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Wow!-Signal kam von Kometen

24.02.2016 | 12:54 Uhr |

Ein Jahrzehnte altes Rätsel der Astrophysik scheint gelöst: Ein auffälliges Radiosignal stammte nicht von Außerirdischen.

Mal abgesehen davon, dass man sich schwer tut, wirklich intelligentes Leben auf der Erde zu finden, stellt sich die Menschheit seit der Zeit, als Kopernikus und Galilei die Erde aus dem Zentrum des Universum rückten, die Frage: Sind wir allein in diesem riesigen Weltall? Die Antwort würde uns nur verunsichern, denn die Optionen "Nein" und "Ja" sind gleichermaßen erschreckend.

Nachdem die Wissenschaft aber immer mehr über die unmittelbare Nachbarschaft der Erde herausgefunden und Marsianer wie Venusianer in das Reich der Fabel verwiesen hat, reicht die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz weit über unser Sonnensystem heraus. Eine vielversprechende Entdeckung machte im Jahr die Astrophysik-Doktorandin Jocelyn Bell im Jahr 1967 am Radioteleskop der Universität Cambridge. Die aus einer Entfernung von rund 2000 Lichtjahren aus der Richtung des Sternbilds Vulpecula empfangenen Signale waren derart regelmäßig, dass sich an eine künstliche Quelle denken ließ. Die Theorie der Little Green Men (LGM-Theorie) hielt sich aber nicht lange. Stattdessen hatte Bell eine neue Art von Sternenzustand entdeckt: Den Pulsar. Dies ist im wesentlich eine zu einem Neutronenstern kollabierte ausgebrannte Sonne, sie schnell um ihre Achse rotiert und dabei entlang eines schmalen Kegels von seinen Polen ausgehend Radiowellen emittiert. Für diese Erkenntnis gab es den Nobelpreis für Physik, aber nicht für Bell, sondern für ihren Doktorvater Antony Hewish.

Einmal und nie wieder: Wow!

Zehn Jahre später ließ aber erneut ein Radiosignal aus dem All aufhorchen. Im Jahr 1977 detektierte das SETI-Projekt (SETI steht für Search for Extra Terrestrial Intelligence) ein starkes Signal, das aus der Richtung des Sternbilds Sagittarius (Schütze) gekommen war. Das Signal war seit fast 40 Jahren als "Wow!-Signal" bekannt, da der Radioastronom Jerry R. Ehman von der Ohio State University die Messdaten auf dem Ausdruck entsprechend kommentierte: Wow!

Anhänger der Theorie, E.T. hätte im August 1977 über die Frequenz 1420,456 MHz versucht, Kontakt mit uns aufzunehmen verzweifelten aber ob der Tatsache, dass seither weder aus dieser noch aus einer anderen Richtung ein ähnliches Signal kam. Eine natürliche Erklärung für das immerhin 72 Sekunden lang andauernde und vom Rauschen der Anlage deutlich unterscheidbare Signal hatte es bis dato aber auch noch nicht gegeben. Bis eben jetzt der Physik-Professor Antonio Paris vom St. Petersburg College in Florida eine gefunden hat .

Da der Frequenzbereich nicht nur zur Übertragung von Informationen genutzt werden kann, wie es bei UKW-Radio der Fall ist (dessen typische Frequenz beträgt aber nur ein Zehntel, die Wellen sind also zehnmal so lang), sondern auch für das häufigste Element im Universum Wasserstoff typisch sind, war das Auffinden einer natürlichen Quelle nur eine Frage der Zeit. Paris kam dabei das Archiv der NASA zu Hilfe, denn seine Idee, das Signal käme von Kometen, die am fraglichen Tag zur fraglichen Zeit zwischen Radioteleskop und dem Schützen über den Himmel zogen, erwies sich als Volltreffer. Die dokumentierte Beobachtungen aus dem August 1977 unterstützen Paris' Erklärungsansatz. Die fraglichen Kometen waren nur kurz auf Besuch im Inneren des Sonnensystems und sind längst wieder in den Weiten des Alls verschwunden. Sie werden wohl nie wieder in Erdnähe gelangen, das ist auch der Grund, warum auf das Wow!-Signal von 1977 kein weiteres folgte.

E.T. hat also immer noch nicht angerufen. Hilft nichts, wir müssen weiter auf der Erde nach Spuren von Intelligenz suchen. Eine andere Hoffnung, Außerirdische wären schon da und würden uns mit ihrer fortschrittlichen Technik bald auf ein neues zivilisatorisches Niveau heben, hat sich ebenfalls zerschlagen, wie diese Woche zu lesen stand. Die Besatzung von Apollo 10 soll angeblich bei ihrem Flug um den Mond während der Zeit, als der Erdtrabant den Funkkontakt mit Houston unterbrach, auf den Kopfhörern "kosmische Musik" gehört haben. Es handelte sich aber auch hier nicht um den Kontaktversuch einer höheren Zivilisation aus den Weiten des Alls, sondern lediglich um komische Interferenzen, die den Astronauten eine Art von Pfeifen auf die Lauscher schickte.

Vielleicht sind wir wirklich nicht allein im All, aber die Entfernungen sind derartig groß, dass es uns wohl nie gelingen wird, mit denen da draußen Kontakt aufzunehmen. Was auch umgekehrt gilt. Das sollte eher beruhigen als enttäuschen.

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