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Weiteren Mannesmann-Managern droht Anklage

17.10.2005 | 12:35 Uhr |

Im Fall Mannesmann um Millionen- Zahlungen an frühere Manager und Führungskräfte des ehemaligen Düsseldorfer Industriekonzerns droht ein zweiter Untreueprozess. Nach Informationen der Tageszeitung «Die Welt» (Samstag) will die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft noch in diesem Jahr entscheiden, ob sie Anklage gegen vier weitere frühere Vorstände wegen der Beihilfe zur Untreue erhebt. Die Vorwürfe richten sich der Zeitung zufolge gegen die früheren Mannesmann-Manager Kurt-Jürgen Kinzius, Lars Berg, Peter Gerard und Albert Weismüller.

Der Sprecher der für Wirtschaftssachen zuständigen Staatsanwaltschaft, Peter Lichtenberg, bestätigte der dpa ein entsprechendes Ermittlungsverfahren. Es sei aber nicht abgeschlossen und es gebe bislang keine Anklageschrift. Lichtenberg: «Es ist völlig offen, mit welchem Ergebnis das Ermittlungsverfahren enden wird.» «Wir warten jetzt das Ende der Hauptsache ab. Erst danach wird entschieden, wie es weitergeht», sagte ein Behördensprecher dem Blatt. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verhandelt am kommenden Donnerstag die Revision im Hauptverfahren. Sollte der BGH die Freisprüche im Mannesmann-Prozess aufheben, werde es wohl zu einer Anklage kommen, heißt es in dem Blatt. Vor knapp einem Jahr sprach das Landgericht Düsseldorf im Hauptverfahren sechs Angeklagte vom Vorwurf der Untreue und der Beihilfe zur Untreue frei, darunter den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser und den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin Revision ein.

Mit einer Entscheidung im Hauptverfahren wird noch im November gerechnet. Rechtsexperten erwarten ein Grundsatzurteil zur Managerentlohnung. Daran will sich die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf bei der Anklage im genannten Nebenverfahren orientieren. Im Frühjahr 2000 wurden neben den Millionen-Prämien für den damaligen Konzernchef Esser und seinem Vorgänger Joachim Funk weitere 16 Millionen Euro als so genannte Anerkennungsprämie ausgeschüttet. Die vier Vorstände, die kurzfristig in das Führungsgremium berufen wurden und nur wenige Wochen dort agierten, profitierten von dieser zweiten Bonus-Verteilung. Die Angeschuldigten selbst bestreiten den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue und verweisen auf die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts im Hauptverfahren.

Wesentlich umfangreicher als eine mögliche Anklage gegen die Ex- Vorstände wäre nach Angaben der «Welt» aber ein zweites Nebenverfahren. Hier ermittele die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt 140 Manager. Ihnen wurde nach der Übernahme durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone der Zeitung zufolge eine Verbleibeprämie von insgesamt 51 Millionen Euro gezahlt, um einen Wechsel der Führungskräfte zur Konkurrenz zu vermeiden. (dpa)

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