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Wochenendmagazin 15/05

17.04.2005 | 16:00 Uhr |

Reportage: Im Emergency Room +++ Auf der anderen Seite +++ Macwelt Replay +++ Kolumne: Douglas Adams und der Tiger

Emergency Room - Ein Werkstattbesuch bei Gravis

Wenn der Mac nicht mehr will: Auch Apple-Computer gehen kaputt

von Ole Meiners

Mit einem Notebook ist das Arbeiten viel gemütlicher. Nicht an den Schreibtisch gefesselt sein, auf dem halbfertige Steuerunterlagen liegen, die jeden Anflug von Kreativität im Keim ersticken. Nein, ein Notebook ist seinem Besitzer auch am knisternden Kamin stets zu digitalen Diensten, verbindet ihn dank drahtloser Datenanbindung in das World Wide Web. Surfen in den Südtiroler Alpen ist längst ein Selbstverständlichkeit geworden, auch vom Ledersofa aus mit Blick aus dem Wohnzimmerfenster auf schneebedeckte, im Sonnenuntergang rot glühende Bergkämme. Jetzt könnte ein Schluck Rotwein in dieser Ansichtskartenidylle die Kreativität zielgerichtet fördern.
"Wein ist in das Gerät gelaufen. Gerät lässt sich nicht mehr starten. Wenn möglich Daten retten. Kostenvoranschlag erstellen." So nüchtern klingt das Ende eines gemütlichen, kreativen, drahtlosen Abends an einem Powerbook G3 in Südtirol. So steht es auf dem Reparaturauftrag, den der Werkstatt-Mitarbeiter bei Gravis um das Gerät gefaltet hat, das nun mit einem Dutzend anderer Notebooks in einem Setzkasten aus Sperrholz liegt. Hochkant, damit sie weniger Platz wegnehmen in den Stahlregalen. Dort warten Tintenstrahl- und Laserdrucker, bunte iMacs neben Scannern und Festplatten darauf, dass sie bei Thomas Kreutz und Frederick Köhler auf die Werkbank kommen. Auf den OP-Tisch beim Computerdoktor von Gravis in der Münchener Innenstadt - Emergency Room.

Alkoholvergiftung

"Das Powerbook aus Südtirol?" Fred Köhler erinnert sich gut. Alkoholvergiftung. "Das hat genau so gerochen." Er selbst hat auch einen gehörigen Kater, hat gestern mit einem Kumpel aus Würzburg mehr als ein Glas Wein getrunken. Jetzt knabbert er vorsichtig an Schokobutterkeksen und trinkt seinen ersten Werkstatt-Kaffee. Müde sieht der Informatik-Assistent um die Augen herum aus, aber nur ein wenig, schließlich ist er erst 24 und die Uhr zeigt kurz nach zwölf. Bereits bei Kaffeebecher Nummer drei ist Thomas angekommen, der 38-Jährige ist seit kurz vor zehn im Laden am Sendlinger Tor. Und das seit fünf Jahren. "Ich arbeite in der Technik. Und im Vertrieb!" Und wer von Technik Ahnung hat, ist auch der bessere Vertriebler. Er wird dafür bezahlt, dass er was weiß. Thomas ist ein Koloss an Fachkenntnis, an Selbstbewusstsein und an Pfunden. Der Zweieinhalb-Zentner-Mann hat auf jede technische Frage rund um Apple, deren Computer und Betriebssysteme sowie die angeschlossene Peripherie eine detaillierte Antwort.

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