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Windows Vista: Auf der Cebit, auf den Mac

16.03.2007 | 13:53 Uhr |

Das geübte Auge sieht jeden Mac bereits von Weitem und auch auf der CeBIT wird es immer wieder fündig. Doch ohne Zweifel steht ein gigantischer Teil der weltgrößten Messe für Informationstechnik im Zeichen von Windows und damit von Vista.

Falls Sie auf die CeBIT gehen, schauen Sie doch mal am Microsoft-Stand vorbei - so schnell ist noch keiner vom Glauben abgefallen. Sie werden Neues sehen, viel Buntes und einiges, das Sie aus Mac OS X bereits kennen, in Vista aber als große Neuerung gepriesen wird. Über die Vor- und Nachteile beider Systeme wird an so vielen Stellen diskutiert und polemisiert - wer macnews.de liest, hat seine Wahl wohl ohnehin schon getroffen. Aber wie funktioniert Vista eigentlich als Zweitsystem auf dem Mac? Braucht man das und was kostet es? Ein Frage-und-Antwort-Spiel.

Warum Windows verwenden, wenn man doch einen Mac hat?

Der Mac ist - vor allem in den USA - auf dem Vormarsch und ein positiver Effekt steigender Marktanteile ist ein stetig wachsender Softwaremarkt: Es gibt nur noch wenig, was man mit Mac OS X nicht anstellen kann. Auch die Einbindung in Windows-Arbeitsumgebungen ist längst kein Problem mehr, der Austausch von Dateiformaten aller Art selbstverständlich. Doch noch immer gibt es einige Gründe, parallel Windows zu verwenden. Der schwächste mag sein: Weil man es kann. Seit Apples Intel-Switch ist Windows auf dem Mac schnell und die Installation einfach geworden. Doch es gibt auch andere triftige Gründe, Windows auf dem Mac zu installieren. Ein oft genannter ist die größere Verfügbarkeit von Spielen auf dem Windows-System. Wer gerne und viel daddelt, muss am Mac oft Monate, wenn nicht Jahre auf eine Version seines Lieblingstitel für sein System warten - installiert er Windows als Betriebsystem zum Spielen, hat er zudem die größere Auswahl. Ein weiterer Grund könnte der Wunsch sein, auch in Deutschland bereits Spielfilme online mieten zu können. Anbieter wie Premiere und T-Online bieten Online-Videotheken an, Mac OS X-Anwender hingegen müssen auf den europäischen Start eines Videoangebots im iTunes Store warten. Wer Windows verwendet, ist nicht nur jetzt bereits dabei, er hat auch die größere Auswahl. Der Hintergrund ist dabei so simpel wie ärgerlich: Die meisten Anbieter setzen auf einen Kopierschutz von Microsoft, den der Hersteller auf dem Mac nicht unterstützt. Andere benötigen Windows zum Arbeiten: Ihre Firma verwendet beispielsweise ein Warenwirtschaftssystem, das nur unter Windows funktioniert. Wieder andere wollen ihre Steuererklärung mit einem Windows-Programm machen oder ein Gerät an ihren Mac anschließen, für das es nur Windows-Software und -Treiber gibt. Haben Sie sich Ihr Navigationsgerät etwa im Discounter oder beim Kaffeeröster gekauft?  

Warum Vista nehmen und nicht Windows XP?

