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Das war die Woche: Schluss, aus, vorbei

19.12.2008 | 14:35 Uhr |

Jobs-Keynotes zur Macworld Expo sind Geschichte. Das heißt aber noch lange nicht, dass nun das Ende aller Zeiten gekommen sei. Der Lauf der Geschichte ist ein steter Wechsel. Daran sei nicht nur zum bevorstehenden Jahreswechsel erinnert.

Steve Jobs Macworld Expo San Francisco 2006
Vergrößern Steve Jobs Macworld Expo San Francisco 2006

Was haben der Papst, der Dalai Lama und Steve Jobs gemeinsam? In der Öffentlichkeit treten sie stets in den gleichen Gewändern auf, mal weiß, mal safrangelb und rot, mal im schwarzen Rolli und in Turnschuhen. Hier enden aber die Gemeinsamkeiten, denn Steve Jobs ist definitiv kein religiöses Oberhaupt. Die Reaktionen auf die Absage des Apple-CEO an die Macworld Expo lassen darauf schließen, dass dieses einfache Faktum noch nicht bei jedem angekommen ist. Die Börsen sind zwar nicht erst seit diesem Herbst für ihren Mangel an Rationalität bekannt, dass aber der Aktienkurs Apples gleich mal um fünf Prozent nachgibt, nachdem das Unternehmen erklärt sich von der Macworld Expo zurück zu ziehen und Phil Schiller im kommenden Januar die letzte Ansprache hält, lässt Schlimmes befürchten. Nicht um Apple muss man sich sorgen, sondern um die geistige Gesundheit mancher Anleger.

Die Absage an die Macworld Expo passt in das Bild, das Apple in den letzten Jahren gezeichnet hat. In mittlerweile über 250 Niederlassungen betreibt Apple seine eigenen dauerhaften Apple Expos, nicht nur einmal hat Steve Jobs die Besucherzahlen der Messe mit denen in den Apple Stores verglichen. Apple braucht keine Messen mehr.

Die Befürchtung, der Mac-Hersteller habe einfach nichts zu zeigen und schicke deshalb Phil Schiller vor, läuft ebenso ins Leere. Man denke nur an das überarbeitete Macbook Air , das Apple im Oktober vorstellte. Erst jetzt kommt es in den Handel und das Macwelt-Testcenter. Zwischen Ankündigung und Markteinführung kann Zeit liegen, das hat Apple noch nie gestört. Zuletzt hatte es fast ein halbes Jahr gedauert, bis das auf der Macworld Expo präsentierte iPhone endlich in den Handel kam. Und auch Phil Schiller ist das Talent gegeben, aus wenig bis nichts ein Ereignis zu machen. Wir werden es am 6. Januar sehen, wenn Apples Marketingchef vermutlich einen ersten gründlichen Einblick in Mac-OS X 10.6 Snow Leopard geben und einen Termin für die Veröffentlichung nennen wird.

Jobs-Floskeln wie "incredible new stuff", "boom!" oder gar "one more thing" werden ihm vermutlich nicht von den Lippen gehen, insgesamt ist eine weniger aufgeregte Keynote zu erwarten. Zu zeigen hat Apple neben dem Schneeleoparden womöglich auch neue oder zumindest überarbeitete Hardware. Der Mac Pro hat schon länger keine Aktualisierung erfahren, genau so der Mac Mini. Auch der iMac gilt als Kandidat, Intels Nehalem-Chip mit vier Kernen würde bestens in sein Inneres passen. Das ist wohl der wesentliche Grund hinter der Abkehr von der Macworld Expo: Apple möchte in Zukunft immer selbst bestimmen, wann es welches Produkt vorstellt.

In dem Zusammenhang mag es beinahe verwundern, dass Apple nicht schon für 2009 komplett abgesagt hat. Die Keynote 2009 ohne Jobs löst natürlich wieder Sorgen um den Gesundheitszustand des Apple-CEO aus. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, die Theorie Gene Munsters, nach der sich Jobs nach und nach aus dem Geschäft zurück zieht, klingt plausibel . Womöglich schickt Steve Jobs in diesem Sinne bewusst Phil Schiller vor, um zu beweisen, dass Apple auch ohne ihn kann. Das ist beim Papst nicht anders, am Ende seiner Amtszeit wird recht schnell ein Nachfolger gewählt. Beim Dalai Lama wird es schon komplizierter, um die nächste Reinkarnation des "Ozean gleichen Lehrers" der Tibeter werden sich Chinesen und Tibeter erbittert streiten, wie das Beispiel des Panchen Lamas zeigt. Aber, wie gesagt: Steve Jobs ist kein Religionsführer. Möge er sich noch lange bester Gesundheit erfreuen. Und möge Phil Schiller in gut drei Wochen einen Wandel einleiten: Apple muss nicht an Lungenentzündung leiden, wenn der Chef hustet.

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