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Das war die Woche: Jetzt geht’s los…

28.11.2008 | 15:45 Uhr |

Über ganz Deutschland legt sich der Duft von Glühwein, Spekulatius und Lebkuchen. Weihnachtseinkäufer verstopfen die Innenstädte. Nur Apple lässt sich noch ein wenig Zeit.

Apple Store in München: Bauarbeiten
Vergrößern Apple Store in München: Bauarbeiten

Der Termin wäre ideal gewesen: In den USA tragen Weihnachtseinkäufer ihre frisch mit Truthahn gefüllten Wampen und ihr sauer erspartes Geld in die Apple Stores, um zu Nachlässen bis zu 15 Prozent wahre Schnäppchen zu machen. Gleichzeitig eröffnet Apple am Vorabend des ersten Adventswochenendes in der Münchener Innenstadt seinen ersten eigenen Store in Deutschland. Nur am Freitag Abend gibt der Mac-Hersteller Rabatte wie in den USA, der "Black Friday" wird auch hierzulande ein laut zu hörender Startschuss in eine vorweihnachtliche Einkaufssaison, von der man nicht weiß, ob die Krisenstimmung zur Kaufzurückhaltung führt oder die Verbraucher mit einem "Jetzt erst Recht!" die Kassen des Einzelhandels klingen lassen. Am Münchener Novemberhimmel geht an diesem Freitag Abend aber ein Stern in Form eines angebissenen Apfels auf, dessen Leuchtkraft der gesamten Branche warm ums Herz werden lässt.

Die Sache hat einen Haken: Die Realität funktioniert anders. Apple übt sich in Schweigen, wann denn nun der lang erwartete Laden in der Rosenstraße zur Eröffnung lädt. "Bald ist es soweit", verkündet ein Schild an der noch verschlossenen Ladentür. Bauarbeiter werkeln noch vor dem neu errichteten Gebäude herum, während nebenan die ersten Stände Weihnachtsdekoration anbieten. Fast sieht es so aus, als wäre es den Betreibern des Ladens egal, ob man jetzt noch die umsatzstärkste Zeit des Jahres mitnimmt oder nicht. Ist ja auch egal, das wahre Fest beginnt für den Macianer mit der Eröffnung der Macworld Expo 2009 am Dreikönigstag - dem Weihnachtstag der orthodoxen Kirchen.

Aber man darf Apple nicht vorwerfen, die Eröffnung des Ladens in der Rosenstraße absichtlich verzögert zu haben. Bei einem Bauprojekt ist der Einfluss des Mieters auf die Übergabe der Schlüssel eingeschränkt. Als sich erstmals herumgesprochen hatte, Apple würde in den Neubau neben Sport Schuster einziehen, war vom Oktober als Eröffnungstermin die Rede. So gesehen sind acht bis zehn Wochen Verspätung nicht weiter tragisch. Am 10. Dezember soll es dann soweit sein, glaubt man den Spekulationen, die ein kurzfristig von Laith Al-Deen auf seine Website gestellter Konzerttermin ausgelöst hat. Um vom Weihnachtsgeschäft zu profitieren, würde das gerade noch langen, für den Ansturm der Kunden nach der Macworld Expo wäre das Verkaufsteam bereits bestens eingespielt.

So denn die Kunden in Massen den Laden stürmen werden. Die lange nur virtuell drohende Rezession wird immer konkreter, Apple könnte ernsthafte Schwierigkeiten bekommen, in rauen Zeiten seine hochpreisigen Waren an die Kundschaft zu bringen. Sollte Apple tatsächlich in den Netbook-Markt einsteigen wollen, wie der Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster vorgeschlagen hat, bekommt es der Mac-Hersteller mit Anbietern zu tun, die ihre Ultrakompakten für weniger als 500 Euro verkaufen.

Apple wird in der Konjunkturflaute verstärkt auf den Preis achten, erste Hinweise darauf erreichten und in dieser Woche aus den USA. Dort dürfen nun Verkäufer beim Preis nachgeben, sofern Kunden ein günstigeres Angebot für das gleiche Produkt vorweisen können. Dass der Hersteller selbst in Konkurrenz mit seinen Handelspartnern tritt, ist zumindest ungewöhnlich. Noch sieht hierzulande der Handel keine Probleme mit Apple, wie es Gravis-Chef Archibald Horlitz der Deutschen Presseagentur (dpa) gegenüber erklärt hat. Im Gegenteil werde ein Apple Store in München - und wohl bald auch in anderen Städten - den Markt insgesamt beleben. Wenn nun aber Apple selbst in einen Preiskampf einsteigen sollte und die vor allem nach Jobs-Keynotes erst einmal knappen Produkte bevorzugt im eigenen Laden verkauft anstatt sie in den Channel zu reichen, dürfte Schluss mit lustig sein.

Einen großen Vorteil haben die Fachhändler und die Elektrodiscounter gegenüber dem Apple Store aber noch. Einen Standortvorteil: Vor den Apple-Laden in der Rosenstraße kann man nicht mit dem Auto vorfahren. Und so ein 24-Zoll-iMac , wie er etwa im Januar neu herauskommen könnte, schleppt sich recht unbequem in der U-Bahn…

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