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ZFS: Kommt das neue Dateisystem mit Snow Leopard?

11.06.2008 | 10:00 Uhr |

Mit dem Erscheinen von Mac-OS X 10.5 war zunächst einmal Schluss mit den Gerüchten um das Dateisystem ZFS. Kaum allerdings hat Apple den Namen "Snow Leopard" auch nur ausgesprochen, ist die Technik bereits wieder in aller Munde.

Mit Recht, denn zwei Fakten sind bekannt: Apples Programmierer arbeiten mit Hochdruck an einer ZFS-Integration und Chef-Entwickler Bertrand Serlet hat angekündigt, Mac-OS X für die Zukunft zu rüsten. ZFS ist zukunftssicher.

Nicht alles, was durch die Gerüchteküche geistert, ist reine Spekulation. An vielen Techniken wird auf dem Campus in Cupertino wirklich gearbeitet - nur kommen am Ende nicht alle auf den Markt. Bislang noch nicht in eine offizielle Mac OS X-Version geschafft hat es ZFS, Leopards doppelter Boden. Dabei gab es bereits Ende 2006 Bildschirmfotos von Leopard-Entwicklerversionen, die das Dateisystem unterstützten. Inzwischen steht die Implementierung für Mitglieder der Apple Developer Connection als Betaversion zum Download zur Verfügung. ZFS-Festplatten lassen sich damit unter Mac OS X lesen und beschreiben, starten kann man das Betriebssystem davon noch nicht. Bis Snow Leopard auf den Markt kommt, könnte aber auch dieses Problem gelöst sein - es bleibt die Frage, ob Apple wirklich den radikalen Schritt vollzieht und ZFS zum Standard-Dateisystem macht. Entwickler Sun sagt über das Dateisystem: "ZFS ist keine schrittweise Verbesserung existierender Technik. Es ist eine grundlegend neue Herangehensweise an die Verwaltung von Daten. Wir haben die [überholten] Annahmen der letzten 20 Jahre in den Wind geblasen, zu komplexe Umsetzungen an der Wurzel gekappt und ein Speichersystem entworfen, das sich mit Freude benutzen lässt." Die Vorteile des Dateisystems liegen vor allem in der Zukunftsfähigkeit und der Fähigkeit, mit den gigantischen Datenmengen der kommenden Jahre und Jahrzehnte umgehen zu können. Das 128-Bit-System kann beinahe unendlich große Datenmengen verwalten. ZFS-Chefentwickler Jeff Bonwick beschreibt das so: "Ein 128-bit Dateisystem zu füllen würde alle Grenzen irdischer Datenspeicherung übersteigen. Man könnte einen 128-bit Speicher-Pool nicht füllen ohne die Ozeane zu verdampfen." Doch so lange müsste der Anwender gar nicht warten, um von den Vorteilen profitieren zu können, mehrere Techniken würde er auch sofort einsetzen können. ZFS-Dateisysteme sind beispielsweise erweiterbar. Der Anwender bündelt mehrere Festplatten in einem Pool, der mitwächst, und kann diesen wie einen RAID-Verbund als ein einziges Volume anzeigen. Partitionierungswerkzeuge und ähnliche komplizierte Software benötigt er dafür nicht: Logische Partitionen in ZFS-Pools ändern ihre Größe im laufenden Betrieb. Bei akutem Platzmangel ließe sich also eine neue Festplatte einbauen und das angezeigte Volume ("Macintosh HD") würde sich sogleich um den hinzugefügten Platz vergrößern - man müsste den Mac nicht einmal neu starten. Auch mehr Sicherheit verspricht ZFS. Für den Einsatz im Produktionsalltag kann das System Abbilder eines Pools in mehreren Varianten erstellen: als schreibgeschützte Snapshots oder auch als geklontes und jederzeit einsetzbares System, Änderungen fügt es auf Wunsch (ähnlich wie Time Machine) inkrementell hinzu. Und schließlich trägt auch zur Sicherheit bei, dass ZFS jedem Block auf der Festplatte eine Prüfsumme hinzufügt und damit korrupte Daten jederzeit erkennen und automatisch reparieren kann. Sun behauptet, seit der Entwicklung des Systems sei es noch nie zu Dateiinkonsistenzen gekommen. Snow Leopard mag die meisten neuen Funktionen unter der Oberfläche verstecken - aber es werden bis zum Erscheinen von Mac OS X 10.6 deutlich mehr sein, als Apple bislang bekannt gegeben hat. ZFS könnte zu den Neuerungen gehören. Eine Methode, um vorhandene Dateisysteme bei einer Aktualisierung auf Mac OS X 10.6 verlustfrei umzuwandeln, hat Apple bereits seit Mai 2007 als Patent 0070112891 gesichert.

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