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Workshop Typografie: Guter Schriftsatz

23.08.2007 | 13:49 Uhr |

Was unterscheidet korrekten Satz von unprofessionellem, laienhaften? Die banale Antwort lautet: Rund 90 Prozent aller Satzfehler sind auf die Verwendung typografisch nicht korrekter Zeichen zurückzuführen. Wie man hier Abhilfe schafft und welche Details beim Setzen sonst noch zu beachten sind, beschreibt dieser Beitrag.

Typografie
Vergrößern Typografie

Typografie wird gelegentlich als die Kunst des Details bezeichnet. Ob man es als Kunst bezeichnet, Text in die richtige Form zu bringen, als Handwerk oder einfach als Formatierung, bleibt Ansichtssache.

Der Begriff „Details“ trifft allerdings einen wesentlichen Aspekt. Anders als in anderen kreativen Genres sind bei der Gestaltung ansprechender und lesefreundlicher Fließtexte Konventionen zu beachten.

Fehlerquelle eins: Zeichen gesucht

Drei Sätze und gleich vier Satzfehler: Richtige An- und Abführungszeichen, Bindestriche bei Satzeinschüben sowie Hervorhebungen in fett oder kursiv zählen im professionellen Satz zu den Standards. Mediaevalziffern (unten) sind nicht unbedingt nötig; die Tausenderstellen bei dieser fünfziffrigen Zahl gehören jedoch mit einem Leerraumintervall (hier ein Achtelgeviert) abgetrennt.
Vergrößern Drei Sätze und gleich vier Satzfehler: Richtige An- und Abführungszeichen, Bindestriche bei Satzeinschüben sowie Hervorhebungen in fett oder kursiv zählen im professionellen Satz zu den Standards. Mediaevalziffern (unten) sind nicht unbedingt nötig; die Tausenderstellen bei dieser fünfziffrigen Zahl gehören jedoch mit einem Leerraumintervall (hier ein Achtelgeviert) abgetrennt.

Welche Mankos können Fließtexte aufweisen? In der Regel sind die Ursachen amateurhafter Satzbilder recht banal. Die schlimmsten, deutlichsten und mitunter peinlichsten Fehler resultieren schlichtweg daher, dass die offen auf der Tastatur liegenden Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen mit dem kompletten Zeichensatz eines Schriftfonts verwechselt werden. Der Unterschied springt bereits rein rechnerisch ins Auge. Inklusive Leertaste lassen sich direkt über die Tastatur 97 Zeichen ansteuern. Diese 97 Zeichen sind allerdings nicht einmal die Hälfte der Zeichen, die eine Schrift normalerweise enthält. Ohne den verborgenen Rest – darunter das mittlerweile alltägliche „at“-Zeichen @, zusätzliche Bindestriche, Anführungs-, Spezial-, Akzent- und Ligaturzeichen – lassen sich jedoch lediglich rudimentäre Texte tippen. Streng genommen nicht einmal das: Korrekte Halbgeviertbindestriche, obligatorisch etwa bei Satzeinschüben, erfordern ebenso den Rückgriff auf die „Zeichenreserve“ wie An- und Abführungszeichen. Die Generierung von Letzteren nimmt uns zum Glück die Software ab: Weil korrekte An- und Abführungszeichen elementar sind und in der Praxis häufig vorkommen, enthalten professionelle Textverarbeitungs- und Layoutapplikationen schon lange interne Mechanismen, die die eingetippten Zoll- oder Sekundenzeichen über der 2 mit richtigen An- und Abführungszeichen substituieren.

Einer der deutlichsten Unterschiede zwischen amateurhaften Satz und Profi-Satz ist also die nicht ausgeschöpfte Vielfalt der vorhandenen Satzzeichen. Mac-Anwender sind hier bereits von Tradition her gut bedient. Wenn man weiß, hinter welcher Taste ein gesuchtes Zeichen liegt, lassen sich die allermeisten zusätzlichen Satzzeichen mittels einfacher Shortcut-Griffe generieren – entweder mit gehaltener Optionstaste oder mit gehaltener Options- und Umschalttaste. Eine zusätzliche Hilfe liefert die Tastaturübersicht, die sich über das Tastaturbelegungsmenü in der Menüleiste oben rechts einblenden lässt. Alternativ lässt sich unter Mac-OS X die Zeichenpalette aufrufen. Auch professionelle Satz- und Grafikprogramme wie Indesign, Xress oder Illustrator haben entsprechende Glyphen-Paletten in petto.

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