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Wochenendmagazin 44

31.10.2004 | 16:00 Uhr |

Firefox 1.0 kurz vor der Fertigstellung: Rache für Netscape +++ Auf der anderen Seite: Windows XP wird 3, Microsoft greift iTMS an +++ Macwelt Replay spezial: Future Boy im Test +++ Müller vs. Meiners: Börsenkrach

Firefox rächt Netscape

Von Ralf Götze

Ein langsamer Download ist für große Webseiten ein Armutszeugnis. Beim Firefox Release Candidate ist es hingegen schon der Vorbote eines großen Erfolges. Seit zwei Tagen sind die Server der Mozilla Foundation nun ununterbrochen damit beschäftigt, die neue Version ins Web zu verteilen und trotzdem zieht die anhaltende Nachfrage die Geschwindigkeiten in die Knie. Dabei soll doch bereits im November die offizielle Final erscheinen. Doch solche Begründungen zählen nicht bei einem Browser, dessen Preview bereits innerhalb von 30 Tagen fünf Millionen Mal geladen wurden.

Firefox hat das Zeug dafür, den Browserkrieg wieder neu zu entfachen. Sein bisheriger Erfolg begründet sich nicht mit einer unzähligen Zahl von Features, sondern mit einer Rückbesinnung auf die Grundfunktionen eines Browsers - schnell und sicher surfen. Daher fing der Aufstieg des Browsers auch erst an, als sich die Mozilla Foundation, die 1998 den Netscape-Quellcode übertragen bekam, entschied, sich vom alten Suite-Modell zu verabschieden. Eierlegende Wollmilchsäue können vieles, aber häufig keine Sache richtig. Daher wurde 2002 erst der Browser und ein Jahr später das Emailprogramm aus der Suite herausgelöst.

Der Durchbruch gelang Firefox dann im letzten Jahr mit zunehmenden Einbrüchen in den Internet Explorer. Eklatante Sicherheitslücken, die wenn überhaupt nur mit mäßigem Elan von Microsoft gestopft wurden, trieben zuerst die Geeks zur Open-Source-Alternative. Allein bei Heise stieg der Marktanteil innerhalb des letzten Jahres von knapp 24 auf 35,5 Prozent und der erste Platz vom IE 6 ist mittlerweile in die Fangweite gerutscht. Natürlich sind diese Zahlen einer IT-Seite nicht repräsentativ, aber auch die Internet-Statistiker von Websidestory ermittelten für Firefox eine starke allgemeine Zunahme von 1,7 auf 5,2 Prozent innerhalb der letzten vier Monate.

Schenkt man einem Bericht bei Spiegel Online Glauben, so könnte dies erst der Anfang sein. Denn so vehement Google derzeit bestreitet, einen eigenen Browser zu entwickeln, so still wird der Suchmaschinenbetreiber bei der Frage, ob Google zukünftig mit Firefox kooperieren will. Genau wie Apples Safari hat auch der Mozilla-Browser ein Google-Suchfeld integriert. Auf der Mac-Plattform wird so durch die weite Verbreitung von Safari und die bequeme Nutzung Googles Marktmacht zementiert. Auf anderen Plattformen könnte es durch Firefox ähnlich geschehen.

Auf Googles Spitzenplatz hat es die vor allem die Redmonder Konkurrenz abgesehen. Wie schnell der Softwareriese scheinbar sichere Marktpositionen durch ins Betriebsystem integrierte Funktionen dem Erdboden gleich macht, zeigt immer noch das mahnende Beispiel Netscape. Aus der Asche des einstigen Browser-Pioniers entstanden, hat nun Firefox die Möglichkeit späte Rache zu nehmen, weshalb sein ursprünglicher Name eigentlich weiterhin besser zum ihm passt: Phönix.

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