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Wie "geschnitten Brot": Allzeithoch bei den Mac-Verkäufen

26.07.2007 | 16:30 Uhr |

Immer für einen Rekord gut: Apples Quartalsergebnisse feiern die höchsten Mac-Verkäufe aller Zeiten. Zufrieden ist der Hersteller auch mit dem Verkaufsstart des iPhones, 270.000 Geräte sind in den beiden ersten Tagen verkauft worden - Einfluss auf die Bilanz hat das noch nicht, die Börse goutiert aber diese Zahlen mit einem deutlichen Kursplus. Mit 818 Millionen US-Dollar hat Apple den zweithöchsten Gewinn jemals eingefahren, mit über fünf Millarden Dollar Umsatz war es das stärkste dritte Quartal der Unternehmensgeschichte.

Es ist doch immer wieder überraschend: In jedem Geschäftsbericht der jüngeren Apple-Geschichte findet sich ein Rekord. Nicht nur, dass - wie vorhersehbar - das abgelaufene dritte Quartal des Geschäftsjahres das beste dritte Quartal der Firmengeschichte war. Nein - der wahre Rekord sind die überraschend hohen Verkaufszahlen von MacBook, iMac und Konsorten: 1,764 Millionen Computer hat die Firma verkauft, die zu Jahresbeginn das Wort Computer aus ihrem Namen gestrichen hat.

So viele Macs hat Apple noch nie verkauft und übertrifft damit sogar die Verkaufszahlen des vergangenen starken Weihnachtsgeschäfts. Eher symbolische Bedeutung haben die Verkaufszahlen des iPhone: 270.000 Geräte haben Apple und Partner AT&T in den ersten 30 Stunden, den ersten beiden Verkaufstagen 29. und 30. Juni, an die Kunden aushändigen können. Am 30. Juni endete der Berichtszeitraum. Damit haben sich weder die optimistischen noch die pessimistischen Prognosen bewahrheitet, die Zahl liegt etwas höher als der Mittelwert der abgegebenen Vorhersagen, sie beinhaltet aber auch Zubehör zum Smartphone. Zuletzt war der Apple-Aktienkurs unter Druck geraten, als AT&T diese Woche im Rahmen ihrer Quartalsergebnisse meldet, in den ersten beiden Tagen des iPhone-Launch seien 146.000 Geräte aktiviert worden. Die Börse reagierte mit einem Kursabschlag von über sechs Prozent. Diesen Verlust - umgerechnet sieben Milliarden US-Dollar Marktwert - hat AAPL wieder wettgemacht: Nachbörslich zog der Kurs deutlich an und erreichte ein neues Allzeithoch von über 146 Dollar, an der Frankfurter Börse notiert das Papier zur Zeit bei regem Handel um 109 Euro und damit mehr als neun Prozent über dem Vortagesschluss. Gründe für diesen Kurssprung liegen in der Gewinn- und Umsatzentwicklung des abgelaufenen dritten Quartals des Geschäftsjahres 2007, das für Apple am 01. Oktober 2006 begonnen hat.

Überraschend hoch ist die Brutto-Gewinnmarge ausgefallen, sie liegt bei 36,9 Prozent (Q2/07: 35,1%, Q3/06: 30,3%). Apples Finanzvorstand Peter Oppenheimer führte in der gestrigen Telefonkonferenz diese von ihm nicht prognostizierte Entwicklung auf mehr Verkäufe über die eigene Retail-Kette und weiterhin günstige Einkaufspreise für Komponenten zurück. Der Quartals-Umsatz der einstigen Computer-Company liegt bei 5,41 Mrd. Dollar und beschert dem Mac- und iPod-Erfinder 818 Mio. Dollar Gewinn. Damit liegt der Umsatz fast bei dem des Weihnachtsgeschäfts vor anderthalb Jahren, das Gewinnergebnis ist das zweitbeste der Firmengeschichte und wird nur von der vergangenen Holiday Season überboten: Vor einem halben Jahr konnte Apple dank eines starken Weihnachtsgeschäfts einen Gewinn von etwas über einer Milliarde Euro verbuchen. Im Vergleich zum letzten Frühling hat der Umsatz um 23,8, der Gewinn um 73,3 Prozent zugelegt, nimmt man das vergangene Vierteljahr als Vergleichsbasis, ist der Umsatz um 2,8 und der Gewinn um 6,2 Prozent gewachsen. Auf die AAPL-Aktie umgerechnet macht jeder Anteilsschein 92 US-Cent Gewinn, Analysten waren zuletzt von 72 Cent pro Aktie ausgegangen. An Bar-Mitteln liegt in der Kasse die Hälfte mehr als vor einem Jahr, jetzt sind es 13,77 Milliarden Dollar.  

Back to school: Umsatzbringer sind die Macs

Die stationären und besonders die mobilen Macs mit Intel-Prozessoren sind beliebt wie das sprichtwörtliche "geschnitten Brot" und nachgefragt wie nie zuvor. Das Quartalsergebnis von Apple weist einen Rekord an verkaufter Computerhardware aus: 1,764 Millionen PCs mit Mac OS X hat Apple verkaufen können, erstmals haben die Notebook-Verkäufe die Millionenmarke (1.130.000 MacBooks und MacBooks Pro) erreichen können. Das spiegelt die hohe Nachfrage im Bildungsbereich wieder und den weltweiten Trend nach Mobilcomputern - allerdings mit einer deutlich höheren Dynamik als bei den Mitbewerbern: 16 Prozent Umsatzplus in dieser Sparte und 27 Prozent mehr verkaufter Mobil-Macs sind ein Indiz für die hohe Nachfrage nach den kostengünstigeren MacBooks - 1,58 Mrd. Dollar Umsatz bescherte das Geschäft mit den Apple-Notebooks. Fast bescheiden zeigt sich da das Geschäft mit Mac mini, iMac und Mac Pro: 634.000 Desktop-PCs im Wert von 956 Mio. Dollar gingen über die weltweiten Ladentische, kaum verändert zu den vergangenen drei Vierteljahreszeiträumen.  

