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ZFS: Neues Dateisystem zur WWDC

08.06.2007 | 12:30 Uhr |

Die vermeintlich erste Sensation zur WWDC 2007 hat Jonathan Schwartz, Chef von Sun Microsystems, bereits ausgeplaudert: Apple bereite einen radikalen Schnitt vor und setze mit Leopard auf ein neues Standard-Dateisystem, ZFS, das das aktuelle HFS+ ersetzen werde.

Allerdings meldet sich kurze Zeit später sein Kollege Marc Hamilton, Vice President for Solaris Marketing, zu Wort und wiegelt ab: Seiner Meinung nach plane Apple zwar, ZFS in kommenden Versionen von Mac OS X einzusetzen - nicht aber zwingend als Standard-Dateisystem in Version 10.5. Steve Jobs selbst wird am kommenden Montag auf seiner Keynote zur WWDC verkünden, wer Recht hat. Doch was ist diese neue Dateisystem überhaupt, woher stammt es und worin liegen seine Vorzüge? ZFS ist eine Revolution, behaupten seine Entwickler.

Das Gerücht, Leopard könne das 128-Bit-System ZFS unterstützen, gehen bereits auf Mai 2006 zurück. Im Dezember letzten Jahres hat macnews.de in einem ausführlichen Artikel über das Dateisystem berichtet , Auszüge finden sich im folgenden Text wieder.  

Von Sun entwickelt

Sun Microsystems unterstützt nicht nur die Portierungsarbeiten bei Openoffice.org Aqua für den Mac ( wir berichteten ), die Firma aus dem Silicon Valley scheint auch an Kooperationen mit dem Mac-Hersteller Interesse zu zeigen. Ein Beispiel dafür ist ZFS, das Sun im Jahr 2005 für das Betriebssystem Solaris 10 entwickelt hat. Der Hersteller stellt es unter der CCD-Lizenz (Common Development and Distribution License), die auf der Mozilla Public Licence basiert, als freie Software zur Verfügung.  

In Leopard schon drin

Apple hat die Unterstützung für das Dateisystem bereits in aktuelle Vorversionen von Mac OS X 10.5 eingebaut, allerdings lässt sich Leopard darauf bislang noch nicht installieren und nicht booten. Inzwischen könnte das den Entwicklern aus Cupertino aber gelungen sein - das ZFS Boot Projekt hat es vor kurzem geschafft, OpenSolaris von ZFS-Platten zu starten, Solaris soll eine solche Funktion noch im Laufe des Jahres erhalten. Wenn Apple ZFS wirklich als Standardsystem wählt, könnte der Hersteller für Anwender von Mac OS X 10.4 und früherer Versionen eine Umwandlungssoftware anbieten, die ihre HFS-Festplatten und Partitionen auf ZFS überführt. Bereits Ende 2005 hat der Mac-Hersteller ein Patent eingereicht, das solch eine Funktion abdecken würde ( wir berichteten ).  

Wenn die Festplatte mitwächst

Eindeutig hingegen sind die Vorteile, die ZFS Mac-Anwendern im täglichen Gebrauch bescheren könnte. Zum einen wäre da die Erweiterbarkeit: Der Anspruch an große Festplatten wächst rapide, gerade das Speichern von heruntergeladenen Videos in iTunes wird den Bedarf an Platz auch bei der breiten Masse rapide wachsen lassen. ZFS erlaubt dem Anwender, mehrere Volumes in einem wachsenden Pool zu bündeln und - ähnlich wie im RAID-Verbund - als ein einziges Volume anzeigen zu lassen. Dabei lassen sich logische Partitionen anlegen, deren Größe sich im laufenden Betrieb ändern lässt: Benötigt man auf seinem Mac mehr Speicherplatz, könnte man zusätzliche Festplatte einbauen und seine Hauptpartition ("Macintosh HD") erweitern, ohne seine Daten auf mehrere Volumes verteilen zu müssen.  

Leichter klonen und Ausfälle vermeiden

Auch die Datensicherung macht ZFS leichter: Das Dateisystem sieht vor, leicht und schnell Abbilder des Systems zu erstellen. Es lassen sich sowohl schreibgeschützte Snapshots anlegen als auch geklonte und voll einsetzbare Systeme, in beiden Varianten kann ZFS die Veränderungen inkrementell speichern. In einem RAID-Z-Verbund lassen sich Daten eines Pools auf mehreren Festplatten parallel schreiben, ohne dass man dafür wie bei RAID-5 einen Zwischenspeicher (NVRAM) benötigt. Fällt eine der Festplatten aus, verliert man keine Daten.  

Konsistent, fast grenzenlos

Laut Sun ist seit der Entwicklung des Systems in über fünf Jahren noch nie ein Datenkonsistenzfehler aufgetreten: Dafür sorgt eine Technik, die jeden Block im Dateisystem mit einer Prüfsumme versieht. Erkennt das System korrupte Daten, kann es Fehler ohne Eingriff des Anwenders und mit minimalen Geschwindigkeitseinbußen selbstständig beheben. Der Zustand des Dateisystems ist mit ZFS zudem "zu jeder Zeit konsistent", erklärt die deutsche Wikipedia . Das sollte bedeuten, dass man ZFS-formatierte Speichersysteme ohne Datenverlust ausschalten kann, ohne sie vorher aushängen zu müssen - und dass nach einem Absturz des Rechner das Dateisystem nicht mehr überprüft und gegebenenfalls repariert werden muss. Schließlich ist das laut Sun "letzte Wort in Sachen Dateisystem" für sehr große Datenmengen gedacht.

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