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Workshop: Professionelle Satzbilder

19.10.2007 | 12:08 Uhr |

Die Königsdisziplin bei der Gestaltung eines gut zu lesenden Textflusses ist das Aufeinander-Abstimmen der vier Faktoren Spaltenbreite, Schriftgröße, Zeilenabstand und Schrift. Dazu gibt es noch einige Grundregeln zu beachten. Bestimmte Faktoren wie das Verhältnis zwischen Schriftgröße und Zeilenabstand fördern ein gut lesbares Textbild.

Praktische Typografie ist, wenn man so will, nichts weiter als das Bringen von Text in eine lesbare Form. Die wichtigste Grundregel – das Ausschöpfen des vollen, von Schriften zur Verfügung gestellten Zeichenbestands – haben wir bereits in Macwelt 9/2007, ab Seite 76, vorgestellt. Leider gewährleisten typografisch korrekte Anführungszeichen, richtig unterteilte Zahlenkolonnen sowie Bindestriche dort, wo auch Bindestriche hingehören, alleine noch kein gutes Satzbild; sie verhindern lediglich die allergröbsten Patzer. Die Königsdisziplin bei der Gestaltung eines gut zu lesenden Textflusses ist das Aufeinander-Abstimmen der vier Faktoren Spaltenbreite, Schriftgröße, Zeilenabstand und Schrift. Satz-Profis beziehen in die Formatierungsmerkmale von Grundschriften einen weiteren Faktor mit ein: die Laufweite. Betrachten wir die aufgeführten Faktoren etwas näher, um uns im Anschluss die Regeln für ein optimales Teamwork etwas näher anzusehen.

Faktor 1: Die Spaltenbreite

Die Spaltenbreite ist in einer Publikation meist vorgegeben und daher der am wenigsten variable Faktor. Bestimmt wird sie einerseits durch das Papierformat, andererseits durch das Medium. Die Anzahl der Wahlmöglichkeiten ist im Grunde recht überschaubar: Neben dem Standard DIN-A4 einspaltig, der vor allem in Büros, Freizeit und in Bildungseinrichtungen das Allroundformat schlechthin ist, bestimmen im Printsektor zwei-, drei- oder vierspaltig aufgebaute Varianten das Bild. Zum Zuge kommen sie vor allem in Zeitschriften, deren Grundformat meist nur unwesentlich von der Standardpapiernorm A4 abweicht. Ähnliche Spaltenbreiten wie im Zeitschriftensatz findet man auch in Tageszeitungen, in Flyern, Katalogen sowie in Anzeigentext. Noch schmalere Spalten konnten sich lediglich in Programmkalendern sowie ähnlich infolastigen Publikationen etablieren. Eine gewisse Sonderstellung nimmt das Buch ein. Hier ist das Papierformat meist kleiner. Dafür dominieren breite, einspaltig angelegte Satzspiegel.

Die gängigen Spaltenbreiten lassen sich im Detail zwar variieren. In der Regel orientieren sie sich allerdings an gewissen Standardbreiten: 45 bis 50 Millimeter gelten als Minimum für die Unterbringung von Lesetext. Nur bei infolastigen Veranstaltungskalendern und Tabellen haben sich sehr schmale Breiten (30 bis 40 Millimeter) als die ökonomischste Lösung erwiesen. Großzügiger bemessene Spaltenbreiten – etwa beim Grundformat A4/plus dreispaltig – bewegen sich zwischen 55 und 65 Millimeter. Zweispaltige A4-Layouts offerieren Spaltenbreiten fast wie im Buchsatz: je nach Format zwischen 80 und 100 Millimeter. Im Buchsatz selbst dominieren zwei Formate: Das etwas größere Hardcover mit Spaltenbreiten im Bereich 100 bis 120 sowie das etwas kompaktere Paperback. Übliche Spaltenbreite hier: 80 bis 100 Millimeter.

Auffällig bei typischen, als gut lesbar empfundenen Texten ist, dass die Grundschrift in breiteren Spalten etwas größer, in kleineren hingegen etwas kleiner ausfällt. Auf der einen Seite kommt diese Konvention gängigen Lesegewohnheiten entgegen. Wissenschaftlich gesehen basiert diese auf der Anzahl der Zeichen, die eine Zeile optimal enthalten sollte. Die Untergrenze für eine sinnvolle Informationsaufnahme setzen Experten bei 35 bis 40 Zeichen pro Zeile an; weiter darunter wird es happig. Dasselbe gilt für die bei 75 bis 80 Zeichen pro Zeile liegende Obergrenze. Da höher bemessene Schriftgrößen den Faktor Lesbarkeit zusätzlich unterstützen, kleinere jedoch in manchen Fällen überhaupt erst gewährleisten, dass die nötige Zeichenanzahl zusammenkommt, liegt es auf der Hand, dass die Spaltenbreite bei der Erstellung eines ansprechenden Satzbildes nur ein Faktor unter mehreren ist.

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