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'Wir lassen uns nicht erpressen'

17.08.2004 | 16:31 Uhr |

809.000 Euro verlangt die Teampoint AG von Cancom als Schadensersatz für eine verzögerte Übernahme des einstigen Mac-Distributors im Jahr 2000.

Damals hatte Cancom mit dem kurz zuvor erfolgten Gang an die Börse ordentliche Geldreserven erworben und konnte nach lukrativen Übernahmekandidaten Ausschau halten. Die Wahl fiel auf den bundesweit agierenden Mac-Vertrieb Teampoint, den Cancom mit dem Kauf von Geschäftsanteilen seiner Tochtergesellschaften übernahm. Cancoms PR-Manager Armin Blohmann betont in diesem Zusammenhang, dass die Bedingung für die Kaufverträge ein vollständiger Verzicht der Teampoint-Hausbank auf weitere Ansprüche war. Eine Verzichtserklärung der Raiffeisenbank Lohr liege beim Notar.

Trotzdem plane das Geldinstitut im Oktober eine Klage einzureichen, da die Verzichtserklärung auf einen anderen Sachverhalt fuße, erklärte Klaus Emrich, Vorstandsmitglied der Teampoint AG, deren einziger Geschäftsgrund die Vermögensverwaltung und Rechtsvertretung des einstigen Mac-Vertriebs ist. Mit den heutigen Teampoint-Filialen hat die Teampoint AG nichts zu tun. Durch eine verzögerte Abwicklung der Übernahme sei es damals zur Nicht- bzw. Schlecht-Erfüllung von Verträgen und Verlusten beim Aktienverkauf gekommen, warf er Cancom in einer E-Mail-Pressemitteilung vor. Da der Anspruch auf die Schadensersatzforderung in Höhe von 809.000 Euro an die Hausbank abgetreten wurde, wollte Emerich die Vorwürfe auf Nachfrage nicht näher konkretisieren und verwies darauf, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handele.

Das schwebt zur Zeit jedoch allenfalls im Raum, denn eine Klage hat die Raiffeisenbank Lohr weder angekündigt, noch eingereicht. Dem könnte nun Cancom zuvorkommen. Die Aktiengesellschaft sieht in der Pressemitteilung eine gezielte Rufschädigung mit verdrehten Fakten. "Wir lassen uns nicht erpressen", macht Armin Blohmann klar, dass das Scheppacher Systemhaus sich nicht durch solche Äußerungen zu Geldzahlungen zwingen lasse, um ehemalige Teampoint-Vorständler "endlich zum Schweigen zu bringen".

Vier Jahre nach der Übernahme scheint der schwelende Knatsch zwischen den einstigen Konkurrenten nun endgültig auszubrechen.

Ein Verlierer steht schon vorher fest: Denn auf lokale Fachhändler mit dem Schriftzug "Teampoint" im Logo fällt die ganze Sache zurück, obwohl sie mit der gleichnamigen AG seit 2000 nichts mehr zu tun haben. Andreas Kajba, Geschäftsführer des Teampoints Köln, ist daher über das Ausbuddeln alter Leichen aus dem Sommerloch äußerst unglücklich. "Man soll sich auf das Wesentliche konzentrieren", mahnt Kajba, "und lieber seine Energie dafür nutzen, ein paar mehr Macs zu verkaufen".

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