder anderen lieben Menschen zu Weihnachten nicht gönnen?!
Einen detaillierten Test zum iPen lesen Sie in einer der nächsten Macwelt-Magazine

Info: DP-353 iPen Camera, Schreibstift mit Digitalkamera, Hersteller: Pretec, Preis 98, 60 Euro
Anbieter: Arp Datacon TEL (D) 06074 - 491100

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