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Das war die Woche: Apple profitiert doppelt

12.12.2008 | 13:38 Uhr |

Die Auseinandersetzung Apples mit Psystar nimmt an Schärfe zu. An sich kann der Mac-Hersteller aber beruhigt die nächsten Gerichtsentscheidungen abwarten. Und auch die Konjunkturflaute wirkt sich auf Apple nicht negativ aus.

Die Argumentation des Open-Computer-Herstellers Psystar zu seiner Verteidigung gegen Apples Klage wird immer abenteuerlicher. Erst hatte der in Miami ansässige Hersteller des unlizenzierten Mac-Klons Apple vorgeworfen, mit unfairen Praktiken ein Monopol zu bilden und Wettbewerb zu unterdrücken. Nun steht Apple aber seit Zeiten des ersten Mac mit Microsoft in einem verschärften Wettbewerb um Marktanteile bei Betriebssystemen, den Apple schon mehrere Male endgültig verloren zu haben schien. Der Mac-Hersteller vergrößert derzeit seinen Marktanteil rapide, von einem Monopol könne aber keine Rede sein. Das Gericht zeigt sich diesbezüglich von Psystars Argumentation wenig überzeugt und wies das Unternehmen an, neue Argumente vorzubringen. Das ist Psystar zwar fristgerecht gelungen, jedoch mit abenteuerlichen Begründungen . Jetzt wirft die Garagenfirma Apple vor, der Mac-Hersteller schmuggle absichtlich Code in Mac-OS X, der das Betriebssystem auf anderen Rechnern als denen mit dem Apfel-Logo Kernel-Panics bescheren würde. Dies würde die Hardwareerkennung beim Booten besorgen, die Psystar mit einem EFI-Emulator austrickst. Die Schleifen, die der Bootmanager beim Starten drehe hätten keinerlei technische Gründe und seien so nicht vom Urheberrecht gedeckt. Bei Apple muss man kein allzu großer Optimist sein, um eine endgültige Zurückweisung der Klage am 15. Januar zu erwarten.

Bleibt also die Klage Apples wegen Verletzung der Urheberrechte. Warum der Mac-Hersteller nicht einfach die Frickler aus Florida ihre Schrottkisten zusammenbauen lässt, die ihr Geld nicht wert sind, hat zwei einfache Gründe. Apples Marke könnte massiven Schaden nehmen, bringt man Mac-OS X in Verbindung mit einem schlechten Billig-PC, dessen hervorstechendste Eigenschaften höllisch laute Lüfter sind. Mal ehrlich: Einen Gutteil seines schlechten Rufes hat Windows all den Billig-Computern zu verdanken, deren wacklige Komponenten das Betriebssystem mit Treiberkonflikten in die Bredouille brachten. Nicht von ungefähr will Apple die Kontrolle über Hardware und Software behalten. Ein anderer Grund mag aber noch wichtiger sein: Apple vermutet Drahtzieher hinter Psystar . Zwar ist das Bild in sich stimmig, von der Garagenfirma, die mit dubiosen Methoden und Billigware vom Glanz der Marke Apples profitieren möchte und sich nun mit allen möglichen Tricks aus der Affäre ziehen möchte. Nur kommt der Rechtsstreit dem Unternehmen, das in seinen Anfangstagen in Miami ständig von einem übel beleumundeten Gewerbegebiet in das nächste zog, schon jetzt recht teuer, die renommierten Anwälte der Verteidigung arbeiten nicht für Taschengeld. Der Schluss liegt nahe, hinter Psystar könnte eine Industriegröße stecken, die anhand eines Präzedenzfalls die Lage in Sachen Mac-OS X auf Standard-PC auschecken möchte. Apple wird alles dafür unternehmen, dass es zu einem solchen Präzedenzfall nicht kommt, Mac-OS X ist der entscheidende Pluspunkt im Wettstreit auf dem Computermarkt.

Während Apple so um seinen langfristigen Erfolg kämpft, steht das Unternehmen trotz oder gar wegen der Wirtschaftskrise mittelfristig bestens da. Was sich in den vergangen Jahren und Jahrzehnten immer wieder als Hemmschuh herausgestellt habe, sei nun ein großer Pluspunkt, meinen Analysten : Apple ist eine Premiummarke. In Krisenzeiten hörten die Leute nicht einfach mit dem Einkaufen aus, sondern legten ihre Dollars bewusster an, meinen Michael Gartenberg und Tim Bajarin unisono. Getreu nach dem Motto "Billig einkaufen kann ich mir nicht leisten" achten die an Unterhaltungselektronik Interessierten auf die Qualität. Lieber heute für Weihnachten einen iPod gekauft als einen Billig-Player, den man zu Ostern schon wieder ersetzen muss. Und wer auf einem Wunschzettel "Handy, Musikplayer, Spielekonsole" findet, greift besser zu einem als zu drei Geräten: Vorteil iPhone. So kann am 15. Januar Apple doppelt als großer Gewinner dastehen, nach Abweisung der dubiosen Psystar-Gegenklage und der Veröffentlichung der Bilanz für das erste Quartal 2008/2009 da mit dem Weihnachtsgeschäft endet.

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