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Das war die Woche: Hamm’ wa nich’

05.12.2008 | 14:12 Uhr |

Endlich: Der Apple Store ist da. Glänzend schwebt der angebissene Apfel über Münchens Innenstadt, Macs, iPods und iPhones wecken das Begehr des Publikums. Was aber nicht heißt, dass man auch alles kaufen kann, was Apple da appetitlich angerichtet hat.

Im neuen Apple Store sind alle Waren übersichtlich ausgestellt
Vergrößern Im neuen Apple Store sind alle Waren übersichtlich ausgestellt

Welch Paradoxon! Da eröffnet Apple in bester Lage seinen ersten Apple Store in Deutschland und das Gerät, von dem alle Welt spricht, lässt sich dort nur bewundern aber nicht kaufen! Die genauen Gründe, warum das iPhone im Apple Store nicht zu haben ist, nennt der Hersteller nicht, sondern verweist lapidar auf laufenden Verhandlungen. In Deutschland vertreibt T-Mobile bislang das iPhone exklusiv, was aber Fachhändler und Discounter nicht daran hindert, in ihren Geschäftsräumen das Apple-Handy zu verkaufen - mitsamt Vertrag an einem Telekomstand im Laden natürlich. Über die Gründe kann man nur spekulieren, womöglich empfände Apple die bloße Präsenz eines rosa T in seinem Design-Laden als zu aufdringlich. Oder der Mac-Hersteller wartet lediglich ab, bis die Vereinbarung über einen exklusiven Vertrieb ausgelaufen ist - und verkauft dann SIM-freie iPhones. Das könnte aber frühestens in einem Jahr der Fall sein, wollen wir hoffen, dass das iPhone schon früher seinen Status als unverkäufliches Inventar im Apple Store verliert.

Musealen Charakter hat jedoch der komplette Apple Store, der ein architektonisches Highlight setzt. Das nördliche Ende der Rosenstraße war bis dato eher fad, dominant stach bisher der graue 70er-Jahre-Klotz von Galeria Kaufhof hervor. Mit seiner großzügigen, zweistöckigen Glasfront wird der Apple Store nicht nur Fans der kalifornischen Marke anziehen, sondern sicher auch jede Menge Laufkundschaft. Appetitlich angerichtet warten Macs und iPods auf die Käufer, die jedoch angesichts 60 hilfsbereiter Mitarbeiter wohl kaum alleine zum Stöbern kommen. Trotz aller Bequemlichkeit ist es ist nicht jedermanns Geschmack, quasi schon beim Eintritt in den Laden an die Hand genommen zu werden. Ansonsten ist das in zahlreichen anderen Niederlassungen weltweit bewährte System ein Traum: Der persönliche Guide durch die Welt des Apple Store nimmt nicht nur die Bestellung auf, sondern auch gleich die Kreditkarte entgegen.

Über den Preis will es Apple also definitiv nicht versuchen. In den USA erlauben die Apple Stores zwar nun erstmals ihren Verkäufern das Preis-Matching, in München zucken die Verkäufer aber nur mit den Schultern, kommt ein Kunde mit einem Preisschild der Konkurrenz an. Apple kann es sich leisten, Serviceangebote wie persönliche Trainings oder Installations- und Migrationshilfen anzubieten, der Apple Store in München muss wohl keinen Profit abliefern. "In einer der besten Einkaufsgegenden der Welt", wähnt man sich, wie der Retail-Manager Steve Cano erklärt. Der Imagegewinn, den der über dem Marienplatz glänzende Apfel verspricht, ist dem Mac-Hersteller viel Wert.

Mit vier Konzerten eröffnet Apple seinen Store in der kommenden Woche zudem als Veranstaltungsort. Live-Musik mitten in München, das ist einmal was Neues in der Stadt, deren Bewohner die stets mit Geräusch verbundenen Darbietungen an den Rand in Industriebrachen vertrieben haben. Böse Zungen mögen behaupten, Künstler wie Laith Al-Deen, Peter Maffay und Xavier Naidoo würden ob ihres glatt gespülten Pop-Schmalzes allenfalls ein wenig nerven aber nicht wirklich stören, so wie die Südamerikacombos, die tagsüber vor dem Kaufhof auf ihren Panflöten dudeln. Eine solch böse Zunge führen wir nicht, sondern freuen uns, dass ab nächsten Montag die sonst nach Ladenschluss fast wie ausgestorben daliegende Innenstadt eine Belebung erfährt. Live sind Al-Deen und Maffay immer die Reise wert. Was wir uns für das neue Jahr im Apple Store aber wünschen, hat wieder mehr mit den Produkten des Mac zu tun. Den Abend des 6. Januar - in Bayern Feiertag - könnte Apple etwa dazu nutzen, die Keynote zur Eröffnung der Macworld Expo in seinen Räumen zu übertragen. Noch steht aber nicht einmal offiziell fest, dass Steve Jobs auch im kommenden Jahr seinen traditionellen Auftritt haben wird.

Der Macworld Expo kehrt Adobe, einer der wichtigsten Softwarehersteller für die Mac-Plattform, hingegen allmählich den Rücken. Zwar werde man seine Creative Suite 4 in einer ganztägigen Präsentation in San Francisco dem Publikum nahebringen, auf einen Stand verzichtet das Unternehmen jedoch. Adobe sieht sich wohl als erster Opfer der Wirtschaftskrise, im vierten Quartal des Geschäftsjahres hatte der Hersteller nur einen Umsatz von rund 915 Millionen US-Dollar erzielt statt der erwarteten 950 Millionen US-Dollar. An Gewinn mag da zwar immer noch reichlich hängen geblieben sein, Adobe fürchtet aber, die meisten Geschäfte mit der Creative Suite 4 bereits gemacht zu haben. Bis zum nächsten Umsatzsprung mit der Creative Suite 5 sind es sicher noch 18 bis 24 Monate. Apple wird dann nicht nur einen Store in Deutschland betreiben. Und in jedem der eigenen Läden auch iPhone verkaufen, prognostizieren wir.

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