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Wenig neues aus Cupertino

11.05.1999 | 00:00 Uhr |

Mit Spannung war sie erwartet worden, doch nur wenig Neues brachte sie. Auf seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen weltweiten Entwicklerkonferenz (WWDC) in San Jose, Kalifornien, die Montag früh um 10 Uhr Ortszeit stattfand, konnte Steve Jobs, immer noch Interims-Chef (iCEO) von Apple, wenig Neues berichten. Abgesehen von einer Aufwertung der Powerbook-Produktlinie und der Ankündigung, daß Mac-OS X in einer ersten frühen Beta-Client-Version an Entwickler ausgeliefert wird, gab es in der fast zweistündigen Veranstaltung kaum etwas, was die versammelte Entwicklergemeinde zu Begeisterungsstürmen hätte veranlassen können.

Positiv fällt die Bilanz bei der Besucherzahl der WWDC aus. Im Gegensatz zum etwas flauen Vorjahr konnt Apple dieses Jahr einen regen Zulauf verzeichnen. Über 2500 Entwickler hatten sich angemeldet, eine Steigerung von über 30 Prozent. Das wiedererstarkte Interesse in die Firma Apple und die Mac-Plattform führte Jobs in erster Linie auf den Erfolg des iMac zurück. Mit über 40 Prozent Neukunden habe dieser das Potential, der Mac-Plattform wieder eine breitere Basis zu verschaffen, so Jobs.

Mac-OS 8.6 fertig

Neben den Powerbooks hatte der iCEO die Nachricht zu bieten, daß Mac-OS 8.6 nun fertiggestellt und im Internet zum herunterladen bereitliegt. Das kostenlose Update für Mac-OS 8.5 bietet Verbesserungen der Suchmaschine Sherlock, ausgefeilteres Powermanagement für Powerbooks und eine Vielzahl vorn Fehlerbereinigungen.Das Update in der deutschen Version steht im Internet unter asu.info.apple.com/swupdates.nsf/artnum/n11405 zum Download bereit.

Sonata - das nächste Betriebssystem-Update

Einen ersten Einblick vermittelt Jobs in das nächste größere Update von Mac-OS 8.x. Es wird derzeit unter dem Codenamen Sonata entwickelt und soll nach Apple-Angaben über 50 neue Funktionen und Verbesserungen enthalten. Im Herbst dieses Jahres soll es auf den Markt kommen. Zu sehen gab es auf der Eröffnungsveranstaltung von Steve Jobs eine neue Version der Suchmaschine Sherlock, die nun Sets unterschiedlicher Internet-Sites abspeichern kann und auch LDAP-Verzeichnisse durchsucht. Daneben ist in Sonata die Unterstützung mehrerer Anwender eingebaut. Nach dem Rechnerstart fragt das Betriebssystem Namen und Paßwort des Anwenders ab, der daraufhin seine eigene Benutzungsumgebung vorfindet. Dateien lassen sich systemweit mit Paßwörtern schützen.

Mac-OS X - die erste Beta

Was bislang nur als Server-Variante vorliegt, gelangt nun in einer Client-Version an die Entwickler: Mac-OS X, Apples Antwort auf Windows NT, macht laut Jobs Fortschritte, was sich in der Vorstellung der Client-Version aber hauptsächlich daran bemerkbar machte, daß die verschiedenen Komponenten des neuen Betriebssystems nun mit einem neuen Namen versehen sind. Auf dem unter dem Namen Darwin bereits als Open Source im Internet verfügbaren Betriebssystemkern setzt nun der Grafik-Layer Quartz auf, dessen natives Format PDF ist. Durch die direkte Unterstützung von PDF und Postscript erhalten Entwickler eine Fülle von Möglichkeiten, das mächtige Grafikformat direkt in ihren Applikationen zu nutzen.

Auf Darwin und Quartz wiederum setzen die drei Komponenten "Classic" (vormals die Blue Box), "Carbon" und "Cocoa" (vormals Yellow Box) auf. Unter Classic laufen alle bisherigen Mac-Applikationen, ohne allerdings die neuen Funktionen von Mac-OS X wie Speicherschutz, Multitasking und so weiter nutzen zu können. Im Carbon-"Bereich" laufen Applikationen, die ursprünglich für Mac-OS 8.x geschrieben und für Mac-OS X optimiert wurden. Laut Jobs sind für die Optimierung der Applikationen durchschnittlich 5 Prozent eines Programms umzuschreiben. Cocoa ist der Bereich des Betriebssystems, der die neuen APIs (Programmierschnittstellen) von Mac-OS X nutzt. Apple demonstrierte einen neu geschriebenen Finder und ein E-Mail-Programm, das fester Bestandteil von Mac-OS X sein wird. sh

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