Von Peter Müller - 06.02.2005, 16:00

Wochenendmagazin 5/05

DVB-H - Fernsehen auf dem Handy +++ iTMS mit Schlagern gegen illegale Tauschbörsen +++ Auf der anderen Seite +++ Spielerezension Bad Mojo +++ Meiners vs. Müller

Televisionen

Mit UMTS wird zum ersten Mal Handy-Fernsehen möglich, aber die Zukunft gehört DVB-H.
von Ole Meiners

Die Werbung suggeriert es zur besten Sendezeit: Auf Fernsehen am Handy hat die Welt gewartet. Vodafone promotet "Mobile TV" gerade in einem witzigen Spot, die anderen Netzbetreiber in Deutschland und Österreich stehen bereits "Gewehr bei Fuß" oder bieten ebenfalls schon eigene Inhalte. UMTS macht’s möglich - und eine neue Technologie namens DVB-H.
Im Januar "sendete" Vodafone via UMTS den ersten Abend füllenden Fernsehfilm via UMTS aus, vergangene Woche streamte der Anbieter den ersten Kinofilm. Auf den im Vergleich zum Fernseher winzigen Displays sicher kein cineastischer Hochgenuss und mit zwölf Bildern pro Sekunde auch kein ruckelfreier, sondern eher ein Testballon, um mehr Erfahrungen mit diesem neuen Medium zu gewinnen - und Feedback von den Zuschauern. "Mobiles Fernsehen" ist gegenwärtig ein großes Labor für Techniker und Mediengestalter: Welche Inhalte will der Kunde unterwegs konsumieren und auch bezahlen? Wie müssen diese aufbereitet werden?

Der Berliner Pilotversuch

Im Sommer des letzten Jahres hat ein erster Pilotversuch in Berlin das angenommene Nutzungsverhalten erstmals in der Praxis überprüft und gleichzeitig eine neue Technik erprobt: DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds) ging in der Hauptstadt von Ende Juli bis September auf Sendung. Digitales Fernsehen ist dabei in Berlin und Brandenburg nicht völlig unbekannt: Bereits seit zwei Jahren ist das Antennenfernsehen nicht mehr analog, DVB-T ist mittlerweile auch in Norddeutschland oder im Raum Köln-Bonn zu empfangen. Der Vorteil für den Zuschauer: Er kann statt acht bis zehn TV-Programme jetzt digital etwa viermal so viele Sender empfangen, braucht allerdings einen DVB-T-fähigen Fernseher oder eine so genannte Set-Top-Box, die den MPEG-2-Videostream wieder analog decodieren und an das TV-Gerät weitergeben. Die Handy-Variante DVB-H arbeitet nach dem MPEG-4-Codec H.264 (Apple nutzt diesen Codec auch ab Mac-OS X 10.4), auf einem Kanal, der von einem analogen Programm und unter DVB-T von vier Programmen genutzt werden kann, bringt DVB-H bis zu vierzig Programme unter.
Während des Berliner Pilotversuchs mit etwa dreißig Teilnehmern hatte Macwelt Gelegenheit, sich einen DVB-H-Prototypen genauer anzusehen. Äußerlich hat dieses Nokia 7700 mit einem Handy nicht mehr viel gemein, eher sieht es aus wie ein Gameboy - Zifferntasten zum Wählen fehlen völlig. Der Anwender zückt einen zierlichen Stift, der wie bei einem Palm am Gerät eingeschoben ist und tippt damit auf den nicht ganz zigarettenschachtelgroßen Bildschirm - der Real Player startet und der N24-Moderator informiert über die aktuelle Lage im Irak, ein wenig quäckig zwar, aber das Bild ist recht passabel.
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