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Abschied von Steve Jobs

07.10.2011 | 13:12 Uhr |

Welche Bedeutung für viele Menschen der verblichene Apple-Gründer Steve Jobs hatte, erkennt man auf einem Blick in die Medien: Keine Zeitung, die heute nicht mit ihm aufmacht, keine Website, die Biographie und Nachruf an prominente Stelle setzt. Und sogar de heute journal macht mit Steve Jobs auf, während die ARD gar einen Brennpunkt sendet. Wir haben weitere - meist persönliche - Reaktionen auf Steve Jobs’ Tod zusammengetragen.

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© Macwelt/Macworld

Während Europa schlief, als die Todesnachricht eintraf und uns erst zum Frühstück erreichte, war es Abend in den USA, als die Kunde von Steve Jobs’ Tod umging. Jason Snell, Chefredakteur unserer Schwesterpublikation Macworld erwischte die Meldung am Ende eines dreistündigen Meetings. Als ob er es geahnt hatte, dass Jobs die Welt verlassen hatte, kreisten Snells Gedanken darum, froh zu sein, zur heutigen Zeit am Leben zu sein: Die durch die digitalen Revolutionen ausgelösten Umbrüche in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft seien spannend zu erleben. Sein sehr persönliches Abschiedsstück für einen der herausragenden digitalen Revolutionäre lesen Sie hier: Steve Jobs - Making a dent in the universe

John Gruber, Betreiber des renommierten Technik-Blogs Daring Fireball erinnert sich an eine Begegnung bei Jobs’ letzter Keynote zur Eröffnung der WWDC am 6. Juni. Frische Grasflecken an den Turnschuhen des Apple-CEO ließen ihn davon träumen, er habe schon zu der zeit seinen Frieden mit dem Unausweichlichen gemacht und während der stressigen Vorbereitung der Veranstaltung die Zeit gefunden, mit seiner Familie in Frieden und Harmonie einen Spaziergang durch hohes Gras unternommen zu haben - dort wo noch keine Spuren ausgetreten waren, wie es nun einmal Jobs’ Art war. Auch Gruber sieht Jobs Spuren im Universum zurückgelassen haben: Universe dented, Grass underfoot

Nachruf und Biographie der Süddeutschen Zeitung drehen sich um die gestern häufig zitierte Stanford-Rede und den Bob-Dylan-Song "Mr. Tambourine Man". Jobs’ weise Worte über den Tod als beste Erfindung des Lebens, der Altes wegräumt, um Neues zu schaffen kommentiert Bernd Graff in seinem wunderbaren Stück " Er kam, um den Menschen die Angst zu nehmen " wie folgt: "Das mag sein, aber das Neue ist nicht immer das Bessere und oft ist es nur anders. Einer wie Jobs wird also dringend gesucht. Seit dem 5. Oktober aber tanzt Steve unter diamantenem Himmel. Ganz leicht und vermutlich mit einer freien Hand winkend."

Spiegel Online widmet Steve Jobs die "Seite zwei" und schwimmt dabei auch gegen den Strom. Während Frank Patalong seinen Abschied vom " Letzten großen Bastler " mit den Worten beschließt: "Wie die großen Gründergestalten vor ihm hat auch Steven Paul Jobs die Welt nachhaltig und merklich ein gutes Stück verändert. Es wird eine geraume Zeit dauern, bis man das wieder über einen Firmenlenker wird sagen können" zeigt sich Stefan Kuzmany vom " Weltverbesser für wenige " weniger begeistert: "Die Welt, die Steve Jobs verbessert hat, ist also eine relativ kleine: Es ist die Welt derer, die keine großen Probleme haben. […] Sie haben von Jobs Produkte gekauft, die halten, was in der Werbung versprochen wurde, die gut aussehen und Spaß machen. Darüber kann man schon einmal die schlimmen Arbeitsbedingungen in China, die fragwürdige Datengier des Konzerns und das restriktive Korsett, das Apple seinen Kunden aufzwingt, verdrängen". Apples Zukunft, sieht Stefan Schultz in " Konzern ohne Guru " keineswegs optimistisch und Tim Cook vor gigantischen Herausforderungen: "Steve Jobs hat die Welt mit iPhone und iPad in die Post-PC-Ära geführt. Das war eine gewaltige Leistung. Auf Tim Cook wartet in vielerlei Hinsicht eine nicht minder schwierige Aufgabe: Er muss Apple in die Post-Jobs-Ära führen."

Einen fünf Jahre alten Artikel unseres im November 2010 verstorbenen Kollegen Manfred J. Heinze holt Focus Online aus dem Archiv. "Majo" versuchte zu erklären, warum Apple eben keine Religion sei , sondern den Kunden lediglich dazu auffordere, vertraute Denkmuster aufzubrechen: "Jobs forderte von seinen Kunden etwas, das Bill Gates nie wagen wird. Er forderte den Ausbruch aus vertrautem Denken, den Abwurf von Ballast, den Start zu neuen Planeten. Er forderte Courage, und die haben nicht alle, nicht mal bei Computern. Wie Microsoft heute biss sich Apple Ende der 90er-Jahre endlos und quälend an der Modernisierung eines alten Betriebssystems fest. Apple warf schließlich den ganzen Kram über Bord und mixte aus Jobs selbst gebrautem NextSTEP und OpenSource-Material das neue, stabile und elegante OS X zusammen. Sie hatten Recht, und wir switchten." Wenn es auf der anderen Seite etwas geben sollte, wird Steve jetzt bestimmt Majo, dafür danken, ihn verstanden zu haben.

Ganz in schwarz hatte gestern die Website des "Magazins für Geek-Kultur" Wired aufgemacht, mit einem Bild von Steve Jobs im Hintergrund. Den Nachruf auf Jobs schreibt für Wired der Reuters-Redakteur Felix Salmon, der das Geheimnis in einer Vermenschlichung der Technik sah. Jobs habe den Menschen eine Technik mit "menschlichen Kurven" gegeben, auch seine andere Firma Pixar - die er zwar nicht gegründet, aber finanziert hatte - sei die "ultimative Verbindung von Technologie, Menschlichkeit und Emotion. Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich mir iMac und iPhone ansehe, sehe ich darin sehr viel Pixar."

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