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Wie Apple von Open Source profitiert

10.01.2003 | 13:05 Uhr |

Safari ist nicht die erste Open-Source-Entwicklung, die Apple einsetzt. Und es wird gewiss nicht die letzte sein.

München/Macwelt "Apple setzt auf Open Source", bekräftigt Steve Jobs am Dienstag, als er den neuen Browser Safari vorstellt. Der schmale Internet-Explorer-Konkurrent basiert auf KHTML und KJS, zwei Produkte des Open-Source-Projekts Konqueror . Es demonstriert in erster Linie, wie effektiv man Open-Source einsetzen kann. Damit taktiert Apple bei weitem klüger als manch anderes IT-Unternehmen.

Dabei ist Open Source nichts Neues für Apple. Bereits im März 1999 hat der Computerhersteller den Kern von Mac-OS X Server als Open Source BSD Betriebssystem veröffentlicht Darwin . Damit war der Grundstein gelegt, Mac-OS X als Betriebssystems mithilfe der Open-Source-Gemeinde um die Apache Group, FreeBSD, NetBSD und anderen zu entwickeln. Darwin arbeitet unter der Oberfläche von Mac-OS X und bringt zahlreiche Techniken unter einen Hut, wie etwa Mach 3.0, Betriebssystem-Dienste, die auf BSD (Berkeley Software Distribution) 4.4 basieren, Netzdienste und den Support für mehrere integrierte Dateisysteme.

Freie Software


Viele interpretieren bereits den Begriff "Open Source" falsch. Gerade im Deutschen ist häufig von "freier" Software die Rede, und wird mit kostenlos gleich gesetzt. Laut GNU ist damit aber die freie Nutzung gemeint , der freie Zugang des Quellcodes, freies Kopieren und die Freiheit, das Programm zu verbessern. Gemä? dieser Definition unterhält Apple eine Vielzahl solcher Projekte: Das Drucksystem CUPS, den Streaming Server, CDSA, Open Directory, Openplay, Rendezvous, Webcore oder Headerdoc. Auch der veränderte Quellcode von Safari ging samt direkt an die Konquerer-Entwickler um den Deutschen Dirk Müller zurück. Der Zuspruch sowohl bei den Mac-Anwendern als auch in der Open-Source-Gemeinde war dementsprechend gro?.

Strategisch wichtig


Mit diesem Schritt macht sich Apple das Knowhow einer breiten Entwicklergemeinde zu eigen und bringt die eigene Entwicklungsarbeit mit ein. Damit lässt sich Vielfalt mit Innovation hervorragend verbinden. Damit spielt Open Source plötzlich eine ganz andere Rolle, als etwa bei Microsoft. Steve Ballmer sieht in Open Source Projekten, gerade auch in Linux, eine Bedrohung für die eignen Produkte und hatte deshalb seine Entwickler dazu aufgefordert, Open-Source auszutricksen. Damit stellt er sich und sein Unternehmen gegen einen unsichtbaren und ungreifbaren Feind.

Fazit


Dass ein Miteinander statt Gegeneinander mehr Früchte trägt demonstriert dagegen das Fink-Projekt für die Mac-Plattform. Hier hat sich eine Entwicklergemeinde zusammengetan, um die Portierung von Unix-Software auf den Mac zu forcieren. Und das stützen die Apple-Entwickler auch ab. Das ist etwa die Lesart, wie man die X11-Ankündigung am Rand der Macworld Expo, verstehen kann.
Christian Rüb

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