923186

Wochenendmagazin 25|04

19.06.2004 | 11:27 Uhr |

Im Schatten des Doms: Ein ausführlicher Rundgang über die Mac Expo in Köln +++ Windowskolumne 25|04: Microlinux - Microsoft auf einer Linux-Messe, Longhorn - Glasauge sei wachsam, Microsofts - Cyberpunk, Matrix und 1984 +++ Steiger vs. Müller: "So viele Löcher!"

Messe im Schatten des Doms

Die zweite Auflage der Mac Expo vermag noch mehr zu begeistern als die Premiere letztes Jahr. Die Tage von Köln singen das Lied von der Zukunft der Mac-Szene.

Von Peter Müller

Es war eine gute Idee, die Mac Expo auf das Ende der Woche zu terminieren und sie nicht wie im Vorjahr von Montag bis Mittwoch abzuhalten, bestätigt Dieter Pein von der Messeleitung: "Das war auch der Wunsch vieler Aussteller." So stieß der deutsche Ableger der seit November 2001 in London etablierten Ausstellung schon im Vorjahr auf eine überwiegend positive Resonanz bei Industrie und Publikum, die Besucherzahlen haben sich gegenüber 2003 deutlich erhöht - auch mehr Aussteller haben den Weg nach Köln gefunden.

Gravis' iPod-Radiergummis haben sogar echte Spiegel-Redakteure getäuscht.
Vergrößern Gravis' iPod-Radiergummis haben sogar echte Spiegel-Redakteure getäuscht.
© 2015

Unter den Neuligen die Firma, um die sich eigentlich auch schon im Hitze-Sommer vor 12 Monaten alles drehte: Apple hat wie in Großbritannien erst auf der zweiten Ausgabe des neuen Events Ausstellungsfläche gebucht. Und das massiv, um ein umfangreiches Produktfolio abzudecken. Audio- und Videolösungen demonstrieren geduldige Apple-Promoter den Besuchern, auf einer Showbühne dreht sich alles um die Mac-Themen dieser Tage: Final Cut, Xserve, Power Mac G5. Die halbe Messehalle 6 strömt aber zusammen, um einen Londoner Gitarristen bei der Vorführung von Garageband zuzusehen - zuhören konnte man ihm ohnehin in jedem Winkel der Halle 6 die bei weitem nicht mehr so geräumig wirkt wie vor einem Jahr.

Zuversicht allerorten: Egal, welchen Aussteller man anspricht, Hersteller von Software für die Buchhaltung, Vorstufenspezialisten oder die im Macmarkt etablierten Händler und Distributoren - von manchen liebevoll als "Kistenschieber" bezeichnet - die Stimmung steigt nach Jahren der Depression wieder. Der Mac-Markt in Deutschland war jahrelang zu klein und unbedeutend für eine eigene Messe gewesen, 1998 verabschiedete sich die Macworld & Publishing Expo aus Düsseldorf, um für die Plattform übergreifende digimedia Platz zu machen, die ihrerseits nur eine einzige Ausgabe erlebte. Im Jahr 2000 hatte die maxpo im Kölner Fernsehzentrum Coloneum auch keinen nachhaltigen Erfolg, so dass die Mac Expo wie ein Sonnentag nach wochenlangem Regen erscheint, auch wenn die meteorologischen Gegebenheiten im Jahr 2004 das Gefühl nicht unterstreichen.

Waren Messen zu Mac- und Publishingthemen selbst zu ihren Boomzeiten nur für einen eingeweihten Kreis von Interesse, findet das Massenpublikum einen neuen Kultfaktor in den Treffen der Macianer, iPod sei Dank. Sogar eines der größten deutschen Nachrichtenportale, Spiegel online, schickt einen seiner Reporter auf die Mac Expo, obwohl Michael Stein in seinem Artikel freimütig einräumt, die Mac-Szene nur am Rande zu kennen. Nicht einmal einen iPod habe er, weshalb er sich auf der Messe wie ein Exot vorkommt.

Verzeihlich daher kleinere Fehler in seiner Reportage, den Flüssigkeitsgekühlten G5, von dem Anwender auf dem Apple-Stand laut Kollegen Stein so begeistert waren, hätten auch gerne die Apple-Mitarbeiter gesehen - allein, das neue Top-Modell aus Cupertino ist noch nicht bereit, die Fachpresse kann auf Testrechner erst in der kommenden Woche hoffen. Und wir verzeihen unserem Kollegen aus Hamburg auch die Unterstellung in seinem Artikel, dass es den iPod jetzt auch in einer mini-Variante in fünf Geschmacksrichtungen gibt. Die Vorfreude auf den kompakten Player, der wohl Ende Juli in Deutschland auf den Markt kommen wird, mag den Blick ein wenig verklären. Denn die Minis, die Gravis an seinem iPod-Stand ausstellt, sind Modelle, die als Radiergummi dienen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
923186