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Wie du mir, so ich dir

03.09.2007 | 13:40 Uhr |

Apple reagiert scharf, nachdem NBC Universal den iTunes-Vertrag nicht verlängert Entweder man mag sie - oder man mag sie nicht: die Firma in Cupertino, die einst nur Computer herstellte und mittlerweile zu einem Unterhaltungskonzern gewachsen ist. Der US-Sender NBC mag Apple nicht mehr.

Am Freitag kündigte NBC Universal an, den Vertrag mit Apple zu Download-TV-Serien nicht über 2007 hinaus zu verlängern. Eddy Cue, iTunes-Chef bei Apple, reagierte prompt und verhängte einen Aufnahmestopp von NBC-Titeln. Die jetzt neu anlaufenden Staffeln werden gar nicht mehr über den Online-Store verkauft.

Niemand will den Schwarzen Peter haben, aber der Verkaufspreis ist offensichtlich der Stein des Anstoßes. Am Freitag veröffentlichte die New York Times als erste einen Bericht, in dem der Rückzug von NBC Universal aus dem nordamerikanischen iTunes Store bestätigt wurde. Etwa 40 Prozent des gesamten TV-Angebots steuert NBC Universal bei, der Sender hat 2004 vom französischen Mischkonzern Vivendi die Universal-Unterhaltungssparte erworben. Universal Music indes, weiterhin unter dem Vivendi-Dach beheimatet, will sich an Apple nicht mehr so langfristig binden wie bisher. Zusätzliche, das Geschäftsklima störende Einflüsse dürfte eine Klage des Rapper Eminem haben. iTunes biete seine Songs unrechtmäßig als Downloads an, sein Vertrag mit Universal sehe nur die Rechte an CDs vor. Vordergründig dreht sich der NBC-Rückzug ums Geld, wobei der Sender der Darstellung von Apple heftig widerspricht , einen Endverkaufspreis von 4,99 US-Dollar statt bisher 1,99 Dollar gefordert zu haben. Ein "flexibleres" Preismodell wolle man angeregt haben und einen strengeren Kopierschutz erbeten, da man "annimmt, dass ein typischer iPod einen erheblichen Bestand von illegal geladenem Material bevorratet". Und am Geräteabsatz von iPod & Co möchte man auch partizipieren. iTunes-Chef und Apple-Vorstandsmitglied Eddy Cue hofft in der Pressemitteilung noch auf ein Umdenken bei NBC Universal. Gleichzeitig aber sperrt man in Cupertino die neuen Folgen von NBC-Serien aus: Da NBC mitten in der Saison aussteigen werde und man die Season so nicht komplett anbieten könne, verzichtet man im Sinne des Kunden ganz auf das Material, so die offizielle Sprachregelung. NBC sorge mit seinem Material für rund 30 Prozent des Umsatzes in der TV-Sparte des iTunes Store. Die eigentlichen Beweggründe für NBC Universal, die gemeinsam mit Microsoft auf das Online-Angebot MSNBC bestreiten, dürften andere sein: Der Sender steht in den Startlöchern für ein eigenes, werbefinanziertes Download- und Streaming-Portal, in dem man selbst die Strenge des digitalen Rechtemanagement bestimmen kann. Dem Beispiel von NBC könnten auch andere Lieferanten folgen, denn nach Brancheninformationen endet demnächst auch bei ABC, CBS, Fox und Co die 90-Tage-Kündigungsfrist, nach der sich der Vertrag automatisch erneuert. Wenig überraschend ist, dass der Disney Channel sein Engagement im iTunes Store bekräftigt . Apple-Chef Steve Jobs ist größter Einzelaktionär bei Disney und dort auch im Aufsichtsrat; er hält dank des Verkaufs von Pixar Animations sechs Prozent an Walt Disney. Die Auseinandersetzungen zwischen Apple und NBC, so glaubt der Analyst James McQuivey von Forrester Research, werfen aber auch ein bezeichnendes Licht auf die aktuelle Wertigkeit von Video-Angeboten im Netz. Der Streit zeige, "wie ärmlich und einflusslos die Video-Seite des iTunes-Hauses ist". Anbieter von Inhalten seien nach dem großen 'Erfolg der Musik-Sparte bei iTunes nun vorsichtig geworden und wollen Apple nicht ein zweites Mal in die Lage versetzen, zum Platzhirschen aufzusteigen im noch jungen und finanziell nicht unbedingt lockenden Markt der Video-Downloads.

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