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Workgroups im Visier

29.09.1999 | 00:00 Uhr |

Am Montag, den 27. September fiel der Startschuss für Filemakers neue Datenbank Filemaker Pro 5. Aus diesem Anlass traf sich Macwelt mit Dominique Goupil, President des bekannten Datenbankherstellers.

Macwelt: Filemaker Inc. kündigte am Montag Filemaker Pro 5 an. Was sind die wesentlichen Neuerungen?

Dominique Goupil: Filemaker Pro 5 ist das größte Update seit Filemaker Pro 3 vor vier Jahren. Die neue Software ist für unser immerhin erst 18 Monate altes Unternehmen ein Meilenstein. Filemaker Pro 5 ist derzeit in den USA und ab November in Deutschland erhältlich. Neben Filemaker Pro 5 haben wir zudem einen neuen Server, eine neue Entwickler-Version und ein neues Produkt mit der Bezeichnung Filemaker Unlimited angekündigt. Das ist ein kompletter Wechsel der Produktlinie. Darüber hinaus arbeiten wir mit führenden Software-Unternehmen wie Adobe und Macromedia, um das Zusammenspiel zwischen Produkten wie Dreamweaver oder Golive und Filemaker zu verbessern.

Macwelt: Wie sieht die neue Marketing Strategie von Filemaker Inc. aus?

Dominique Goupil: Wir teilen den Markt in drei Kategorien. Die erste Kategorie nennen wir Personal Data Management. Hier teilen sich ein bis drei Benutzer eine Datenbank. Obwohl wir diesen Markt bedient haben, stellt er nicht die Zukunft unseres Geschäfts dar. Unser Schwerpunkt liegt in der zweiten Kategorie, die wir schlicht Workgroup nennen. Eine Workgroup ist ein Bestandteil eines professionellen Markts und umfasst zwischen zwei und 250 Benutzern. Das können sowohl ein Unternehmen als auch eine Abteilung in einem Unternehmen sein. Die dritte Kategorie ist der Highend-Markt mit mehreren tausend Benutzern.

Macwelt: Sollte Filemaker nicht versuchen, mehrere Kategorien zu füllen. Wo sind etwa die kreativen Anwender, die seit Jahren Filemaker verwenden?

Dominique Goupil: Obwohl unsere Strategie derzeit auf die Workgroups zielt, wollen wir sicherstellen, dass wir uns auch mit den zwei verbleibenden Gruppen befassen. So richten wir uns etwa an die kreativen Windows- und Mac-Anwender, die mit Microsoft Office arbeiten. Diesen Benutzern wollen wir mit Filemaker eine attraktive Lösung anbieten. Wir sind aber auch im Highend-Bereich erfolgreich. Zahlreiche Firmen kaufen Filemaker-Lizenzen und setzen das Produkt als Front-end-Datenbank ein.

Macwelt: Wie wichtig ist die neue Microsoft Office Integration für Filemaker Pro 5?

Dominique Goupil: Sie ist sehr wichtig. Auf der Macintosh-Plattform gibt es beispielsweise keine Microsoft Datenbank. Die Nummer eins im Office-Bereich heisst Microsoft und die Nummer eins im Datenbankbereich ist Filemaker. Sogar Microsoft hat vor sechs bis acht Monaten an der Integration zwischen den beiden Produkten gearbeitet. Wir möchten sicherstellen, dass beide Plattformen gut zusammenarbeiten.

Macwelt: Sind die unterschiedlichen nationalen Märkte nicht zu unterschiedlich für nur eine Produktstrategie?

Dominique Goupil: Wir glauben, dass unser Marketing Modell für alle Märkte passt. Wir verwenden weltweit das gleiche Modell und wir wachsen damit in Deutschland, Frankreich, Japan und den USA. Die weltweiten Trends sind nämlich ziemlich ähnlich.

Macwelt: Filemaker Inc. hat nicht nur das Produkt-Logo, sondern auch das Firmen-Logo geändert. Wollen Sie ihr Image verbessern, um mit ihren Wettbewerbern in den zwei anderen Kategorien gleichzuziehen?

Dominique Goupil: Wir müssen nicht unbedingt direkt gegen Microsoft oder Orcale kämpfen. Unsere neue Werbekamagne und unser neues Logo repräsentiert vielmehr unsere populäre Software und einen einfachen Weg, Daten zu speichern. Oftmals wissen Anwender gar nicht, dass ihnen eine Datenbank wie Filemaker weiterhelfen würde. Sie speichern ihre Daten etwa in Excel oder auf dem Papier. Wir wissen, dass es einen besseren Weg gibt.

Macwelt: Was wollen Sie machen, um das neue Filemaker-Logo populär und das Unternehmen bekannt zu machen?

Dominique Goupil: Wir starten demnächst eine Werbekampagne im US-Markt. Es wird zehnseitige Anzeigenstrecken in der Business Week und der Wired geben. Die Leser werden sich fragen, was wir machen und ob unser Produkt ihnen helfen kann. Darüber hinaus starten wir eine weltweite Werbekampagne, die allerdings in Europa auf dreiseitige Anzeigenstrecken begrenzt ist.

Macwelt: Ist es für Ihr Unternehmen nicht ein Risiko nur ein Produkt zu verkaufen?

Dominique Goupil: Was denken Sie über Coca Cola oder Boeing? Wenn wir uns wirklich auf ein Produkt, auf Datenbanken für Workgroups, beschränken, haben wir eine bessere Chance im Wettbewerb gegen Microsoft oder Lotus. Und wenn Sie sich im Software-Business umsehen, werden sie feststellen, dass es viele Unternehmen gibt, die sich auf ein Produkt beschränken. Während Autodesk vor allem auf Autocad baut, ist etwa Adobes Schlüsselprodukt noch immer Photoshop. Die Ein-Produkt-Strategie war für uns bisher sehr erfolgreich.

Macwelt: Wieviele Entwickler unterstützen derzeit Filemaker?

Dominique Goupil: Wir haben mittlerweile rund 2000 registrierte Benutzer, wovon rund die Hälfte aus den USA kommt. Auf unserer letzten Entwicklerkonferenz in San Diego waren über 1200 Entwickler vertreten. Jahre zuvor kamen zum Vergleich nur rund 150 Anwender.

Macwelt: Sie verkaufen mehr Windows- als Mac-OS-Lizenzen. Wie wichtig ist das Mac-OS in der Zukunft?

Dominique Goupil: Wir zielen nicht auf die Plattformen, sondern auf die Kunden. Die Mac-Plattform ist für uns jedoch sehr wichtig, da wir eine hundertprozentige Apple-Tochter sind. Darüber hinaus haben wir mehr Mac-OS- als Windows-Kunden in unserem Kundenstamm. Derzeit verwenden jedoch rund 60 Prozent aller neuen Filemaker-Kunden Windows und 40 Prozent das Mac-OS.

Macwelt: Wie sieht es mit der Linux-Plattform aus. Werden wir in Zukunft einen Filemaker für Linux sehen?

Dominique Goupil: Momentan unternehmen wir nichts auf dieser Plattform. Wie Sie sich vorstellen können, sind wir jedoch immer an anderen Betriebssystemen interessiert gewesen, sei es Linux oder das Palm-OS. Obwohl unsere Kunden ebenfalls diese Fragen stellen, gibt es heute jedoch keine entsprechende Produktankündigung.

Martin Stein, leitender Redakteur und US-Korrespondent der Macwelt

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