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Wo will Microsoft mit seinem Mac-Office hin?

28.03.2014 | 10:00 Uhr |

Office:Mac 2011 ist mittlerweile gehörig in die Jahre gekommen und kann mit Microsofts aktuellen Office-Versionen für Windows 8/8.1 kaum noch mithalten. Abhilfe ist auf dem Weg

Neues Office noch in diesem Jahr: Der Deutschland-Chef der Office-Sparte von Microsoft, Thorsten Hübschen, versprach auf der Cebit unserem Computerwoche-Kollegen Thomas Cloer ausdrücklich zitierfähig, dass es noch in diesem Jahr eine neue Version von Office für den Mac geben werde. Weitere Infos werde Microsoft der Meldung zufolge in der zweiten Jahreshälfte folgen lassen. Eine gute Nachricht für alle Mac-User, die oft mit Nutzern von Windows-Systemen zusammenarbeiten. Denn trotz immer besserer Kompatibilität konnten beispielsweise Apples iWork-Apps nie ein hundertprozentig gelungenes Zusammenspiel mit Office erreichen.

Der Deutschland-Chef der Office-Abteilung von Microsoft, Thorsten Hübschen.
Vergrößern Der Deutschland-Chef der Office-Abteilung von Microsoft, Thorsten Hübschen.

Umso besser, dass Microsoft die Entwicklung neuer Office-Produkte für den Mac jetzt aggressiver angeht. Das immer wieder kolportierte 2013er-Office-Paket für den Mac, das der Meldung zufolge auch tatsächlich in Planung war, fiel aber wohl der Schließung der zuständigen Mac Business Unit zum Opfer. Die neuen Versionen von Word, Excel, Powerpoint und Outlook, die nun separat von plattformspezifischen Teams entwickelt werden, sollen großen Kunden bereits im Geheimen vorgeführt worden sein – optisch orientieren sich die neuen Versionen dabei wohl klar an den aktuellen Office-365-Versionen für Windows – jedoch nicht ohne den Verweis darauf, dass man plattformspezifische Anpassungen durchführen werde.

An der Online-Integration von Office hat Microsoft lange gearbeitet und eine passable Tool-Sammlung zusammengestellt.
Vergrößern An der Online-Integration von Office hat Microsoft lange gearbeitet und eine passable Tool-Sammlung zusammengestellt.

Suite oder App?

Die gute Nachricht also ist: Man arbeitet bei Microsoft bereits intensiv an neuen Office-Produkten für OS X. Bleibt aber die Frage, welches Geschäftsmodell Microsoft für das künftige Mac-Office wählen wird. Sollen die Einzelbestandteile von Office für Mac wieder in Form eines Office-Paketes mit Einzel- oder Mehrfachlizenzen im Fachhandel vertrieben werden wie bisher? Wohl kaum. Microsoft dürfte sehr daran gelegen sein, ein einheitliches Geschäftsmodell über alle mit Office-Produkten bedienten Plattformen zu etablieren. Es ist also davon auszugehen, dass die nächs­te Generation von Office für den Mac in erster Linie über das Abo-Modell Office 365 vertrieben werden wird – ob Microsoft pa­rallel Boxed-Versionen als Stand-Alone-Produkt anbieten wird, darf daher angezweifelt werden.

Neues Office überfällig

Als Microsoft im Jahr 2010 seine neue Version von Office für den Mac (im Microsoft-Sprech Office:Mac 2011) veröffentlichte, waren die Bestandteile der Produktiv-Suite auf dem neuesten Stand der Technik: Word, Excel, Powerpoint und Outlook 2011 (nur für Käufer der teureren Business-Version) wurden nämlich seiner Zeit von Microsofts Mac-Team komplett neu auf Cocoa-Basis programmiert. Seit dem ursprünglichen Release am 26. Oktober 2010 hat Microsoft seiner Mac-Version von Office außer diversen Bugfix-Updates nicht mehr allzu viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Außerdem fiel das turnusmäßig für 2013 fällige neue Office-Paket, gefolgt von konsequenter Funkstille seitens Microsoft, ersatzlos aus – trotz massiver Investitionen Microsofts in seine neuen Online-Features für Office.

