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Wikileaks veröffentlicht deutsche Spionagesoftware

15.09.2014 | 16:19 Uhr |

Der Trojaner Finspy ist bereits seit geraumer Zeit zuverlässiger Datenlieferant für Geheimdienste weltweit. Nun hat Wikileaks die aktuellste Version des Tools veröffentlicht. Bereits 2011 hatte die Enthüllungsplattform auf die Software, die offenbar auch an Unrechtsregimes geliefert wird, hingewiesen.

Das ist Spionagesoftware made in Germany: Der Trojaner Finspy ist ein ausgefeiltes Programm, das, als Trojaner in Windows, Mac OS X, iOS, Android oder Linux eingeschmuggelt, nicht nur Daten für Geheimdienste sammelt, sondern bei Bedarf auch erlaubt, den Rechner komplett zu übernehmen. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat nun die aktuellste Version des Trojaners veröffentlicht – zusammen mit einer Liste, die zeigt, wer die Kunden des Finspy-Herstellers Finfisher sind.

Auf der Liste der Lizenznehmer finden sich, neben Staaten wie Australien und Italien auch "lupenreine Demokratien" wie Pakistan, Qatar und Bahrein, Länder also, die nicht gerade Paradebeispiele für die Einhaltung von Menschen- und Bürgerrechten sind und die im Verdacht stehen, Terroristen zu unterstützen. Wikileaks wirft Deutschland vor, somit Lieferant für die Software zu sein, mit der Regimes weltweit Journalisten und Oppositionelle auspionieren.

Spionage made in Germany

Wikileaks zitiert Gründer und Chefredakteur Julian Assange mit den Worten: "Finfisher operiert weiterhin schamlos von Deutschland aus und verkauft als Waffe verwendbare Überwachungssoftware an einige der schlimmsten Regime der Welt." Dabei, so Assange, sei die Merkel-Regierung doch sonst so besorgt um die Privatsphäre, "aber ihre Taten sprechen eine andere Sprache." Assange behauptet auch, die deutsche Regierung würde das Unternehmen schützen.

Wikileaks bezweckt mit der Veröffentlichung nicht nur eine Offenlegung der Software und ihrer Käufer an sich. Vielmehr hoffen die Betreiber der Enthüllungsplattform, dass die weltweite Programmiergemeinde mit Hilfe der Software-Proben ein Möglichkeit findet, Menschen vor der Software zu schützen und sie möglicherweise sogar komplett außer Gefecht zu setzen.

Gegen Oppositionelle und Journalisten?

Allerdings gibt es derzeit keinen Beweis, dass Finspy in Deutschland überhaupt eingesetzt wird. Die teuren Lizenzen und die Tatsache, dass zahlreiche Länder bereits zu den Kunden zählen, legen jedoch nahe, dass Finspy derzeit weltweit für Überwachungsmaßnahmen eingesetzt wird. Finfisher wurde bereits 2012 als deutscher Trojaner für Smartphones (auch iOS) enttarnt. Bei der Revolution in Ägypten tauchte der Trojaner erstmals in der Öffentlichkeit auf. Um den Trojaner zu installieren, muss entweder von jemandem gezielt installiert werden oder der Nutzer wird dazu gebracht, ein Profil aus einem E-Mailanhang zu installieren.

Info: Wikileaks

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