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Weitere Details zur Verurteilung von MP3.com

08.09.2000 | 00:00 Uhr |

Die Internet-Musikfirma MP3.com hat eine schwere gerichtliche Niederlage in einem Urheberrechtsprozess in New York erlitten. MP3.com muss der Universal Music Group, der weltgrößten Musikfirma, möglicherweise bis zu 250 Millionen Dollar Entschädigung zahlen.

US-Bezirksrichter Jed Rakoff hatte am Mittwoch in New York entschieden, dass MP3.com "vorsätzlich" Urheberrechte verletzt hat. Kläger war die weltgrößte Musikfirma Universal Music Group, eine Tochterfirma des kanadischen Unterhaltungs- und Getränkekonzerns Seagram.

Die genaue Entschädigungssumme wird im November festgelegt. Dann wird in einer neuen Verfahrensphase entschieden wie viele Urheberrechtsverletzungen die Internetfirma mit ihrem MyMP3.com-Internetdienst tatsächlich begangen hat.

MP3.com insistierte, dass es nicht mehr als 4.700 CDs waren, während Universal Entschädigung für bis zu 10.000 CDs haben will. Der Richter wollte mit seiner Entscheidung auch andere potenzielle Urheberrechtsverletzer auf dem Internet abschrecken. Das Unternehmen hatte es Kunden mit seinem MyMP3.com-Internetdienst ermöglicht, CDs online von jedem Ort abzuhören. Die Nutzer mussten nur nachweisen, dass sie die CD besitzen. Dies geschah, indem sie ihre CDs in einen Computer eingaben.

MP3.com muss 25.000 Dollar Entschädigung für jede Compact Disc an Universal zahlen, für den die Urheberrechte missachtet wurden. "Wir glauben, jeder sollte das Recht haben, sich die Musik anzuhören, die man kauft, selbst wenn dies auf dem Internet geschieht", erklärte MP3.com-Chef Michael Robertson. Robertson kündigte an, dass sein Unternehmen Berufung gegen die Entscheidung einlegen wird.

Die Urheberrechtsklage war ursprünglich von allen fünf großen Musikfirmen eingereicht worden. Die amerikanische Warner Music Group (Time Warner), BMG Entertainment (Bertelsmann), die japanische Sony Music und die britische EMI hatten sich inzwischen mit MP3.com verglichen.

Die Vergleiche sollen MP3.com nach unbestätigten Branchenberichten pro Firma 20 Millionen Dollar kosten. Sollte sich MP3.com mit Universal auf einen kostspieligeren Vergleich einigen, müsste MP3.com nach Darstellung aus Branchenkreisen auch mit den anderen vier Musikriesen neu verhandeln.

Universal wollte für jede Urheberrechtsverletzung 45.000 Dollar haben, doch hatten die MP3.com-Anwälte bei einer zu hohen Entschädigungssumme vor einem Konkurs gewarnt. Der Fall hat enorme Bedeutung für die Musik- und die Internetbranche. Es gibt auch Gerichtsverfahren gegen die Internetfirma Napster, die einen Austausch von Musik auf dem Internet ermöglicht.

Die Internetfirma Yahoo hat nach einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Donnerstag mit dem Dachverband der US-Musikbranche RIAA (Recording Industry Association of America) ein Lizenzabkommen getroffen. Dies ermöglicht es Yahoo, auf seinen Websites populäre Musik zu spielen. Yahoo stellt Verteilereinrichtungen für 525 Rundfunksender und andere Internet- Rundfunkfirmen. Der Verband verhandelt auch mit anderen Internet-Rundfunkanbietern über Musiklizenzen. dpa/ab

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