Auch auf diese Frage gibt es keine allgemeine Antwort. "Vista ist das beste Windows aller Zeiten", meint macnews.de-Redakteur Ole Meiners, an einen Vergleich mit Mac OS X hingegen will er nicht einmal denken. Wenn Sie viel mit Windows arbeiten müssen, werden Sie die neuen Funktionen in Vista vielleicht schätzen, vieles kennen Sie bereits vom Mac. Beispielsweise gibt es eine Fensterübersicht, die an Exposé erinnert, Widgets klebt Microsoft auf den Desktop und nennt sie Gadgets. Noch gibt es kaum Software, die ausschließlich unter Vista und nicht unter einem der Vorgänger funktioniert. Zunächst werden wohl vor allem Spiele erscheinen, die Vista zwingend voraussetzen, zumindest für den uneingeschränkten Funktionsumfang - Microsofts Mutlimedia-Komponenentensammlung DirectX nämlich erscheint in Version 10 ausschließlich für das neue System. Darüber hinaus ist die Entscheidung XP versus Vista auch eine Kostenfrage. Wer bereits eine XP-Lizenz besitzt und vornehmlich unter Mac OS X arbeitet, wird sich das Update wahrscheinlich sparen. Für Neuanschaffungen gilt: Wenn Sie das Auslaufmodell Windows XP noch im Handel bekommen, dann meist zum Schnäppchenpreis. Ein Preisvergleich lohnt sich. Ein Vorurteil gegenüber Vista ist im Übrigen falsch: Zwar verbietet der Endnutzerlizenzvertrag die Installation der preiswerteren Home-Versionen in Virtualisierungsumgebungen wie Parallels Desktop. In Deutschland aber ist die EULA nicht gültig und Sie können auch Vista Home auch in einer virtuellen Maschine starten.  

Was kostet Windows auf dem Mac und wo liegen die Nachteile?

Installieren Sie Windows auf ihrem Mac, dann zahlen sie in gewisser Weise doppelt. Zum einen für Mac OS X, das einem neuen Mac zwar beiliegt, aber alle ein bis zwei Jahre überholt ist. Zum anderen für Windows und eventuelle kostenpflichtige Updates, für die der Hersteller allerdings bekanntlich immer etwas länger braucht als zunächst geplant. Windows Vista gibt es in einer Vielzahl von Versionen, die unverbindlichen Preisempfehlungen liegen zwischen rund 150 und 300 Euro, die Straßenpreise etwas darunter. Wenn Sie das System in einer virtualisierten Umgebung gleichzeitig mit Mac OS X laufen lassen wollen, dann müssen Sie dafür eine zusätzliche Software kaufen: Der Vorreiter Parallels Desktop kostet zusätzlich rund 65 Euro. Wer Windows-Software verwendet - und möge sie noch so gut sein -, bekommt weder die Bedienerführung noch die Optik, die er vom Mac gewöhnt ist. Andere Tastenkürzel und Menüs können den bereits am Mac eingearbeiteten Anwender unter Windows schnell in den Wahnsinn treiben. Das gilt auch in Virtualisierungsumgebungen. Mac-Fans wissen zudem: Immer, wenn sie eine Software für Windows kaufen, wird der Markt für Mac-Software ein wenig kleiner. Firmen, die Windows-Spiele auf den Mac portieren, könnten ganz verschwinden. Wer den Mac mag, mag Mac-Software kaufen. Oft genannte Bedenken gegenüber Windows auf dem Mac betreffen die Systemsicherheit. Generell gilt: Windows selbst ist auf dem Mac so sicher wie auf einem Windows-PC und so kann man sich mit etwas Unachtsamkeit und Pech auch einen Virus einfangen - für das installierte Mac OS X besteht im Moment allerdings keine bekannte Gefahr. Sollte ein aktueller Virus das Windows-System befallen, breitet er sich nur dort aus, aber nicht unter Mac OS X. Dafür müsste er schließlich den Treiber für das Mac-Dateisystem mitbringen und sich in beiden Welten auskennen. Im Übrigen soll Windows Vista laut seinem Hersteller ja deutlich sicherer sein - allerdings muss die Praxis noch zeigen, ob das wirklich stimmt.  

Lässt sich Vista mit Apple Boot Camp installieren?

Mit Boot Camp von Apple installiert man Windows parallel zu Mac OS X auf dem Mac. Die Vorteile gegenüber einer Virtualisierungsumgebung liegen auf der Hand: Das Betriebssystem läuft schneller, 3D-Spiel können über die ganze Hardware verfügen und beschränkt werden sie im Wesentlichen von der Grafikkarte des Macs - die allerdings ist nicht in jedem Mac sehr leistungsfähig. Allerdings ist es mit einer Boot Camp-Installation nicht einfach, Daten zwischen beiden Systemen auszutauschen. Der Anwender hat keine gemischte Umgebung zur Verfügung: Es gibt kein Drag-and-drop und kein Copy-and-paste zwischen Mac- und Windows-Programmen und und bei jedem Wechsel zwischen den beiden Systemen müssen er den Computer neu starten. Boot Camp unterstützt offiziell nur Windows XP, Apple liefert nur für die obsolete Windows-Version Mac-Treiber mit und vor dem Erscheinen von Leopard dürfte sich daran auch nichts ändern. Installieren aber lässt sich Vista trotzdem ohne Weiteres, man kann den Boot Camp-Assistenten dafür verwenden. Passende Treiber allerdings muss man sich dann aus dem Internet zusammensuchen , zum Einrichten des Systems sind fortgeschrittene Windows-Kenntnisse und viel Geduld nötig. Auf dem macnews.de-Testsystem, einem Intel-iMac, läuft bis auf die eingebaute iSight alles.  

