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Wenig Spekulationen über kommende Apple-Rechner

26.11.2002 | 15:16 Uhr |

Die sonst so aktive Mac-Gerüchtebewegung im Internet hat sechs Wochen vor der Macworld Expo in San Franciscokaum noch Informationen zu bieten.

An Gerüchten über kommende Apple-Rechner herrschte in den letzten Jahren kein Mangel. Auch der sagenumwobene G5-Prozessor tauchte bis vor einiger Zeit noch häufig auf Mac-Gerüchteseiten auf.
Seit IBM seinen neuesten PowerPC für Ende 2003 angekündigt hat, ist es im Mac-Bereich des Internet sehr ruhig geworden. Die langfristigen und wenig aufregenden Zeitpläne von IBM und Motorola haben offenbar allen Gerüchteköchen das Wasser abgegraben. Mehr noch, in Zeiten der Rezession hat offenbar kaum noch ein Firmenangehöriger große Lust, seinen Job aufs Spiel zu setzen. Schließlich hat Apple bereits bewiesen, dass es keinen Spaß bei Indiskretionen versteht. Auch die Produktneuheiten iMac, iPod und der Dual-G4 sind schließlich ohne Vorab-Veröffentlichung auf Rumorsites vorgestellt worden.

Jedes Medium braucht jedoch neue Nachrichten


Beispielhaft sticht hier ein am Sonntag an Mac Rumors verschicktes E-Mail aus der Masse der Vermutungen heraus. So klingen die Angaben und Behauptungen auf den ersten Blick schlüssig.
Laut dem Schreiber hätte es wirklich einen für den Mac geplanten G5 gegeben. Dieser Prozessor wurde in einigen Prototypen verbaut und sollte Anfang 2003 den G4 ablösen. Durch Probleme mit dem von Motorola verwendeten neuen 0.13-Mikron-Prozess verzögerte sich die Einführung jedoch und wurde schließlich von Motorola gestoppt. Das in finanziellen Schwierigkeiten steckende Unternehmen kürzte zusätzlich seine Forschungsgelder und entschloss sich, den G4 weiterzuentwickeln. Auch 2003 wird Motorola es voraussichtlich nicht schaffen, einen Prozessor vorzustellen, der mehr als 1,3 GHz Taktrate aufweist. Ab 2004 werde von IBM mit dem Power 5 ein Prozessor erhältlich sein, der einem Intel-Chip gleichwertig ist.

Langsamer als vom Hersteller angekündigt


Offenbar handelt es sich aber auch bei diesem Bericht um eine frei erfundene Insider-Story. Früher versprachen Gerüchte auf Mac-Seiten fast immer einen bald erscheinenden Super-Prozessor. Dass jetzt aber die versprochenen Leistungsdaten unter den Versprechungen von Motorola und IBM liegen, ist aber neu. Laut der offiziellen Roadmap des Chip-Hersteller wird schließlich ab 2003 mit dem MPC7457 ein Nachfolger des aktuellen G4-Chips 7455 auf den Mark kommen, ein neuer G4 mit Taktraten von 867 bis 1833 MHz. Etwa ab Ende 2003 ist dann der Nachfolger 7457-M mit Taktraten über 2 GHz fertig, weit schneller als von unserem Autor behauptet. Wenig glaubwürdig klingen auch einige Authentizität suggerierende Behauptungen, nach denen etwa Chris Galvin genau am 10. Dezember 2001 Steve Jobs persönlich angerufen habe, um ihn von Schwierigkeiten mit der G5-Produktion zu erzählen.

Offenbar hat sich in den letzten Monaten die Haltung einiger Fans zu Apple geändert: Statt auf die baldige Präsentation neuer und schnellerer Rechner zu vertrauen bereiten sie sich offenbar geistig auf das Schlimmste vor: Ein Jahr ohne größere Überraschungen.
Stephan Wiesend

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