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Wie Apple Kindern Programmieren schmackhaft macht

11.12.2015 | 12:40 Uhr |

In einer Stunde kann man nicht das Programmieren lernen. Aber sehr wohl, worauf es ankommt. Wir waren im Apple Store zur Hour of Code

"Was darf man in der Schule nicht?" fragt der Apple-Store-Spezialist die fünf Kinder rhetorisch und gibt auch gleich die Antwort: "Abschreiben!" Beim Programmieren sei das eben genau anders, da komme es sehr darauf an, an Problemen gemeinsam zu arbeiten, und wenn man eine Lösung gefunden hat, diese mit den anderen Programmierern zu teilen.

Nun gilt auch in der Schule nur bei Schulaufgaben ein Abschreibeverbot und auf Apples Empfehlung bei der Hour of Code werden sich in einem Dutzend Jahren die vier Jungen und das Mädchen nicht berufen können, sollten sie eine Bachelor- oder Master-Prüfung in Informatik ablegen – das Prinzip, gemeinsam die ersten Grundzüge der Informatik zu erlernen, führt die fünf aber an den Tisch im ersten Stock des Münchener Apple Stores in der Rosenstraße. Eigentlich hätte es genügt, den an ihrem ersten Informatikseminar ihres Lebens Interessierten einen Link auf die Website Code.org zu nennen, hinter dem sich eine Art von Programmierspiel verbirgt. Aber: Wer etwas verstanden hat, vertieft sein Wissen sofort, wenn er es einem anderen erklärt. Umgekehrt profitieren die etwas Langsameren von der schnelleren Auffassungsgabe der Schnelleren und lernen so auch besser und frustfreier. Der Weg in den Apple Store hat sich also gelohnt.

Der in München, der älteste seiner Art in Deutschland, hat bekanntlich keine Seminarräume und ist wegen angeblich großer Lautstärke ein wenig in Verruf geraten, an dem Tisch in Ecke ist der Geräuschpegel aber kein Problem. Das liegt nicht nur an den Kopfhörern, die in die zum Lernen zur Verfügung gestellten iPad Mini stecken und die die Kinder nach Abschluss der Stunde mit nach Hause nehmen dürfen, sondern auch an der engagierten Präsentation der Schnupperstunde.

Welche Computer die Kindern kennen, neben dem Macbook Pro, das da auf dem Tisch liegt und dem iPad Mini? Ob denn nicht auch eine Waschmaschine ein Computer ist, der eine strukturierte Folge von Befehlen abarbeitet? Schnell sind die Kinder bei ihrem Wissensstand abgeholt und haben verstanden, dass ein Programm vor allem eine strukturierte Abfolge von einzelnen Befehlen ist.

Man muss dem Computer in einer ihm verständlichen Sprache erklären, was er zu tun hat. Zu diesem Zweck hat die Organisation Code.org eine Art Lernspiel bereit gestellt, das den Kindern in einer ihnen geläufigen virtuellen Welt das Programmieren näher bringt. Eine Minecraft-Figur hat auf einem quadratischen Spielfeld bestimmte Aufgaben zu erledigen, das Spiel stellt nun einzelne Befehle bereit, die die Kinder zu einem Programm zusammenstellen müssen. Das fängt ganz einfach an und wird in den zehn bis elf Levels, die die fünf Schüler immer komplizierter. Auch For-Next-Schleifen lernen sie kennen - eigentlich logisch, dass man einer Maschine besser sagt, wie oft sie eine Anzahl von Schritten zu wiederholen hat, als ihr jeden Schritt einzeln vorzugeben. "Halte deinen Code schlank", das gilt bereits für Anfänger.

Pauls erstes Informatik-Zertifikat
Vergrößern Pauls erstes Informatik-Zertifikat
© Peter Müller

Zum Abschluss erhalten die Teilnehmer ihr erstes Informatik-Zertifikat, die besagten Kopfhörer und vor allem Anregungen, daheim gleich weiter zu programmieren. „Das hat Spaß gemacht,“ bedankt sich Paul zum Abschluss beim Leiter des Kurzworkshops, „ich mache daheim dann gleich weiter.“ Für die letzten vier Level und das andere von Code.org bereitgestellte Lernspiel war in der Hour of Code schließlich nicht ausreichend Zeit…

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