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Chaos Computer Club verteidigt Wikileaks

08.12.2010 | 06:03 Uhr |

Der Club verteidigt die Aktivitäten der Enthüllungsplattform

Wikileaks
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Der Chaos Computer Club (CCC) hat die Behinderung von Wikileaks durch Internet-Unternehmen und Banken kritisiert. "Die Publikationen von Wikileaks entsprechen dem Grundsatz der Hackerethik nach freier Verfügbarkeit von staatlichen Informationen als Basis einer demokratischen Gesellschaft", heißt es in der Mitteilung des Vereins. Anders als Menschen hätten staatliche Stellen keine Privatsphäre, die es zu schützen gelte, sondern lediglich Geheimnisse.

Nach der Veröffentlichung der geheimen US-Dokumente durch Wiklileaks stieg der Druck auf die Internet-Aktivisten. Die Plattform verlor ihre Web-Adresse wikileaks.org , musste sich einen neuen IT- Dienstleister suchen, Finanzdienstleister wie PayPal, Mastercard und Visa wickeln keine Transaktionen mehr für sie ab.

"Die westlichen Regierungen treten für die Informationsfreiheit immer nur dann ein, wie es andere Länder betrifft, die weniger demokratische Traditionen haben", sagte CCC-Sprecher Andy Müller- Maguhn. "Sobald Daten publiziert werden, die ihre eigenen Heimlichkeiten und Hinterzimmerdeals betreffen, handeln sie offenbar genauso undemokratisch, wie die Staaten, die sie sonst öffentlich lauthals verurteilen." Der CCC-Sprecher bezog sich dabei auf eine Grundsatzrede von Hillary Clinton zur Freiheit im Internet vom 21. Januar 2010, in der sich die US-Außenministerin für einen freien Austausch von Informationen im Netz eingesetzt hatte.

Der Verein kritisierte, dass Regierungsstellen in den USA und in Frankreich ihre Exekutive angewiesen hätten, die Verbreitung der ungeliebten Inhalte im und vom eigenen Land aus zu verhindern. US- Dienstleister wie Amazon hätten "offenbar nach politischem Druck" ihre technische Unterstützung für Wikileaks eingestellt. Amazon selbst hatte einen Verstoß gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen durch Wikileaks als Grund dafür genannt, dass der Dienst von den Servern verbannt wurde.

Der Club-Sprecher begrüßte es, dass "einige deutsche Internet- Provider ihren Kunden keine Steine in den Weg legen, wenn sie eine Kopie der Wikileaks-Daten bereitstellen wollen".

Die US-Regierung betrachtet die Veröffentlichung der geheimen Depeschen durch Wikileaks als illegal. Gegen einen Soldaten, der mutmaßlich die Quelle von Wikileaks war, läuft ein Militärverfahren. Dem Obergefreiten droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu 52 Jahren.

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