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ZFS, Leopards doppelter Boden

18.12.2006 | 16:37 Uhr |

Ein Screenshot aus der neuesten Leopard-Vorversion lässt auf ein bislang noch undokumentiertes Feature in Mac OS X schließen: Apples Betriebssystem der Zukunft setzt anscheinend auf ein neues Dateisystem, das ZFS (ursprünglich Zettabyte File System) von Sun Microsystems.

Bereits im letzten Mai waren Gerüchte aufgetaucht, der Mac-Hersteller wolle die Technik übernehmen. Jetzt zeigt die französische Seite Mac4Ever erstmals ein Bildschirmfoto der Implementierung in eine Entwicklerversion von Leopard: ZFS könnte eine der großen Neuerungen sein, die Steve Jobs während der WWDC noch verschweigen wollte.

Immer wieder überrascht der Mac-Hersteller, indem er alte Zöpfe abschneidet und radikale Neuanfänge proklamiert - beliebte Beispiele sind der Wechsel von der 68k- auf die PowerPC-Architektur, von Mac OS auf Mac OS X und schließlich von PPC- auf Intel-Prozessoren. Zu solcher Innovationsbereitschaft scheint durchaus zu passen, was Sun über sein Dateisystem sagt: "ZFS ist keine schrittweise Verbesserung existierender Technik. Es ist eine grundlegend neue Herangehensweise an die Verwaltung von Daten. Wir haben die [überholten] Annahmen der letzten 20 Jahre in den Wind geblasen, zu komplexe Umsetzungen an der Wurzel gekappt und ein Speichersystem entworfen, das sich mit Freude benutzen lässt." Noch kann man die aktuelle Vorversion von Mac OS X 10.5 anscheinend nicht auf ZFS-formatierten Festplatten installieren, allerdings kann sie zusätzliche ZFS-Platten sowohl formatieren als auch lesen und beschreiben. Deshalb lässt sich nicht sagen, ob das 128-Bit-System ZFS das aktuelle 32-Bit-System HFS+ als Standard ersetzen könnte oder nur als zusätzliches Dateisystem zur Verfügung steht.  

Wenn die Festplatte mitwächst

Eindeutig hingegen sind die Vorteile, die ZFS Mac-Anwendern im täglichen Gebrauch bescheren könnte. Zum einen wäre da die Erweiterbarkeit: Der Anspruch an große Festplatten wächst rapide, gerade das Speichern von heruntergeladenen Videos in iTunes wird den Bedarf an Platz auch bei der breiten Masse rapide wachsen lassen. ZFS erlaubt dem Anwender, mehrere Volumes in einem wachsenden Pool zu bündeln und - ähnlich wie im RAID-Verbund - als ein einziges Volume anzeigen zu lassen. Dabei lassen sich logische Partitionen anlegen, deren Größe sich im laufenden Betrieb ändern lässt: Benötigt man auf seinem Mac mehr Speicherplatz, könnte man zusätzliche Festplatte einbauen und seine Hauptpartition ("Macintosh HD") erweitern, ohne seine Daten auf mehrere Volumes verteilen zu müssen.  

Leichter klonen und Ausfälle vermeiden

Auch die Datensicherung macht ZFS leichter: Das Dateisystem sieht vor, leicht und schnell Abbilder des Systems zu erstellen. Es lassen sich sowohl schreibgeschützte Snapshots anlegen als auch geklonte und voll einsetzbare Systeme, in beiden Varianten kann ZFS die Veränderungen inkrementell speichern. In einem RAID-Z-Verbund lassen sich Daten eines Pools auf mehreren Festplatten parallel schreiben, ohne dass man dafür wie bei RAID-5 einen Zwischenspeicher (NVRAM) benötigt. Fällt eine der Festplatten aus, verliert man keine Daten.  

Konsistent, fast grenzenlos

Laut Sun ist seit der Entwicklung des Systems in über fünf Jahren noch nie ein Datenkonsistenzfehler aufgetreten: Dafür sorgt eine Technik, die jeden Block im Dateisystem mit einer Prüfsumme versieht. Erkennt das System korrupte Daten, kann es Fehler ohne Eingriff des Anwenders und mit minimalen Geschwindigkeitseinbußen selbstständig beheben. Der Zustand des Dateisystems ist mit ZFS zudem "zu jeder Zeit konsistent", erklärt die deutsche Wikipedia . Das sollte bedeuten, dass man ZFS-formatierte Speichersysteme ohne Datenverlust ausschalten kann, ohne sie vorher aushängen zu müssen - und dass nach einem Absturz des Rechner das Dateisystem nicht mehr überprüft und gegebenenfalls repariert werden muss. Schließlich ist das laut Sun "letzte Wort in Sachen Dateisystem" für sehr große Datenmengen gedacht. Das Gerücht um ZFS, das wohl zum Teil schon Wirklichkeit geworden ist, wäre in den Augen vieler Anwender ein schlagendes Argument für Leopard. In drei Wochen bereits dürfte sich herausstellen, ob es auch Steve Jobs ein "Boom!" wert ist.

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