Saisonaler Trend: iPod-Verkäufe stabil

Er fährt immer zu Weihnachten die Rekorde ein - der iPod. Wie im Vorjahr ist das dritte Quartal in dieser Sparte das schwächste, wer es lieber positiv sehen möchte, kann sich daran freuen, dass dieses Q3 das beste in der iPod-Geschichte war: 21 Prozent mehr Player hat Apple verkaufen können als noch vor einem Jahr, insgesamt 9,8 Millionen Geräte vom günstigen iPod shuffle bis hin zum "großen" Video-iPod, das sorgte für einen Umsatz von fast 1,5 Milliarden Dollar. Lagerbestände reichten nach Auskunft von Oppenheimer zum Quartalsschluss wie vorgesehen vier bis sechs Wochen, die Player-Sparte trägt mit 40 Prozent zum Gesamtumsatzergebnis bei. Einen ähnlichen Trend zeigt das Musik- und Filmgeschäft im iTunes Store. Songs, Videos, iPod-Spiele und verwandte Dienst und Produkte im Wert von 608 Millionen Dollar haben die Kunden geladen. Das sind zwar - ebenfalls - sieben Prozent weniger als im vergangenen Vierteljahr, verglichen mit dem Vorjahreszeitrum aber ein Plus von genau einem Drittel.  

Neueinsteiger: das iPhone

Erstmals taucht im Geschäftsbericht von Apple die Rubrik "iPhone und dazugehörige Dienste und Produkte" auf. Da nur die ersten beiden Verkaufstage berücksichtigt werden, sind die Zahlen wenig aussagekräftig: Die 270.000 Geräte haben fünf Millionen Dollar Umsatz zum Produktstart bewirkt, wobei in den Stückzahlen jedoch auch Zubehörartikel erfasst werden - und zwar solche aus dem eigenen Haus und die von Drittanbietern, die Apple über seine eigenen Verkaufskanäle vertreibt. Diese kleine Fußnote verwässert die Stückzahl. Allerdings ist im iPhone-Paket bereits reichlich Zubehör vorhanden: Dock, Netzteil und Headset. Ob in den 30 Stunden des Verkaufsstarts tatsächlich weiteres Zubehör in größeren Stückzahlen verkauft wurde und ob auch jede Schutztasche von Drittanbietern zählt, das bleibt vorerst das Geheimnis der Apple-Vorstandsriege. Im kommenden Quartal will die Firma auch offenlegen, wie viel sie an Prämienzahlungen von AT&T einnimmt für die via iTunes vermittelten Mobilfunkverträge.  

Heimatmarkt, Retail und internationaler Vertrieb

Etwas aufatmen können die Apple-Manager in Bezug auf den japanischen Markt: Der Abwärtstrend flacht ab: Um drei Prozent legen die Mac-Verkäufe im fernen Osten wieder zu, auf den Brutto-Umsatz kann sich dies jedoch nicht auswirken. Weiter stark ist der Verkauf über die eigenen Verkaufskanäle, die Apple Stores und der Internet-Verkauf: Mac-Stückzahlen steigen im Retail-Bereich um 20 Prozent, der Umsatz legt 10 Prozent zu, 333.000 Macs sorgen für 915 Mio. Dollar Umsatz - unter Ausschaltung des margenmindernden Zwischenhandels. Die Nachfrage nach Macs in Europa hat sich spürbar erholt, in der "alten Welt" verkaufte Apple 393.000 mobile und stationäre Macs. Das sind neun Prozent weniger als im vergangenen Vierteljahr, aber solide 31 Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal, ähnlich verhält sich das Umsatzergebnis. Zu Hause macht der Mac-Hersteller richtig Kasse: Ein gutes Drittel (36 %) mehr Computer konnte das Unternehmen im Heimatmarkt verkaufen als im vergangenen Quartal (Q3/06: + 28%). Viele der 824.000 PCs dürften mit Rabatt an Lehrende sowie Schüler und Studenten gegangen sein, der Bildungsmarkt ist für das Juni-Quartal eine entscheidende Größe. Peter Oppenheimer bestätigte, es sei das beste Quartal jemals im Edu-Markt gewesen, das verhältnismäßig geringe Umsatzplus von nur neun Prozent zum Vorquartal untermauert die Annahme von umfangreichen Rabatten für Schule und Uni. Insgesamt trägt das internationale Geschäft 40 Prozent zum Gesamtergebnis bei, das sind drei Zähler weniger als im vergangenen, aber ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahresquartal. Konservativ bleibt Apple in seiner Zukunftsprognose: Für das angelaufene letzte Quartal des Geschäftsjahres rechnet Finanzvorstand Oppenheimer mit einem Umsatz von 5,7 Mrd. Dollar und erwartet pro Aktie einen Gewinn von 65 US-Cent.

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