Was sind die Vorteile von Virtualisierungslösungen?

Virtualisierungslösungen, die spezielle Funktionen des Prozessors einbeziehen, sind im Heimbereich relativ neu, dafür aber um so beliebter. Softwarehersteller Parallels etwa berichtet von einem beeindruckenden Zuspruch: Im letzten Weihnachtsgeschäft hat der Hersteller in Deutschland laut eigenen Angaben pro verkauftem Mac ein Paket seiner Applikation Desktop verkauft. Ein Herausforderer steht mit VMware Fusion bereits in den Startlöchern: Die aktuelle Betaversion kann im Windows-Fenster erste 3D-Spiele ausführen und soll im Sommer als finale Version erscheinen. Virtualisierungslösungen ermöglichen das gleichzeitige Arbeiten auf zwei Betriebssystemen: Unter Mac OS X emuliert die Software einen zweiten Rechner, auf dem man Windows installiert. Allerdings können Virtualisierungslösungen noch mehr als Emulationen und bieten mehr Geschwindigkeit, da sie das Zweitsystem mit Hilfe des Prozessors auf eine Reihe von Hardwarekomponenten direkt zugreifen lassen. Die derzeitige Standardlösung Parallels Desktop macht zudem die Windows-Installation leichter, hilft bei der Einrichtung von Netzwerk und Grafik, ermöglicht Drag-and-drop sowie Copy-and-Paste und zeigt sogar einzelne Windows-Fenster direkt auf dem Desktop von Mac OS X aus. Mit Vista arbeitet Parallels Desktop ebenso zusammen wie mit älteren Windows-Lösungen und anderen Betriebsystemen wie etwa Linux-Distributionen. Bis zu ihrer Markteinführung im Sommer dürfte VMWare Fusion einen ähnlichen Funktionsumfang bieten, im Moment lässt sich die Betaversion kostenlos ausprobieren.  

Die Doppel-Lösung: Kann ich auch zwei nehmen?

Boot Camp und Parallels Desktop vertragen sich, allerdings nicht mit Vista. Wer Parallels Desktop einsetzt, muss sein Windows nicht zwingend auf einer virtuellen Festplatte installieren, einer großen Image-Datei auf der Mac OS X-Partition. Er kann dazu auch eine zweite Partition verwenden, auf der er zuvor mit Hilfe von Boot Camp Windows XP installiert hat. Der Vorteil: Das Microsoft-System lässt sich alleinstehend starten und bietet so für Spiele und andere grafikintensive Anwendernungen die volle Geschwindigkeit. Man kann es aber auch unter Mac OS X im Fenster laufen lassen und so allen Komfort einer Virtualisierungslösung genießen. Das Problem: Für Windows Vista steht diese Funktion in der aktuellen Parallels-Version 2.5 noch nicht zur Verfügung. In einer der nächsten Versionen aber dürfte sich das ändern. "Es gibt noch aber noch eine andere Lösung", mag jetzt mancher denken. Stimmt: Sie können auch Windows gleich zwei Mal auf dem Mac installieren, einmal in einer zweiten Partition und ein Mal auf einer virtuellen Festplatte auf der Mac OS X-Partition. Aber zum einen wird das dann doch ein wenig viel Windows auf dem Mac und zum anderen wird das teuer: Nur Firmenversionen von Windows Vista erlauben das Installieren mehrerer Instanzen des Betriebssystems, Heimanwender müssten Windows hingegen auch gleich zwei Mal kaufen.

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