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Wie "Jimbo" Wales Google Konkurrenz machen will

20.02.2007 | 10:05 Uhr

Gegen Ende des Jahres soll die Community-Suchmaschine "Wikia Search" ans Netz gehen. Wikipedia-Gründer Jimmy "Jimbo" Wales glaubt, dass man Suche besser machen kann als Google und Konsorten.

Jimmy Wales
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© Jimmy Wales

Das erklärte Wales in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Herkömmliche Suchmaschinen arbeiteten mit Algorithmen, deren genaue Funktionsweise der Benutzer aber nicht kenne. Die Suche bei Google sei beeinflussbar, zum Beispiel durch kommerzielle Interessen. Bei der Suche nach einem Stichwort werde die Site als erstes Ergebnis ausgewiesen, auf die die meisten Links im Internet verweisen.

"Nach meiner Meinung ist das gar kein Qualitätskriterium", sagt Wales. "Die menschliche Urteilskraft ist im Zweifelsfall viel effektiver." Darauf wolle er bei der Wikia Search bauen. "Wir brauchen die Partizipation von Menschen." Bei Wikia Search werde eine Gemeinschaft von Nutzern "die ganzen Websites positiv oder negativ bewerten und hinterher in eine Rangfolge einordern". Um die Qualität macht sich Wales dabei keine Sorgen mehr - mit Projekten wie der freien Enzyklopädie Wikipedia habe man inzwischen viel Erfahrung gesammelt, wie man Gemeinschaft im Internet organisieren könne (und müsse).

Unternehmerisch wird Wikia Search mit Wikipedia aber nichts gemein haben - das Online-Lexikon ist eine gemeinnützige Stiftung, die Suchmaschine agiert als Gemeinschaft innerhalb des gewinnorientierten Unternehmens Wikia und soll sich durch Werbung finanzieren. Hier genug Geld zusammenzubekommen, sei ein Leichtes, glaubt Wales: "Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Suchmaschinen heute extrem attraktiv für Werbekunden sind."

Die Anschubfinanzierung für Wikia Search haben unter anderem Amazon.com, die Venture-Capital-Firma Bessemer und die Privatanleger Mitch Kapor, Marc Andreessen und Joi Ito geleistet - vier Millionen Dollar kamen so in der ersten Runde zusammen. Davon wurden bereits erste Entwickler eingestellt und Hardware beschafft. Wikia hat in San Mateo, Kalifornien, derzeit rund 40 Mitarbeiter, von denen einige bereits Vollzeit für die geplante Suchmaschine arbeiten.

"Ich denke, dass wird gegen Ende des Jahres etwas ins Netz stellen können", erklärte Wales. Das werde allerdings noch nicht besonders gut sein und müsse sich in den folgenden Monaten innerhalb der Gemeinschaft der Nutzer weiter entwickeln und verbessern. Wikia Search solle auch rasch lokalisiert werden. Deutsch werde dabei eine der ersten Sprachen sein.

Über eine echte Konkurrenz zu den großen Suchanbietern macht sich Jimbo Wales aber noch keine Gedanken. "Ich mache einfach das, was mir Spaß macht", sagte er der "SZ". "Und die Entwicklung von Wikia Search macht mir definitiv Spaß." Als potenziellen Google-Killer sieht sich der Community-Verfechter noch nicht unbedingt. "Das weiß ich nicht. Man wird sehen." (tc)

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