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"Wir sind davon besessen, großartige Produkte zu machen"

27.11.2006 | 13:00 Uhr |

Kaum eine Firma kümmert sich so um das Design ihrer Produkte wie der Computer-Produzent Apple. Queen Elizabeth II hat den britischen Chef-Designer des Mac-Herstellers, Jonathan Ive, dieses Jahr zum "Commander of the British Empire" ernannt - letzte Woche hat er sich seinen Titel in London abgeholt. In einem Artikel zeichnet die International Herald Tribune das Bild eines freundlichen Designers, dessen Anliegen schöne und anwenderfreundliche Produkte für den Alltag sind.

Jonathan Ive
Vergrößern Jonathan Ive

Und so hört es sich auch nicht wie ein Marketing-Statement an, wenn Ive - Apples Senior Vice President of Industrial Design und Vater der bunten iMacs oder des iPods erklärt: "Es klingt unwichtig oder sogar naiv, aber wir sind besessen davon, wirklich großartige Produkte zu machen. Das liegt allem zugrunde, was wir machen. Ich kann nicht verstehen, wie man als Firma existieren kann, ohne das zu wollen."  

"Aber dann kam alles ganz anders"

Allerdings war das nicht immer so. Als Jonathan Ive 1992 zu Apple nach Kalifornien ging, erwartete er viel: "Meine Erwartung war einfach, dass ich zu der Firma gehe, die den Mac herstellt. Aber dann kam alles ganz anders". Apple hatte zu dem Zeitpunkt seine Kreativität verloren und erst einige Jahre später, mit der Rückkehr von Firmengründer Steve Jobs im Jahre 1997, kehrte die Innovations-Kraft zurück. "Es ist für einen CEO eine schockierende Aussage, so wie Steve öffentlich zu sagen, dass es nicht das Ziel eines Unternehmens ist, Geld zu verdienen, sondern bedeutende Produkte herzustellen", erklärt der Apple-Designer. "Bei der der Entwicklung mancher Produkten waren wir bereits weit fortgeschritten, aber dann haben wir sie doch nicht herausgebracht. Wir das Gefühl, sie seien nicht gut genug. Dieser Mut zeigt, dass das Produkt allem zugrunde liegt, was wir machen." Jonathan Ive erklärt sein Philosophie als Designer mit den Worten: "Wenn man keine Ahnung hat, wie etwas funktioniert, dann ist es sehr einfach, eingeschüchtert zu sein. Eine grundlegende Eigenschaft eines Designer ist es, zu beobachten, wie die Leute mit Objekten umgehen. Als wir 1997 am iMac gearbeitet haben, waren die Menschen es noch immer nicht gewohnt, mit Computern umzugehen. Sie fassten eine Maus an, als könnten sie sie dabei kaputt machen".  

"Komplexes vereinfachen"

"Ein Großteil dessen, was wir umzusetzen versuchen, ist Vereinfachung. Wir wollen komplexe Probleme lösen, ohne die Komplexität sichtbar zu machen". Denn "bei zahlreichen Produkten", erklärt Ive in Bezug auf andere Hersteller, "tanzt einem der Designer oder die Designerin auf der Nase herum" ("wagging his or her tail in your face"). Bei Apple dagegen geht es um das Wesentliche: "Our obsession is being very, very pure."

Info: International Herald Tribune

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