Kaum gepflegt

Kennt man die neuen Apps von Office 365 für Windows, mit ihrem flachen und zeitgemäßen UI-Design, wirken Microsofts Mac-Office-Apps wie weit entfernte Verwandte. Die Mac Business Unit bei Microsoft (die mittlerweile aufgelöst wurde) lehnte sich bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche merklich an das im Jahr zuvor veröffentlichte Windows-Office-2010 an, das das mit Office 2007 eingeführte Menüband fortführte. Eine komplett in Cocoa geschriebene neue Version von Outlook löste das leidige Entourage ab und unterstützte sogar die von Apple für OS X zur Verfügung gestellte Datenschnittstelle Syncservices – so sollte gewährleistet werden, dass Outlook auch mit iCal/Kalender beziehungsweise dem Nutzer-Adressbuch von OS X sprechen konnte. Dumm nur, dass Apple die­se Datenschnittstelle mit dem Versionssprung zu OS X Mavericks ersatzlos gestrichen hat.

Auch den Sprung in das Cloud-Zeitalter haben die Mac-Versionen von Word, Excel, Powerpoint und Outlook nicht geschafft. Statt der automatischen Anbindung an Mircrosofts Cloud-Speicher-Dienst Onedrive, der ähnlich funktioniert wie die iCloud-Integration bei Pages, Keynote und Numbers, hat es Microsoft lediglich geschafft, Office:Mac 2011 an sein Abo-Modell Office 365 anzuhängen. Abonnenten erhalten so mit dem 99 Euro teuren Jahresabo Zugriff auf die Windows- und Mac-Versionen der Office-Suite für bis zu fünf Geräte. Neue Funktionen oder bessere Co-Working-Optionen sucht man bei den Mac-Versionen vergebens.

Neben dem reinen Abo-Modell wäre jedoch auch ein zweiter Ansatz denkbar: Eine Appisierung nach Apples iWork-Vorbild, sprich: Word, Excel, Powerpoint, Outlook und vielleicht sogar andere Bestandteile des Windows-Office-Lineup erscheinen als eigenständige Mac-Apps mit entsprechenden iOS-Kompagnons. Laut einem aktuellen Reuters-Bericht soll Microsoft bereits entsprechende Apps für iPhone und iPad publikationsfertig in der Schublade liegen haben – Microsofts neuer Boss, Satya Nadella, zögert aber noch bei der Freigabe. Dem Bericht der Nachrichtenagentur zufolge soll Nadella zwar durchaus willens sein, die Nutzerbasis von Office auf eine breitere Basis zu stellen, befürchtet aber gleichzeitig den Kernmarkt von Microsoft, also die eigenen Sys­teme Windows 8/8.1 und Windows Phone, damit zu schädigen.

Die Office-Mobile-App für das iPhone kann nicht mit Apples iWork-Apps mithalten.
Vergrößern Die Office-Mobile-App für das iPhone kann nicht mit Apples iWork-Apps mithalten.

Angesichts von etwa 200 Millionen verkauften iPads rechnet Reuters vor, dass Microsoft durch die fehlenden Office-Apps für iOS pro Jahr etwa 2,5 Milliarden US-Dollar an Umsatz in den Wind schlägt – Summen, bei denen Nadella wohl bald schwach werden dürfte. Und das Android-SDK (Software Development Kit), das Microsoft auf seiner Sharepoint Conference in Las Vegas vorgestellt hat, zeigt: Micosoft bewegt sich auch in Richtung anderer Plattformen! Einen ersten Schritt für neue Mac-Apps von Office ist Microsoft bereits gegangen: Ab sofort kann neben der bereits erhältlichen iPad-Version seiner Notiz-App Onenote eine Mac-Version im Mac App Store geladen werden ein – direkter Angriff auf den Notizen-Platzhirsch Evernote.

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